Waadt plant Studienprojekt zur römischen Villa Boscéaz – Kultur und Tourismus im Fokus

Mit einer geplanten Investition von einer Million Franken setzt der Kanton Waadt ein deutliches Zeichen für die Zukunft der archäologischen Stätte Boscéaz bei Orbe.

Der Staatsrat beantragt dem Grossen Rat die Bewilligung eines Studienkredits, um die wissenschaftliche, landschaftliche und infrastrukturelle Weiterentwicklung des bedeutenden Kulturguts systematisch vorzubereiten.

Ein Ort von nationaler Bedeutung

Die antike Villa von Boscéaz gehört zu den herausragenden archäologischen Fundplätzen der Schweiz. Insbesondere die dort freigelegten Mosaike – die grössten nördlich der Alpen – gelten als einzigartiges Zeugnis römischer Wohnkultur. Mit dem geplanten Projekt soll dieser Ort nicht nur besser geschützt, sondern auch stärker in das kulturelle und touristische Angebot der Region Jura-Nord vaudois eingebunden werden.

Drei Forschungsachsen – ein gemeinsames Ziel

Die geplanten Vorstudien verfolgen drei Schwerpunkte:

  • Integration in die Kulturlandschaft: Die Stätte soll über bestehende und neue Routen der sanften Mobilität, wie die Via Francigena, die Orbe-Schluchten oder den künftigen Landschaftsrundweg der Gemeinde Orbe, besser angebunden werden.
  • Infrastruktur und Besuchserlebnis: Eine Bestandsaufnahme der bestehenden Gebäude sowie Machbarkeitsanalysen für einen neuen, funktionalen Empfangspavillon stehen im Zentrum der baulichen Planungen.
  • Bildung und Gestaltung: Die landschaftliche Inszenierung der Fundstelle und die Entwicklung didaktischer Vermittlungsformate erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Orbe, die über angrenzende Grundstücke verfügt.

Breit abgestützte Partnerschaft

Die Gesamtkoordination liegt bei der Generaldirektion für Immobilien und Kulturerbe. Beteiligt sind unter anderem die kantonale Archäologie, die Abteilungen für Kultur sowie Wirtschaft und Innovation, die Stadt Orbe, die Stiftung Pro Urba (als derzeitige Betreiberin des Areals) und der Verein zur Entwicklung des Nordwaadtlandes. Gemeinsam arbeiten diese Partner an einem tragfähigen, zukunftsgerichteten Konzept.

Stimmen aus der Regierung

„Die römische Villa von Boscéaz ist ein kostbares Erbe unserer Geschichte. Mit diesem Projekt wollen wir ihren Schutz intensivieren und gleichzeitig das kulturelle Profil der Region schärfen“, erklärt Staatsrätin Isabelle Moret, Vorsteherin des Departements für Wirtschaft, Arbeit, Innovation und Kulturerbe.

Ihre Kollegin Nuria Gorrite, zuständig für Institutionen, Kultur, Infrastrukturen und Humanressourcen, betont: „Die grossartigen Mosaike von Orbe sind Teil eines fragilen kulturellen Schatzes. Es ist unsere Pflicht, ihn zu pflegen und weiterzuentwickeln – auch im Hinblick auf ein erweitertes Bildungs- und Tourismusangebot.“

Ein erster Meilenstein im Legislaturprogramm

Die Initiative ist Bestandteil des Legislaturprogramms 2022–2027 und soll die Grundlage für ein kohärentes, respektvolles Erschliessungskonzept schaffen. Ziel ist es, die nationale Bedeutung des Fundorts sichtbar zu machen und gleichzeitig der Region neue Impulse in Kultur, Bildung und sanftem Tourismus zu geben.

 

Quelle: denkmalpflege-schweiz.ch-Redaktion/Kanton Waadt
Bildquelle: Kanton Waadt

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