House of Music Budapest: Klangarchitektur zwischen Natur und Innovation
von belmedia Redaktion Allgemein architektenwelt.com Architektur Innovation & Technik Inspiration Materiale & Produkte Nachhaltigkeit News
House of Music Budapest verbindet Klang, Natur und moderne Architektur zu einem öffentlichen Ort der Begegnung. Mit seiner transparenten Glasfassade, der wellenförmigen Dachstruktur und integrierten Bäumen wird das Gebäude zur lebendigen Klanglandschaft.
Im Herzen des Városliget-Parks nahe des Heldenplatzes entstand ein innovativer Konzert- und Museumsbau mit ca. 9’000 m² Fläche auf drei Ebenen. Ziel ist es, Musik erlebbar zu machen – nicht nur über akustische Darbietung, sondern als architektonisches Gesamterlebnis.
1. Dimensionen: Flächengrössen, Raumhöhen und technische Eckdaten
Die Nutzfläche erstreckt sich über rund 9’000 m². Der Bau gliedert sich in:
- Untergeschoss mit Sound‑Dome-Ausstellungskuppel, ca. 32 Lautsprecher und immersive Klangräume
- Erdgeschoss mit zwei Konzertsälen (einer davon Open‑Air‑Bühne mit≈320 Sitzplätzen)
- Obergeschoss mit Archiven, Bibliothek und Schulungsräumen
Die Raumhöhe im Foyer und in den Konzertsälen beträgt rund 12 m, während die Dachkonstruktion stets unter der Baumkrone bleibt. Das Dach selbst bedeckt eine Fläche von ca. 5’000 m² und schwingt in Wellenformen von bis zu 12 m Höhe.
2. Geschichte: Wettbewerb, Bauperiode, Eröffnung
2015 wurde ein internationaler Wettbewerb im Rahmen des Liget Budapest Projekts ausgelobt, bei dem das Konzept von Sou Fujimoto aus 168 Einreichungen den Zuschlag erhielt. Der Baubeginn erfolgte 2018, nach dem Abbruch des Vorgängerbaus.
Die Eröffnung fand 2023 statt. Das Konzept verfolgt das Ziel, Musik in einen alltäglichen Parkraum zu integrieren statt als isolierte Institution.
3. Zweck und Nutzung: Programmebenen und öffentliche Funktion
Das House of Music versteht sich als multifunktionaler Ort für Klang und Begegnung:
- Sound Dome für immersive Toninstallationen und Ausstellungen
- Konzertsaal mit variabler Bestuhlung für Klassik, Jazz und Klangvorträge
- Open-Air-Bühne im Park für spontane Performances
- Schulungs- und Vermittlungsräume für Workshops und Musikarchive
- Bibliothek und Archivinfrastruktur für Forschende und Musikinteressierte
4. Bäume im Baukörper: Integration statt Fällung
Etwa 100 bestehende Parkbäume wurden bewusst erhalten. Der Bau wurde um die Bäume herumgeführt – mit Öffnungen in der Dach- und Bodenstruktur.
Das erzeugt Innenräume mit Dämmerlicht-Atmosphäre und direkte visuelle Bezüge zur Natur – die Bäume fungieren als integraler Bestandteil der Architektur.
5. Verglasung: Menge, Dimension und Material
Die Fassade besteht aus rund 94 grossformatigen Verglasungspaneelen, jedes bis zu 12 m hoch. Gesamtfläche schätzungsweise 3’500 m² Glas.
Verwendet wurde ein wärmegedämmtes Isolierglas (Mehrscheiben-Isolierglas) mit Low-E-Beschichtung, um thermischen Komfort und Energieeffizienz zu gewährleisten. Die Stahl-Aluminium-Glas-Konstruktion erzeugt maximale Transparenz bei hoher Energiebilanz.
6. Dachstruktur: Design, Material, Oberflächenhöhe
Das Dach erreicht mittlere Höhen von 12 m, variiert dabei wellenförmig in Breiten von 6–12 m pro Welle. Die Oberfläche ist mit ca. 30’000 goldfarbenen, blattförmigen Aluminium-Elementen belegt – entsteht so eine Licht- und Goldstruktur, die an Blätter im Sonnenlicht erinnert. Lichtöffnungen lassen die Bäume durchscheinen und schaffen lebendige Lichtmuster im Innenraum.
7. Akustik: Technische Umsetzung trotz Glasfassade
Zur Optimierung der Akustik wurden spezielle Glaselemente eingesetzt: gewellte Scheiben‑Flächen brechen Schallreflexionen.
Nagata Acoustics entwickelte zudem gezielt akustische Wandformen – z. B. gezackte Glas-Dreiecksflächen – um klare Klangübertragung zu garantieren, trotz grosser Glasflächen.
8. Nachhaltigkeit: Energie, Wasser und Materialien
Das Gebäude wurde nach hohen Standards bewertet (u. a. BREEAM “exemplary”).
Ein geothermales Wärmepumpensystem mit ≈120 Erdsonden (je ca. 100 m tief) versorgt Heizung und Kühlung.
Regenwassernutzung, LED‑Beleuchtung und Low‑Energy‑Verglasung tragen zur Betriebseffizienz und zur Reduktion der CO₂-Emissionen bei.
9. Programmvielfalt: Nutzung und öffentliche Öffnung
Das Programm des Hauses ist umfangreich:
- Konzerte von Klassik bis Pop
- Interaktive Klanginstallationen
- Workshops und Schulprogramme
- Ausstellungen z. B. zur Musikgeschichte im 20. Jh.
- Open-Air-Veranstaltungen und Aufenthaltsraum im Park
Das offene Glas schafft eine ständige visuelle Verbindung zwischen Park und Innenraum – das Haus lädt Passanten symbolisch und real ein.
10. Symbolik und gesellschaftliche Rolle
Das Gebäude symbolisiert Offenheit und Transparenz – nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Gesellschaftsauffassung von Kultur als Allgemeingut. In seiner lichtdurchfluteten Form wirkt es einladend und nicht elitär.
Die wellenförmige Dachstruktur interpretiert Klangwellen räumlich und verbindet so Konzept und Form.
Quelle: architektenwelt.com-Redaktion
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