Eishockeyregeln einfach erklärt: Strafen, Spielzeit und Unterbrechungen
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Eishockey elterntipps.ch Inspiration Magazine nachrichtenticker.ch News Regionen Schweiz Sport sportaktuell.ch Themen Tipps Trends Ⳇ Verbreitung
Der Puck fliegt über das Eis, plötzlich ertönt ein Pfiff und kurz darauf spielt eine Mannschaft mit einem Feldspieler weniger. Für Einsteiger wirkt Eishockey anfangs wie eine Folge schneller Wechsel und unerwarteter Unterbrechungen. Die Grundstruktur ist jedoch gut verständlich: Gespielt werden drei Drittel zu je 20 Minuten effektiver Spielzeit. Der Schiedsrichter stoppt das Spiel bei Regelverstössen, bestimmten Linienvergehen, einem blockierten Puck oder einem Tor.
Komplizierter wird es bei den Folgen eines Pfiffs. Eine Zwei-Minuten-Strafe führt meist zu einer Unterzahl, eine Zehn-Minuten-Strafe dagegen nicht automatisch. Beim Icing wird das Spiel zurück in die Verteidigungszone verlegt, beim Offside muss die angreifende Mannschaft die blaue Linie beachten. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Eishockeyregeln nach dem IIHF-Regelwerk. Einzelne Wettbewerbe und Altersklassen können bei Overtime, Körperkontakt oder weiteren Details abweichende Bestimmungen anwenden.
Das Spielziel und die Mannschaften auf dem Eis
Ziel ist es, den Puck vollständig über die Torlinie zwischen den Pfosten und unter die Latte zu befördern. Ein reguläres Tor zählt einen Treffer. Gewonnen hat nach der vorgesehenen Spielzeit die Mannschaft mit mehr Toren. Steht es unentschieden, bestimmt das Wettbewerbsreglement, ob eine Verlängerung, ein Penaltyschiessen oder in bestimmten Spielformen ein Unentschieden folgt.
In der üblichen Spielsituation stehen pro Mannschaft sechs Spieler auf dem Eis: ein Torhüter und fünf Feldspieler. Die Feldspieler werden taktisch meist in zwei Verteidiger und drei Stürmer eingeteilt. Diese Rollen sind keine starren Aufenthaltsbereiche. Verteidiger dürfen angreifen, Stürmer verteidigen und der Torhüter kann unter den dafür geltenden Regeln durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt werden.
Wechsel sind während des laufenden Spiels erlaubt. Deshalb fahren Spieler oft zur Bank, ohne dass der Schiedsrichter abpfeift. Der einwechselnde Spieler darf das Eis erst regelkonform betreten, wenn der auswechselnde Partner nahe genug an der Bank ist und nicht mehr am Spiel teilnimmt. Befinden sich zu viele Spieler gleichzeitig im Spiel, kann eine kleine Bankstrafe ausgesprochen werden.
Für Einsteiger ist neben den Regeln die vollständige Schutzausrüstung entscheidend. Welche Teile benötigt werden und wie Helm, Stock und Schlittschuhe ausgewählt werden, zeigt der Beitrag über die richtige Eishockeyausrüstung für Einsteiger.
Warum 60 Spielminuten deutlich länger dauern
Ein reguläres Spiel besteht aus drei Dritteln zu je 20 Minuten. Dabei handelt es sich um effektive Spielzeit. Die Uhr läuft, sobald der Puck nach einem Anspiel im Spiel ist. Bei einem Pfiff wird sie angehalten. Erst mit dem nächsten Anspiel beginnt sie wieder zu laufen. Anders als im Fussball werden Unterbrechungen deshalb nicht über eine pauschale Nachspielzeit ausgeglichen.
Zwischen den Dritteln liegen Pausen. In dieser Zeit wird in der Regel auch das Eis aufbereitet. Die genaue Pausenlänge kann der jeweilige Wettbewerb festlegen. Dazu kommen Unterbrüche durch Strafen, Icing, Offside, Tore, Videoüberprüfungen, Verletzungen und Auszeiten. Ein Spiel mit 60 Minuten regulärer Spielzeit dauert für Zuschauer daher häufig deutlich länger als eine Stunde.
