Brückenbau einst und heute: Luzerns Fluhmühle-Konstruktion im Wandel der Zeit

In den kommenden Monaten wird in Luzern ein altes Industriedenkmal restauriert – die Eisenbahnbrücke in der Fluhmühle. Das Stadtarchiv Luzern präsentiert in einer neuen Bildergalerie das historische Ereignis des Neubaus der Eisenbahnbrücke vor über 100 Jahren.

Die Eisenbahnbrücke über die Reuss ist eine der wenigen noch erhalten gebliebenen Halbparabelfachwerk-Brücken in der Schweiz und wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach aufgefrischt. Nun soll sie mit einer Totalerneuerung des Korrosionsschutzes und weiteren kleinen Instandsetzungen für die kommenden fünfzig Jahre Eisenbahnbetrieb ertüchtigt werden.

Seit einem Jahr laufen die umfangreichen Vorbereitungen. Da die Arbeiten nicht bei laufendem Betrieb vorgenommen werden können, müssen die einzelnen Brückenbogen jeweils mit einem provisorischen Ersatzteil ausgetauscht und an Land saniert werden. Dazu werden die je etwa 185 Tonnen schweren Brückenelemente von einem Raupenkran herausgehoben und ans Ufer transferiert.


Eine Kurve von 300 m Radius: alte und neue Eisenbahnbrücke: Die fünf Halbparabelträger der alten Brücke waren nur 2,6 m hoch und 28,6 m lang, bei der neuen messen die drei Träger 6,8 m auf 47,1 m. Eingezeichnet ist auch die nötige Stabilisierung mit Steinen (oben). Plan, Bulletin technique de la Suisse romande, Bd. 45, 22. März 1919

Die aufsehenerregenden Arbeiten starten am 22. März 2025. Es ist jedoch nicht das erste Spektakel an dieser Stelle. Bereits der Ersatz der ursprünglichen Brücke 1920/21 bot Schaulustigen eine eindrückliche Demonstration der damaligen Ingenieurskunst.


Die alte Brücke vor der Verschiebung: Hölzerne, mit Jochen verbundene Pfähle bildeten die provisorischen Stützen. Zwischen ihnen und den Pfeilern wurden Verschubbahnen mit Rollenzügen montiert (s. hinten, vorne fehlt die Konstruktion noch).
Urheberschaft unbekannt, 1920 (F2a/BRÜCKEN/04:04)

Die für Herbst 1922 geplante Elektrifizierung der Bahnstrecke forderte einen Neubau der Eisenbahnbrücke. Da der Neubau an derselben Stelle zu stehen kommen sollte, mussten die Gleise während der Bauzeit verlegt werden. Als provisorische Brücke für den Bahnbetrieb diente die ursprüngliche, flussabwärts verschobene Brücke. Die Verschiebung erfolgte am Mittwoch, 25. August 1920 innerhalb von fast unglaublichen zwanzig Minuten – und dies ohne Raupenkran.


Arbeiter, SBB-Beamte und Ingenieure posieren kollektiv nach der erfolgreichen Verschiebung
Blick vom Ufer Friedental Richtung Fluhmühle. Links im Bild: eine der Verschubbahnen mit Rollenzug, bestehend aus 15 Rollen von 150 mm Durchmesser. Urheberschaft unbekannt, 1920 (F2a/BRÜCKEN/04:02

Die hier gezeigten Fotos stammen fast alle aus einem einzigen Dossier im Stadtarchiv. Wer sie gemacht hat und auf welchen Wegen sie ins Stadtarchiv gelangt sind, ist nicht bekannt. Glücklicherweise war die Entstehung der Brücke Sensation genug für eine ganze Serie kostspieliger Fotos.

 

Quelle: Kanton Luzern
Bildquellen: Bild 1: => Emil Synnberg, Luzern, vor 1910 (F2a/PANORAMA/TEILANSICHT/12.03:01); sonstige Bilder: => siehe Bildlegenden

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