Studie: Innenohr könnte sich besser selbst erneuern als bisher angenommen
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Forschung Gesundheit hospital.ch Krankheiten Magazine Medizin nachrichtenticker.ch News Themen Tiere Tierwelt tierwelt.news Wildtiere xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Forscher der Charité Berlin und der Universität Konstanz haben nachgewiesen, dass sich wichtige Strukturen im Gleichgewichtsorgan des Zebrafischs kontinuierlich und überraschend schnell erneuern. Die Erkenntnisse könnten künftig neue Ansätze für die Erforschung und Behandlung von Erkrankungen des menschlichen Innenohrs liefern.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der Zebrafisch, dessen Gleichgewichtsorgane strukturelle und funktionelle Ähnlichkeiten zum menschlichen Innenohr aufweisen. Mithilfe einer speziellen chemischen Methode gelang es dem Forschungsteam erstmals, die Erneuerung zentraler Membranstrukturen präzise sichtbar zu machen.
Zebrafische im Zentrum
Für die Studie nutzten die Wissenschaftler das sogenannte „Glyco-Engineering“. Dabei werden speziell markierte Zuckermoleküle in den Organismus eingebracht. Diese werden in neu gebildetes Gewebe integriert und können anschliessend mithilfe fluoreszierender Marker sichtbar gemacht werden.
Auf diese Weise konnten die Forscher die Dynamik der Neubildung von Membranstrukturen in den Sinnesorganen des Innenohrs erstmals detailliert verfolgen. Im Fokus stand die sogenannte Cupula, eine Membranstruktur, die für die Wahrnehmung von Rotationsbeschleunigungen verantwortlich ist. Die Ergebnisse könnten künftig neue Ansätze für die Behandlung von Hörstürzen oder akuten Störungen des Gleichgewichts liefern.
Neue Cupula in 60 Tagen
Die Untersuchungen zeigen, dass sich die Cupula beim Zebrafisch innerhalb von rund 60 Tagen vollständig erneuert. Eine derart ausgeprägte Regenerationsfähigkeit einer funktionell wichtigen Struktur war bislang nicht bekannt.
Da das Gleichgewichtsorgan des Zebrafischs wesentliche Gemeinsamkeiten mit dem menschlichen Innenohr aufweist, liefern die Erkenntnisse wertvolle Hinweise auf vergleichbare biologische Prozesse. Nach Einschätzung von Stephan Hackenberg, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, könnten die Ergebnisse langfristig dazu beitragen, neue therapeutische Strategien bei Innenohrerkrankungen zu entwickeln.
Quelle: pressetext.redaktion/Florian Fügemann
Bildquelle: Symbolbild © Kazakov Maksim/Shutterstock.com