Die Spielstandsuhr zeigt die verbleibende Zeit des Drittels. Strafzeiten werden separat angezeigt und laufen ebenfalls nur während der effektiven Spielzeit. Endet ein Drittel, obwohl eine Strafe noch nicht vollständig abgelaufen ist, wird die Restzeit grundsätzlich ins nächste Drittel übernommen. Eine Strafe verschwindet also nicht allein durch die Pause.
Was nach einem Unentschieden passiert
Die 60 Minuten bilden die reguläre Spielzeit. Wie ein Gleichstand anschliessend entschieden wird, hängt vom Wettbewerb und von der Phase des Turniers ab. Möglich sind eine zeitlich begrenzte Overtime mit weniger Feldspielern, eine Verlängerung bis zum nächsten Tor oder ein Penaltyschiessen. In einer Liga können für die Qualifikation andere Regeln gelten als in den Play-offs.
Das Prinzip des «sudden death» ist einfach: Erzielt eine Mannschaft in einer entsprechend ausgeschriebenen Verlängerung ein Tor, endet das Spiel sofort. Bleibt die begrenzte Overtime torlos, folgt je nach Reglement ein Penaltyschiessen. Dessen Anzahl an Schützen und weitere Durchführung sind ebenfalls wettbewerbsabhängig. Wer ein konkretes Spiel besucht, sollte deshalb die Bestimmungen der betreffenden Liga oder des Turniers prüfen.
Die wichtigsten Strafarten auf einen Blick
Nicht jede Zahl auf der Strafanzeige bedeutet dasselbe. Entscheidend sind zwei Fragen: Wie lange darf der betroffene Spieler nicht mitwirken, und muss seine Mannschaft in dieser Zeit mit weniger Feldspielern spielen? Die folgende Übersicht zeigt die Grundformen.
Die Infografik erklärt die übliche Grundwirkung. Treffen mehrere Strafen gleichzeitig zusammen, werden sie in einer bestimmten Reihenfolge verrechnet. Zusammenfallende Strafen können dazu führen, dass sich die Zahl der Spieler auf dem Eis nicht verändert. Deshalb lässt sich die aktuelle Spielstärke nicht immer allein aus der Summe aller ausgesprochenen Strafminuten ableiten.
Die kleine Strafe: Zwei Minuten Unterzahl
Die kleine Strafe ist die häufigste Strafart. Der Spieler begibt sich für zwei Minuten effektiver Spielzeit auf die Strafbank. Seine Mannschaft spielt gewöhnlich mit einem Feldspieler weniger. Das gegnerische Team befindet sich im Powerplay, die bestrafte Mannschaft im Boxplay oder Penalty Killing.
Erzielt die Mannschaft in Überzahl ein Tor, endet die laufende kleine Strafe unter den dafür geltenden Voraussetzungen vorzeitig. Das gilt nicht pauschal für jede Strafe, die auf der Uhr steht. Bei mehreren Strafen wird nach den Regeln bestimmt, welche kleine Strafe endet. Eine grosse Fünf-Minuten-Strafe läuft trotz Gegentor weiter.
Eine doppelte kleine Strafe besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Zwei-Minuten-Abschnitten. Fällt während des ersten Abschnitts ein anrechenbares Powerplay-Tor, endet dieser Abschnitt; der zweite beginnt anschliessend. Ein Tor löscht daher nicht automatisch die gesamten vier Minuten.
Bankstrafe, Disziplinarstrafe und Spielausschluss
Eine kleine Bankstrafe richtet sich gegen die Mannschaft. Ein typisches Beispiel sind zu viele Spieler auf dem Eis. Da nicht zwingend eine einzelne Person das Vergehen begangen hat, bestimmt das Team einen regelkonform berechtigten Spieler, der die zwei Minuten absitzt. Die Mannschaft spielt in dieser Zeit in der Regel in Unterzahl.
Die zehnminütige Disziplinarstrafe ist dagegen eine persönliche Strafe. Der betroffene Spieler muss zehn Minuten aussetzen, darf aber auf dem Eis sofort ersetzt werden. Seine Mannschaft wird dadurch allein nicht dezimiert. Wird gleichzeitig eine kleine Strafe ausgesprochen, muss ein weiterer Spieler diesen Teil verbüssen und die Mannschaft spielt entsprechend in Unterzahl.
