Architekturpreis 2023: Wohnhaus in Arnhofen – Vorbild einer nachhaltigen Baukultur

Ein schlichtes Wohnhaus im bayerischen Arnhofen hat 2023 den Architekturpreis des Bezirks Schwaben gewonnen – nicht wegen spektakulärer Formen, sondern aufgrund seiner konsequent nachhaltigen Bauweise und der harmonischen Einbettung ins Ortsbild.

Das Projekt von Jeremias und Elisabeth Gebler zeigt eindrücklich, wie ökologisches Bauen und regionale Identität Hand in Hand gehen können.

Ein Haus, das sich einfügt – nicht auffällt

Inmitten der ländlichen Struktur Arnhofens erhebt sich das Wohnhaus der Familie Gebler in Holzständerbauweise. Es verzichtet bewusst auf architektonische Extravaganz und setzt stattdessen auf eine klare Formensprache, die sich nahtlos in das historische Orts- und Landschaftsbild einfügt. Die verwendete Formensprache ist reduziert, sachlich und schnörkellos – ganz im Sinne einer modernen Interpretation des traditionellen Bauens.



Architektonische Zurückhaltung als Stärke

Die bewusste Reduktion auf das Wesentliche zeigt sich unter anderem an der Fassadengestaltung: unbehandeltes Lärchenholz, ein steiles Satteldach und dezente Fensteröffnungen. Die schlichte Architektur vermittelt Ruhe und Beständigkeit – Werte, die gerade in Zeiten wachsender ökologischer Unsicherheit neue Bedeutung gewinnen.

Holz als zentrales Baumaterial

Die Entscheidung für Holz als primäres Baumaterial war für die Bauherren nicht nur eine ästhetische, sondern vor allem eine ökologische. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der CO₂ bindet und somit einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Zudem ermöglicht die Holzständerbauweise eine flexible Raumgestaltung und kurze Bauzeiten. Der Baustoff stammt grösstenteils aus der Region, was die ökologische Bilanz zusätzlich verbessert.

Ökologisch durch lokale Wertschöpfung

Für den Bau wurden ausschliesslich zertifizierte Hölzer aus dem nahen Alpenvorland verwendet. Die kurze Lieferkette sparte nicht nur CO₂ ein, sondern unterstützte auch das lokale Handwerk – ein Aspekt, den die Jury des Architekturpreises besonders hervorhob.


Vorteile der Holzständerbauweise:

  • Nachhaltigkeit durch Verwendung eines erneuerbaren Rohstoffs
  • Gute Wärmedämmung und Energieeffizienz
  • Kurze Bauzeiten durch Vorfertigung
  • Flexibilität in der Raumgestaltung
  • Positive Ökobilanz durch regionale Wertschöpfung


Integration in die Umgebung

Ein zentrales Anliegen der Bauherren war es, ein Haus zu schaffen, das sich harmonisch in die bestehende Dorfstruktur einfügt. Dies wurde durch die Wahl traditioneller Materialien, die Anpassung an die örtlichen Bauformen und die Berücksichtigung der Topographie erreicht. Die Aussenräume – ein Gemüsegarten, eine Blumenwiese und ein kleiner Obsthain – schaffen eine fliessende Verbindung zwischen Gebäude und Landschaft.

Ein Beitrag zur Dorfgemeinschaft

Besonders erwähnenswert ist, dass die Bauherren aktiv auf ihre Nachbarn zugingen und diese frühzeitig in die Planung einbezogen. Dieser Dialog verhinderte nicht nur Konflikte, sondern führte auch zu wertvollen Anregungen, etwa beim Sichtschutz oder der Dachform. Das Haus wirkt dadurch nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein organischer Bestandteil des Dorfes.

Auszeichnung für nachhaltige Baukultur



Der Architekturpreis des Bezirks Schwaben würdigt seit Jahren herausragende Bauprojekte, die sich durch besondere Qualität, Innovation oder Nachhaltigkeit auszeichnen. Das Wohnhaus in Arnhofen überzeugte die Jury mit seinem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, seiner sozialen Einbindung in das dörfliche Gefüge und seiner architektonischen Klarheit.

Ein Vorbild mit Strahlkraft

In der Begründung hob die Jury hervor, dass das Haus eine neue Qualität des Wohnens auf dem Land markiere. Es sei ein Gegenentwurf zu anonymen Fertighäusern oder uniformen Siedlungen. Stattdessen stehe es für einen achtsamen, verantwortungsbewussten Lebensstil – mit Vorbildfunktion auch für Bauherren in der Schweiz.


Weitere Preisträger des Architekturpreises 2023:

  • Dorfgemeinschaft Vorderburg e.V. für die Sanierung des Gasthofs Hirsch in Rettenberg
  • Stadt Sonthofen für den Bau des AlpenStadtMuseums
  • Umweltbildungszentrum der Stadt Augsburg für vorbildlichen Umgang mit Ressourcen


Lebensqualität durch nachhaltige Architektur

Das Wohnhaus in Arnhofen beweist, dass nachhaltige Architektur keineswegs Verzicht bedeutet. Im Gegenteil: Das konsequent ökologisch geplante Haus bietet seinen Bewohnern ein Höchstmass an Lebensqualität. Die natürliche Materialität schafft ein angenehmes Raumklima, grosse Fensteröffnungen bringen viel Tageslicht ins Haus, und durchdachte Grundrisse ermöglichen flexible Nutzungsszenarien.

Gesundes Wohnen für kommende Generationen

Auf schadstoffhaltige Baustoffe wurde vollständig verzichtet. Dämmstoffe bestehen aus Zellulose, Farben sind mineralisch, Bodenbeläge aus Holz oder Linoleum. All dies trägt zu einem gesunden Raumklima bei – nicht nur heute, sondern auch für kommende Generationen. Die Bauherren sprechen von einem „Haus, das mitwächst”, weil es sich auch nach Jahrzehnten noch an veränderte Lebensphasen anpassen lässt.

Fazit: Ein Vorbild für nachhaltiges Bauen

Das Wohnhaus in Arnhofen zeigt, dass nachhaltiges Bauen nicht nur in urbanen Zentren, sondern auch im ländlichen Raum möglich und sinnvoll ist. Durch die Kombination traditioneller Bauweisen mit modernen ökologischen Standards entsteht ein Gebäude, das sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugt. Es dient als Inspiration für zukünftige Bauprojekte, die Wert auf Nachhaltigkeit und regionale Identität legen.


Tipps für Bauherren, die nachhaltig bauen möchten:

  • Frühzeitig lokale Architekturbüros und Handwerker einbeziehen
  • Materialien aus der Region bevorzugen
  • Auf modulare und flexible Grundrisse achten
  • Förderprogramme für ökologisches Bauen nutzen
  • Nachbarschaft und Gemeinde in die Planung einbeziehen


 

Quelle: architektenwelt.com-Redaktion
Bildquellen: Screenshots aus dem YouTube-Video „Architekturpreis 2023 | Wohnhaus in Arnhofen“, Kanal: Bezirk Schwaben, veröffentlicht am 24.05.2023, abgerufen am 18.06.2025, https://www.youtube.com/watch?v=PIhxoJ-lJxQ]