EPO-Schock um Marathon-Weltmeisterin Jepchirchir – vorläufig gesperrt
von belmedia Redaktion Afrika Allgemein Leichtathletik Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Sport Sport & Spiel Themen Ⳇ Verbreitung
Ein Dopingfall erschüttert die internationale Leichtathletik. Marathon-Weltmeisterin Peres Jepchirchir aus Kenia ist nach einem positiven EPO-Befund vorläufig suspendiert worden. Die unabhängige Integritätseinheit des Leichtathletik-Weltverbands (AIU) bestätigte die Massnahme am Freitag, 23. Oktober 2026. Besonders brisant: Die auffällige Probe wurde bereits vor ihrem Sieg beim Sydney-Marathon Ende August entnommen.
Die 33-jährige Olympiasiegerin von Tokio gehört zu den erfolgreichsten Marathonläuferinnen der vergangenen Jahre. Erst am 30. August gewann sie in Sydney mit einer Zeit von 2:18:31 Stunden und mehr als drei Minuten Vorsprung. Die positive Probe stammt von einer Kontrolle ausserhalb des Wettkampfs in Kenia.
Jepchirchir darf während ihrer vorläufigen Suspendierung keine Wettkämpfe bestreiten. Über eine endgültige Sanktion und mögliche Auswirkungen auf ihre bisherigen Resultate wird im weiteren Anti-Doping-Verfahren entschieden. Der Fall besitzt auch für den Schweizer Ausdauersport Bedeutung, weil er die Wirksamkeit internationaler Kontrollen und den Schutz sauberer Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt rückt.
Positive EPO-Probe vor dem Sydney-Marathon
Die Athletics Integrity Unit gab am Freitag bekannt, dass bei einer Trainingskontrolle von Peres Jepchirchir die verbotene Substanz Erythropoetin nachgewiesen wurde.
Die Probe wurde in Kenia entnommen, bevor Jepchirchir am 30. August beim Sydney-Marathon antrat. Das genaue Datum der Kontrolle wurde nicht veröffentlicht.
EPO ist ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen fördert. Der missbräuchliche Einsatz kann die Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes erhöhen und dadurch insbesondere in Ausdauersportarten leistungssteigernd wirken.
Sydney-Sieg könnte nachträglich aberkannt werden
Beim Sydney-Marathon hatte Jepchirchir eine herausragende Leistung gezeigt. Die Kenianerin setzte sich nach rund 35 Kilometern entscheidend von ihrer Landsfrau Irine Cheptai ab und gewann in 2:18:31 Stunden.
Cheptai erreichte das Ziel in 2:22:11 Stunden. Auf Rang drei folgte die Äthiopierin Shure Demise mit 2:22:33 Stunden.
Die Veranstalter reagierten mit grosser Enttäuschung auf die Nachricht. Sie wollen den Abschluss des laufenden Verfahrens abwarten.
Der positive Befund könnte den Sydney-Sieg nachträglich gefährden. In der offiziellen Ergebnisliste von World Athletics wird Jepchirchir derzeit weiterhin als Siegerin geführt.
Olympiagold und vier grosse Marathonsiege
Der Fall betrifft eine der erfolgreichsten Langstreckenläuferinnen ihrer Generation.
Bei den Olympischen Spielen von Tokio gewann Jepchirchir 2021 die Goldmedaille im Marathon. Im September 2025 folgte der Weltmeistertitel, ebenfalls in Tokio.
Dazu kommen Siege bei den renommierten Marathons in New York 2021, Boston 2022 und London 2024.
Auch im Halbmarathon stellte die Kenianerin mehrere Weltrekorde auf. Erst im September 2026 wurde ihre frühere Bestmarke für reine Frauenrennen von Agnes Ngetich bei der Strassenlauf-WM in Kopenhagen um eine Sekunde unterboten.
Welche Strafe droht Jepchirchir?
Bei einem bestätigten vorsätzlichen EPO-Verstoss sieht das Anti-Doping-Regelwerk grundsätzlich eine vierjährige Sperre vor. Abweichungen sind abhängig von den Umständen des Einzelfalls möglich.
Die vorläufige Suspendierung gilt bereits während des laufenden Verfahrens. Eine abschliessende Entscheidung über den Dopingverstoss liegt noch nicht vor.
Auch bereits erzielte Wettkampfergebnisse können je nach Entscheid und zeitlicher Zuordnung betroffen sein. Deshalb steht insbesondere Jepchirchirs Sieg in Sydney im Fokus.
Weitere Belastung für Kenias Leichtathletik
Kenias Ausdauersport sieht sich seit Jahren mit zahlreichen Dopingverfahren konfrontiert.
2025 wurde Marathon-Weltrekordhalterin Ruth Chepngetich wegen eines Verstosses gegen die Anti-Doping-Bestimmungen für drei Jahre gesperrt.
Der neue Fall trifft den Verband zu einem sensiblen Zeitpunkt. Nairobi soll 2029 die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ausrichten.
Für Jepchirchir beginnt nun ein Verfahren, dessen Ausgang weitreichende Auswirkungen auf ihre sportliche Zukunft haben könnte.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert