Japaner fordert Infantino heraus – Tashima will FIFA-Präsident werden
von belmedia Redaktion Allgemein nachrichtenticker.ch News Themen
Gianni Infantino bekommt bei der nächsten FIFA-Präsidentenwahl einen prominenten Herausforderer. Der 68-jährige Japaner Kozo Tashima hat am Donnerstag, 5. November 2026, seine Kandidatur für das höchste Amt im Weltfussball angekündigt. Der ehemalige Präsident des japanischen Fussballverbands erhält die einstimmige Unterstützung der Verbandsspitze. Damit zeichnet sich für den Schweizer Amtsinhaber bei der Wahl am 18. März 2027 erstmals ein ernsthafter Gegenkandidat ab.
Tashima gehört seit 2015 dem FIFA-Council an und verfügt über langjährige Erfahrung in der internationalen Fussballpolitik. Der frühere japanische Nationalspieler will insbesondere Integrität, transparente Entscheidungsprozesse und die Werte des japanischen Fussballs stärker in den Mittelpunkt stellen. Bis zum 18. November muss er seine Bewerbung einreichen und die Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden nachweisen.
Die Kandidatur fällt in eine schwierige Phase für Infantino. Sein im Sommer gescheiterter Plan, private Investoren an kommerziellen FIFA-Rechten zu beteiligen, hat das Verhältnis zu mehreren nationalen Verbänden belastet. Auch der Schweizerische Fussballverband hat seine frühere Unterstützung zurückgezogen. Gleichzeitig erhält Infantino weiterhin Rückendeckung aus wichtigen Teilen des asiatischen und afrikanischen Fussballs.
Tashima will andere Werte in den Mittelpunkt stellen
Nach der Sitzung des japanischen Fussballverbands erklärte Kozo Tashima, weshalb er sich um das Präsidentenamt bewerben möchte.
Der 68-Jährige sieht im internationalen Fussball einen zunehmenden Bedarf an Glaubwürdigkeit und Integrität.
Japan habe über viele Jahre eine ehrliche, solide und aufrichtige Fussballkultur aufgebaut. Diese Werte wolle er auf internationaler Ebene vertreten.
Dabei gehe es ihm nicht ausschliesslich um den Wahlsieg. Seine Bewerbung solle auch eine grundsätzliche Diskussion über die Führung des Weltverbands auslösen.
Tashima ist Ehrenpräsident des japanischen Fussballverbands und gehört dem FIFA-Council seit 2015 an. Er kennt die internen Entscheidungsprozesse deshalb aus eigener Erfahrung.
Fünf Verbände müssen Tashima unterstützen
Die öffentliche Ankündigung allein genügt für eine offizielle Kandidatur nicht.
Bis zum 18. November müssen Bewerber ihre Unterlagen beim Weltverband einreichen.
Erforderlich sind Unterstützungserklärungen von mindestens fünf der insgesamt 211 FIFA-Mitgliedsverbände.
Japan steht bereits hinter Tashima. Ob er weitere verbindliche Zusagen erhalten hat, ist derzeit offen.
Zusätzlich muss jeder Bewerber eine Prüfung seiner Wählbarkeit bestehen.
Erst danach steht fest, welche Kandidaten tatsächlich auf dem Wahlzettel erscheinen.
Gescheiterter Investorendeal belastet Infantino
Die neue Konkurrenz kommt für den amtierenden Präsidenten in einer politisch angespannten Situation.
Im Sommer hatte Infantino vorgeschlagen, einen Teil der kommerziellen FIFA-Rechte in eine neue Gesellschaft einzubringen und private Investoren zu beteiligen.
Das Projekt trug den Namen FIFA Forward Enterprise.
Innerhalb mehrerer Fussballverbände lösten insbesondere die geplante Beteiligung externer Kapitalgeber und die Entscheidungsprozesse Kritik aus.
Nach erheblichem Widerstand wurde das Vorhaben aufgegeben.
Beim FIFA-Council im Oktober entschuldigte sich Infantino für Fehler bei der Einbindung der zuständigen Gremien.
Die Auseinandersetzung über Transparenz und Kontrolle innerhalb des Weltverbands ist damit jedoch nicht beendet.
Welche Rolle spielt die UEFA?
Besonders aufmerksam wird die Kandidatur in Europa verfolgt.
Die UEFA gehört zu den entschiedensten Kritikern der jüngsten FIFA-Entscheidungen.
Innerhalb des europäischen Fussballs liefen deshalb seit Wochen Gespräche über einen möglichen Herausforderer Infantinos.
Ob Tashima die offizielle Unterstützung der UEFA erhält, ist noch nicht geklärt.
Seine japanische Herkunft macht die politische Konstellation besonders interessant.
Asiens Kontinentalverband AFC hat Infantino zuletzt erneut Unterstützung zugesichert. Mit Tashima stellt sich nun eine prominente Persönlichkeit aus einem asiatischen Mitgliedsverband gegen den Amtsinhaber.
Die Unterstützung eines Kontinentalverbands bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche angeschlossenen nationalen Verbände gleich abstimmen.
Schweizer Fussballverband auf Distanz
Für die Schweiz besitzt die Präsidentenwahl besondere Bedeutung.
Infantino stammt aus dem Wallis und leitet die FIFA seit Februar 2016. Der Weltverband hat seinen Hauptsitz in Zürich.
Der Schweizerische Fussballverband hat sich inzwischen von seiner früheren Unterstützung für eine weitere Amtszeit distanziert.
Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Führung und Kontrolle des Weltverbands.
Der Rückhalt Infantinos in Asien und die Distanzierung des SFV verdeutlichen die unterschiedlichen Positionen vor der Wahl.
Mit dem ehemaligen Schweizer Nationalspieler Ramon Vega hat ausserdem ein weiterer möglicher Gegenkandidat seine Ambitionen angekündigt.
Auch Vega benötigt die vorgeschriebenen Unterstützungserklärungen.
Entscheidung fällt im März 2027
Am 18. März 2027 stimmen die FIFA-Mitgliedsverbände beim Kongress in Rabat über das Präsidentenamt ab.
Jeder der 211 nationalen Verbände besitzt eine Stimme.
Infantino kann weiterhin auf politische Unterstützung aus mehreren Kontinentalverbänden zählen. Tashima muss nun zeigen, ob er Verbände aus verschiedenen Regionen hinter sich vereinen kann.
Bis zur Anmeldefrist am 18. November wird sich entscheiden, welche Bewerbungen die formellen Voraussetzungen erfüllen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert