Wakkerpreis 2026 für Brig-Glis: Vorbildlicher Umgang mit Baukultur und Klimaanpassung

Der Schweizer Heimatschutz würdigt Brig-Glis für die innovative Nutzung historischer Bauten.

Brig-Glis fördert eine kulturell und sozial bereichernde Nutzung ihres baukulturellen Erbes. Die Walliser Gemeinde verbindet dabei Tradition und Innovation auf beispielhafte Weise. Durch die sinnvolle Nutzung historischer Bauten, die Integration zeitgenössischer Architektur und die Anpassung der Stadträume an das veränderte Klima, positioniert sich die alpine Stadt als resilienter und innovativer Lebensraum – dies würdigt der Schweizer Heimatschutz mit dem Wakkerpreis 2026.

Historische Bedeutung und Entwicklung

Brig-Glis liegt im oberen Rhonetal am Fuss des Simplonpasses und war aufgrund seiner Lage im Alpenbogen schon im Mittelalter ein bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Der Unternehmer und Politiker Kaspar Stockalper prägte den Ort im 17. Jahrhundert nicht nur durch den von weither sichtbaren Stockalperpalast, er legte auch den Grundstein für Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie soziale Institutionen. Unter Napoleon I. kam Brig-Glis eine militärische Schlüsselrolle zu. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Brig durch den Ausbau von Bahn- und Tunnelinfrastrukturen (Lötschberg, Simplon) zu einem Bahnknotenpunkt und einer wichtigen Zollstation. Historische Bauten wie das Bahnhofgebäude von 1906 und die Grenzsanität der 1950er-Jahre zeugen von dieser Entwicklung. Bis heute prägen Grenzgänger die wirtschaftliche, soziale und räumliche Entwicklung der Region.



Bildung und Soziales

Eine besondere Stärke der Gemeinde zeigt sich im verantwortungsvollen Umgang mit dem baukulturellen Erbe. Religiöse Einrichtungen, die über lange Zeit gesellschaftliche Aufgaben wahrnahmen, werden heute sinnvoll weitergenutzt. Die Umnutzung des Marienheims zu einem Gästehaus und Heim für Geflüchtete ist ein Beispiel für die Weiterführung der Willkommenskultur der Ursulinen. Ebenso zeigen das Schlösschen Mattini, das Gemeinschaftshaus St. Ursula und der „Bildungshügel“ auf dem Areal des Kollegiums Spiritus Sanctus, wie Baukultur als Ressource für Bildung, soziale Integration und gesellschaftliche Entwicklung aktiv genutzt wird. Brig-Glis verbindet damit Tradition und aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse auf vorbildliche Weise.

Natur und Erholung

Die Natur prägt Brig-Glis seit jeher und stellt die Stadtgemeinde vor Herausforderungen: Überschwemmungen, Lawinen, Waldbrände, Erdrutsche, starke Winde und zunehmende Wärme gehören zum Alltag. Besonders einschneidend war das Unwetter von 1993, als die Saltina weite Teile der Gemeinde Brig-Glis überflutete. Der Wiederaufbau verband technische Sicherheitsmassnahmen mit einer sorgfältigen Restaurierung der Altstadt und des Sebastiansplatzes, der seither als Fussgängerzone gestaltet ist. Die Anpassung an klimatische Bedingungen geht weiter, so verbessern Baumalleen das Mikroklima, sichert ein Bauminventar den Bestand und fördern Biodiversitätsflächen die Artenvielfalt. Gleichzeitig nutzt die Stadt die Natur als Ressource für Erholung und Sport: Brig-Glis ist internationales Tor zur Alpenwelt, Standort wichtiger Sportausbildungszentren und Ort für den Breitensport, der die lokale Bevölkerung aktiv einbindet.

Die offizielle Preisübergabe findet am 20. Juni 2026 im Rahmen einer öffentlichen Feier statt.

 

Quelle: Schweizer Heimatschutz
Bildquelle: SSKH-Pictures/shutterstock.com / Peter Moulton/shutterstock.com

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