Wildtierbeobachtung in den Alpen: Steinbock, Murmeltier und Gams
von belmedia Redaktion Allgemein Natur & Umwelt News Nutztiere tierwelt.news Wildtiere
Faszinierende Begegnungen mit Alpenbewohnern erfordern Geduld und Respekt. Beobachtung nur mit Rücksicht auf Tiere und Lebensräume.
Die regional angepassten Verhaltensweisen von Steinbock, Gams und Alpenmurmeltier geben Einblicke in ihre einzigartige Lebensweise. Hochalpine Regionen bieten dafür ideale Kulissen, in denen Anpassung, Sozialverhalten und Lebensraum eng miteinander verknüpft sind. Wer mit Fernglas und Geduld unterwegs ist, kann erstaunliche Momente erleben – oft nur wenige Sekunden, aber von bleibendem Wert.
Steinbock – König der Felswände
Der Alpensteinbock lebt oberhalb der Waldgrenze bis auf etwa 3’500 Meter. Männliche Tiere erreichen ein Gewicht von über 100 Kilogramm und tragen Hörner von bis zu einem Meter Länge. Weibliche Steingeissen sind kleiner und leichter. Steinböcke bilden getrennte Gruppen: Herden mit Weibchen und Jungtieren sowie Junggesellengruppen und Einzelgänger.
Einst nahezu ausgerottet, wurden Steinböcke im 19. Jahrhundert unter Schutz gestellt und gezielt wieder angesiedelt. Heute gibt es im Alpenraum wieder stabile Bestände, in der Schweiz rund 18’700 Tiere. Diese Wiederansiedlung gilt als Vorzeigeprojekt des Artenschutzes und zeigt, wie langfristige Schutzmassnahmen wirken können. Beobachtungen gelingen oft an sonnenexponierten Hängen, wo sich die Tiere zum Ruhen niederlassen. Auch im Winter sind Steinböcke aktiv, suchen jedoch windgeschützte Lagen mit freigewehten Flächen.
Gams – wachsame Alpenbewohnerin
Die Gams ist an steiles, unwegsames Gelände angepasst und kann selbst lose Geröllfelder sicher durchqueren. Ihr Fell wechselt saisonal von hellbraun im Sommer zu dunkler im Winter. Gämsen leben meist in kleinen Rudeln, ältere Böcke ziehen sich oft zurück. Die Fortpflanzungszeit, auch Brunft genannt, fällt in den Spätherbst. Dann sind die Tiere besonders aktiv und gut zu beobachten.
Als Teil der „Big Five der Alpen“ ist die Gams ein häufig gesichtetes Tier in Schutzgebieten. Sie meidet laute Störungen und hält gern Distanz zu Menschen. In ruhigen Regionen kann sie jedoch aus Neugier näher kommen, bleibt aber stets wachsam. Besonders eindrücklich ist ihr sicherer Sprung über weite Distanzen – eine Fähigkeit, die in der alpinen Landschaft überlebenswichtig ist.
Alpenmurmeltier – sozialer Winterschläfer
Das Alpenmurmeltier, in der Schweiz „Mungg“ genannt, lebt in Gruppen von bis zu 20 Tieren. Es bewohnt offene Matten zwischen Baumgrenze und rund 3’000 Meter. Die Tiere halten bis zu sieben Monate Winterschlaf in selbst gegrabenen, tiefen Bauten. Diese werden mit einer dicken Schicht aus Gräsern ausgepolstert.
Ihre Nahrung besteht vor allem aus Kräutern und Gräsern, die reich an Nährstoffen sind. Murmeltiere warnen sich gegenseitig durch laute Pfiffe, die weithin hörbar sind. Diese Warnsignale helfen, Raubtiere wie Steinadler früh zu erkennen. Im Sommer sieht man die Tiere oft beim Sonnenbaden auf grossen Steinen – ein Verhalten, das sowohl der Wärmeaufnahme als auch der Übersicht über die Umgebung dient.
Beobachtungstipps und geeignete Regionen
- Nationalpark Hohe Tauern und Berchtesgadener Nationalpark bieten geführte Wildtierbeobachtungen an.
- Frühmorgens und spätnachmittags sind die besten Zeiten für aktive Tiere.
- Ferngläser oder Teleobjektive erlauben respektvolle Distanz bei Beobachtungen.
Geführte Touren mit Rangern vermitteln Wissen und ermöglichen Tierbeobachtungen ohne Störung. Viele Regionen bieten kombinierte Erlebnisse mit Fotografie und Naturkunde an. Dabei werden auch ökologische Zusammenhänge erläutert, wie die Bedeutung bestimmter Pflanzen für das Nahrungsangebot oder die Rolle von Raubvögeln im Gleichgewicht des Lebensraums.
Zahlreiche Kantone veröffentlichen jährlich Bestandszahlen zu Steinbock und Gams. Diese Daten helfen, den Schutzstatus anzupassen und Beobachtungstouren nachhaltig zu planen. Auch lokale Naturinformationszentren bieten wertvolle Hinweise zu Sichtungszeiten und -orten. So lassen sich Beobachtungen gezielt vorbereiten.
In den Alpen vereinen Steinbock, Gams und Murmeltier Anpassungskraft und Schönheit. Wer geduldig und rücksichtsvoll beobachtet, erhält unvergessliche Einblicke in ihr Leben. Solche Begegnungen sind nicht nur Naturerlebnisse, sondern auch wichtige Impulse für den Schutz dieser besonderen Lebensräume. Je besser die alpine Tierwelt verstanden wird, desto grösser sind die Chancen, sie auch künftigen Generationen zu erhalten.
Quelle: tierwelt.news-Redaktion
Bildquellen: Bild 1: => Symbolbild © OndrejProsicky/depositphotos.com; Bild 2: => Symbolbild © hadot1/depositphotos.com