Bei einer Spieldauerdisziplinarstrafe ist das Spiel für die betroffene Person beendet. Auch hier entsteht nicht automatisch eine Unterzahl. Sie folgt beispielsweise dann, wenn mit dem Ausschluss eine grosse Strafe verbunden ist. Ob nach dem Match weitere disziplinarische Folgen geprüft werden, richtet sich nach dem zuständigen Wettbewerbs- und Rechtspflegereglement.
Welche Vergehen häufig bestraft werden
Die Höhe einer Strafe hängt von der Regel, der konkreten Aktion und ihrer Gefährlichkeit ab. Dass ein Spieler fällt oder sich verletzt, beweist für sich allein noch kein Foul. Umgekehrt kann eine gefährliche Aktion auch ohne Verletzung streng bestraft werden. Zu den häufig beobachteten Vergehen gehören:
- Beinstellen: Stock, Bein, Fuss oder Arm bringen einen Gegner regelwidrig zu Fall.
- Haken: Der Stock behindert den Körper oder die Bewegung eines Gegners.
- Halten: Ein Spieler hält Gegner, Stock oder Ausrüstung regelwidrig fest.
- Behinderung: Ein Spieler ohne Puck wird unzulässig am Laufweg oder an einer Aktion gehindert.
- Stockschlag: Der Stock wird gegen einen Gegner oder dessen Stock geschlagen.
- Hoher Stock: Der Stock trifft einen Gegner im Bereich oberhalb der Schulterhöhe; Regeldefinition und mögliche Verletzung beeinflussen die Sanktion.
- Crosscheck: Ein Gegner wird mit dem Stockteil zwischen den beiden Händen regelwidrig gecheckt.
- Bandencheck: Ein Gegner wird regelwidrig und gefährlich gegen die Bande befördert.
- Check gegen Kopf oder Nacken: Kontakt richtet sich hauptsächlich gegen diesen besonders geschützten Bereich.
- Spielverzögerung: Dazu kann unter bestimmten Bedingungen das direkte Schiessen des Pucks über das Schutzglas aus der eigenen Verteidigungszone gehören.
Körperkontakt ist nicht in jeder Liga und Altersklasse gleich geregelt. Auch zugelassene Checks müssen regelkonform ausgeführt werden. Ein vermeintlich «harter Sport» erlaubt weder Angriffe gegen den Kopf noch Checks von hinten oder andere gefährliche Aktionen. Nach einem Treffer gegen den Kopf sollte die betroffene Person bei möglichen Symptomen nicht weiterspielen. Der Artikel über Verletzungsrisiken beim Sport erläutert allgemeine Grundsätze zu Prävention und sicherer Rückkehr.
Was eine angezeigte Strafe bedeutet
Erkennt der Schiedsrichter ein Vergehen, muss das Spiel nicht in jeder Situation sofort stoppen. Hat die nicht fehlbare Mannschaft weiterhin Kontrolle über den Puck, hebt der Schiedsrichter den Arm und zeigt damit die bevorstehende Strafe an. Das Spiel läuft weiter, bis die fehlbare Mannschaft den Puck kontrolliert oder ein anderer Grund für eine Unterbrechung eintritt.
Die angreifende Mannschaft nimmt in dieser Phase häufig den Torhüter vom Eis und setzt einen zusätzlichen Feldspieler ein. Das ist möglich, weil der Pfiff grundsätzlich erfolgt, sobald der Gegner die Kontrolle gewinnt. Ein Eigentor bleibt dennoch möglich. Die Mannschaft muss daher abwägen, wie sicher sie den Puck führt.
Fällt während der angezeigten Strafe ein Tor, entscheidet die genaue Strafkonstellation über die weitere Folge. Eine vorgesehene kleine Strafe kann unter bestimmten Voraussetzungen durch das Tor erledigt sein. Weitere oder grössere Strafen werden trotzdem ausgesprochen. Die einfache Zuschauerregel lautet deshalb: Erst nach der Ansage des Schiedsrichters steht fest, welche Strafe auf die Uhr kommt.
Powerplay, Boxplay und Spielerzahl
Normalerweise spielen fünf Feldspieler gegen fünf. Nach einer kleinen Strafe entsteht häufig ein Fünf-gegen-vier. Bei einer weiteren laufenden Strafe gegen dieselbe Mannschaft kann ein Fünf-gegen-drei folgen. Unter die im Regelwerk vorgesehene Mindestzahl an Feldspielern wird die Mannschaft durch gewöhnliche zeitliche Strafen nicht reduziert; zusätzliche Strafzeiten beginnen gegebenenfalls verzögert.
Sind beide Mannschaften gleichzeitig gleichwertig bestraft, kann vier gegen vier oder in der Overtime eine andere angepasste Spielstärke entstehen. Manche zusammenfallenden Strafen werden nicht auf der Uhr angezeigt und verändern die Zahl der Feldspieler nicht. Die Strafbank bleibt trotzdem besetzt, bis der Spieler nach den Regeln zurückkehren darf.
Kehrt ein Spieler nach Ablauf seiner Strafe zurück, entsteht der Wechsel während des laufenden Spiels direkt von der Strafbank. Enden zusammenfallende Strafen, ist je nach Situation der nächste Unterbruch abzuwarten. Die Zeitnehmer und Spieloffiziellen koordinieren diese Abläufe.
Offside: Der Puck muss zuerst über die blaue Linie
Die beiden blauen Linien teilen das Eis in Verteidigungszone, neutrale Zone und Angriffszone. Beim Eintritt in die gegnerische Zone muss der Puck die blaue Linie grundsätzlich vor den angreifenden Spielern vollständig überqueren. Entscheidend ist die Position der Schlittschuhe im Verhältnis zur Linie und zum Puck, nicht die Position des Stocks oder Oberkörpers.
Befindet sich bereits ein Angreifer in der Zone, kann ein verzögertes Offside angezeigt werden. Die angreifenden Spieler müssen die Zone verlassen und die blaue Linie «freimachen». Danach dürfen sie erneut angreifen. Berührt ein Angreifer den Puck vorher oder setzt das Team den Gegner unzulässig unter Druck, wird abgepfiffen und es folgt ein Anspiel am regelgemässen Ort.
Ein Offside ist keine Zeitstrafe. Es handelt sich um ein Linienvergehen. Die Folge ist eine Unterbrechung mit Anspiel, nicht der Gang auf die Strafbank. Diese Unterscheidung hilft bei vielen Pfiffen: Nicht jede Regelverletzung ist ein Foul.
Icing: Weshalb der Puck zurückgebracht wird
Beim Icing schiesst oder lenkt eine Mannschaft den Puck aus der eigenen Hälfte über die gegnerische Torlinie, ohne dass er vorher regelgemäss berührt wird. Das Spiel wird unterbrochen und das Anspiel findet grundsätzlich in der Verteidigungszone der verursachenden Mannschaft statt. Die Regel verhindert, dass Teams den Puck ohne spielerischen Aufbau ständig über die gesamte Eisfläche wegschlagen.
Das IIHF-Regelwerk verwendet ein Hybrid-Icing. Der Linienrichter beurteilt anhand der Laufsituation, welcher Spieler den Puck voraussichtlich zuerst erreichen würde. So kann der Pfiff bereits erfolgen, bevor beide Spieler mit hohem Tempo bis zur Bande fahren. Ist der angreifende Spieler voraussichtlich zuerst am Puck, läuft das Spiel weiter.
Es gibt wichtige Ausnahmen. Eine Mannschaft in Unterzahl darf den Puck grundsätzlich vereisen, ohne dass Icing gepfiffen wird. Erreicht der Puck das Tor, zählt ein regulärer Treffer statt Icing. Kann ein gegnerischer Spieler den Puck nach Einschätzung des Linienrichters spielen, kann der Pfiff ebenfalls ausbleiben. Nach einem Icing darf die verursachende Mannschaft ihre Spieler vor dem folgenden Anspiel grundsätzlich nicht wechseln und keine Auszeit nehmen.
Weitere Gründe für einen Pfiff
Das Spiel kann aus vielen Gründen stoppen. Für Zuschauer sind diese Unterbrüche leichter zu verstehen, wenn sie in Gruppen betrachtet werden:
- Der Puck gelangt aus dem Spielfeld oder bleibt in einer unspielbaren Position liegen.
- Der Torhüter blockiert den Puck und der Schiedsrichter verliert ihn aus sicherer Sicht.
- Das Tor wird verschoben oder die Spielfläche weist ein Sicherheitsproblem auf.
- Ein Tor fällt und muss bestätigt werden.
- Offside, Icing, unerlaubter Handpass oder ein anderer technischer Regelverstoss liegt vor.
- Eine Strafe wird ausgesprochen.
- Ein Spieler ist verletzt oder eine unmittelbare Gefahr erfordert den Abbruch der Aktion.
- Eine zulässige Videoüberprüfung oder ein Coach’s Challenge wird durchgeführt.
Der Pfiff beendet die laufende Aktion. Ein Schuss nach dem Pfiff zählt nicht als Tor und kann bei unsportlicher oder gefährlicher Ausführung weitere Folgen haben. Spieler müssen deshalb auch dann sofort reagieren, wenn der Lärm in der Halle das Signal schwer hörbar macht.
Das Anspiel bringt den Puck zurück ins Spiel
Nach fast jeder Unterbrechung wird das Spiel mit einem Anspiel fortgesetzt. Ein Spieloffizieller wirft den Puck zwischen die Stöcke zweier gegnerischer Spieler. Die übrigen Spieler müssen die vorgeschriebenen Positionen und Abstände einhalten. Verstösst ein Spieler gegen das Anspielverfahren, kann er weggeschickt und durch einen Mitspieler ersetzt werden.
Der Ort des Anspiels hängt vom Grund des Pfiffs ab. Nach einem Icing geht es in die Verteidigungszone der verursachenden Mannschaft. Nach einem Offside liegt der Punkt ausserhalb der Angriffszone. Wurde der Puck vom Torhüter blockiert, folgt das Anspiel normalerweise an einem der Punkte in dessen Verteidigungszone. Bei Strafen gelten zusätzliche Regeln, die einen räumlichen Vorteil für die fehlbare Mannschaft verhindern sollen.
Nach einem Tor wird in der Spielfeldmitte angespielt. Die Uhr startet mit dem Einwurf des Pucks. Ein gewonnenes Anspiel kann sofort zu Puckbesitz, Entlastung oder einer Torchance führen. Deshalb ist es mehr als eine formale Wiederaufnahme.
Torhüter, blockierter Puck und Torraum
Kontrolliert oder blockiert der Torhüter den Puck so, dass er nicht mehr spielbar ist, pfeift der Schiedsrichter ab. Das folgende Anspiel findet in der Verteidigungszone statt. Der Torhüter darf eine Aktion allerdings nicht ohne sportlichen Grund verzögern. Hält er einen problemlos spielbaren Puck absichtlich fest oder verursacht er ausserhalb erlaubter Situationen eine Verzögerung, kann eine Strafe folgen.
Der Torraum schützt den Torhüter nicht vor jeder Berührung, aber vor regelwidriger Behinderung. Ein Angreifer darf die Möglichkeit des Torhüters, seine Position einzunehmen und den Puck zu spielen, nicht unzulässig einschränken. Ob ein Kontakt vor einem Treffer erlaubt war, kann bei Wettbewerben mit entsprechender Technik Gegenstand einer Videoüberprüfung oder eines Coach’s Challenge sein.
Videoüberprüfung und Coach’s Challenge
Nicht jede Entscheidung darf per Video neu beurteilt werden. Das Regelwerk legt fest, welche Situationen überprüfbar sind. Dazu gehören je nach Verfahren bestimmte Fragen rund um Tore, etwa ob der Puck die Torlinie überschritten hat, ob die Zeit abgelaufen war oder ob vor dem Treffer eine überprüfbare Regelverletzung vorlag.
Bei einem Coach’s Challenge fordert ein Team die Überprüfung einer zulässigen Situation. Bleibt die ursprüngliche Entscheidung bestehen, wird nach dem IIHF-Verfahren eine kleine Bankstrafe wegen Spielverzögerung ausgesprochen; ein weiterer erfolgloser Challenge im selben Spiel wird strenger sanktioniert. Videoaufnahmen ersetzen nicht sämtliche Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter. Zudem verfügen nicht alle Ligen über dieselbe technische Ausstattung.
Auszeit: 30 Sekunden für eine kurze Absprache
Jede Mannschaft kann grundsätzlich eine Auszeit von 30 Sekunden nehmen. Sie muss im zulässigen Moment während einer Unterbrechung beantragt werden. Trainer nutzen sie beispielsweise vor einem entscheidenden Powerplay, nach einer langen Druckphase oder zur Vorbereitung der Schlussminute ohne Torhüter.
Die Auszeit verlängert nicht die Spielzeit und kann nicht beliebig wiederholt werden. Nach einem verursachten Icing darf die betreffende Mannschaft vor dem folgenden Anspiel grundsätzlich keine Auszeit nehmen. Wettbewerbsspezifische Bestimmungen und Folgen eines erfolglosen Coach’s Challenge müssen zusätzlich beachtet werden.
Penaltyschuss: eine direkte Chance gegen den Torhüter
Ein Penaltyschuss kann zugesprochen werden, wenn eine klare Torchance durch ein dafür vorgesehenes Vergehen verhindert wird. Der ausgewählte Schütze startet nach dem Signal des Schiedsrichters, führt den Puck in Richtung gegnerisches Tor und versucht, den Torhüter zu überwinden. Der Puck muss sich grundsätzlich vorwärts in Richtung Tor bewegen; ein zweiter Versuch nach einem abgeschlossenen Schuss ist nicht erlaubt.
Während der Ausführung befinden sich die übrigen Spieler an ihren vorgeschriebenen Plätzen. Ein Treffer zählt wie ein gewöhnliches Tor. Bleibt der Versuch erfolglos, wird das Spiel mit einem Anspiel fortgesetzt. Ein Penaltyschuss während des Spiels ist vom Penaltyschiessen zur Entscheidung eines Unentschiedens zu unterscheiden.
Video: Eishockeyregeln in wenigen Minuten erklärt
Das Video «Ice hockey rules explained quickly and clearly» von owayo erläutert Spielfeld, Offside, Icing, Anspiel und Overtime mit anschaulichen Darstellungen. Es bietet einen schnellen visuellen Einstieg. Für konkrete Entscheidungen gelten das aktuelle IIHF-Regelbuch und die Bestimmungen des jeweiligen Wettbewerbs.
So lesen Zuschauer die Spielstandsanzeige
Die grosse Uhr zeigt gewöhnlich die verbleibende Drittelszeit. Daneben stehen Spielstand, Drittel und laufende Strafzeiten. Bei einer angezeigten Zwei-Minuten-Strafe zählt die Strafzeit während des Spiels herunter. Stoppt die Spieluhr, bleibt auch die Strafanzeige stehen.
Verschwindet eine Strafe nach einem Tor, handelte es sich meist um eine kleine Strafe, die durch den Powerplay-Treffer vorzeitig beendet wurde. Bleiben fünf Minuten trotz Gegentor auf der Anzeige, läuft eine grosse Strafe. Eine zehnminütige persönliche Disziplinarstrafe erscheint je nach Anzeigesystem anders oder gar nicht als Unterzahluhr, weil die Mannschaft einen Ersatzspieler einsetzen darf.
Die Zahl der angezeigten Strafminuten verrät deshalb nicht immer die Zahl der Spieler auf dem Eis. Bei zusammenfallenden Strafen, verzögert beginnenden Strafzeiten und dem Übergang in eine Overtime sind die Ansagen des Stadionsprechers und die Handzeichen der Offiziellen hilfreicher.
Die häufigsten Missverständnisse
Fazit: Pfiff, Uhr und Spielerzahl zusammen betrachten
Die Grundstruktur des Eishockeys ist klar: Zwei Mannschaften versuchen in drei Dritteln zu je 20 Minuten effektiver Spielzeit mehr Tore zu erzielen. Die Uhr stoppt bei jedem Pfiff. Wechsel dürfen meist während des Spiels erfolgen, nach einer Unterbrechung bringt ein Anspiel den Puck zurück ins Spiel.
Bei Strafen zählt die Auswirkung. Eine kleine Strafe führt gewöhnlich für zwei Minuten zur Unterzahl und kann durch ein Powerplay-Tor vorzeitig enden. Eine grosse Strafe dauert fünf Minuten vollständig. Eine zehnminütige Disziplinarstrafe oder ein Spielausschluss betrifft dagegen zunächst die Person; ob die Mannschaft weniger Spieler einsetzen darf, hängt von zusätzlichen Strafen ab.
Offside und Icing erklären viele Unterbrechungen ohne Foul. Beim Offside muss der Puck vor den Angreifern in die gegnerische Zone gelangen. Beim Icing wird ein zu weit geschlagener Puck in die Verteidigungszone zurückgebracht. Wer bei einem Pfiff zuerst auf Handzeichen, Anspielort, Uhr und Zahl der Spieler schaut, versteht den weiteren Ablauf meist schon vor der Durchsage.
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