Antonelli gewinnt Monza nach irrer Aufholjagd – erster Italiener seit 1966
von belmedia Redaktion Europa Magazine Motorsport motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Kimi Antonelli hat beim Grossen Preis von Italien eine spektakuläre Aufholjagd mit dem Sieg gekrönt. Der 20-jährige Mercedes-Pilot startete nach einer Motorenstrafe aus der letzten Startreihe und gewann in Monza vor Teamkollege George Russell und Max Verstappen. Antonelli ist damit der erste Italiener seit Ludovico Scarfiotti 1966, der seinen Formel-1-Heim-Grand-Prix gewinnt.
Der WM-Leader machte bereits in der Anfangsphase zahlreiche Positionen gut und gehörte nach der ersten Rennunterbrechung plötzlich zur Spitzengruppe. Die Entscheidung fiel erst drei Runden vor Schluss, als Antonelli seinen Mercedes-Teamkollegen Russell überholte.
Mit dem Sieg baut der Italiener seine Führung in der Fahrer-WM auf 66 Punkte aus.
Motorenstrafe schickt Antonelli ans Ende des Feldes
Antonelli hatte sich im Qualifying eigentlich eine deutlich bessere Ausgangslage erarbeitet. Mercedes wechselte für das Heimrennen jedoch Komponenten der Antriebseinheit, die über das erlaubte Saisonkontingent hinausgingen, weshalb der Italiener in die letzte Startreihe zurückversetzt wurde.
Ganz vorne startete überraschend Pierre Gasly. Der Alpine-Pilot hatte am Samstag mit einer Zeit von 1:21.786 Minuten seine erste Formel-1-Pole erobert, vor George Russell und den beiden Ferrari von Charles Leclerc und Lewis Hamilton.
Antonelli musste dagegen von weit hinten zur Aufholjagd ansetzen. Dass der Mercedes auf dem Hochgeschwindigkeitskurs schnell war, hatte sich bereits am Freitag gezeigt. Mehr dazu gibt es im Beitrag Mercedes-Hammer in Monza: Russell schlägt Ferrari.
Leclerc-Crash unterbricht das Rennen früh
Bereits in Runde 2 wurde der Grand Prix nach einem schweren Unfall von Charles Leclerc unterbrochen. Der Ferrari-Pilot verlor seinen Wagen in der Parabolica, drehte sich von der Strecke und schlug in die Reifenstapel ein.
Leclerc konnte den Ferrari selbstständig verlassen. Die Rennleitung zeigte wegen des Unfalls die rote Flagge und liess das Feld später mit einem stehenden Start erneut ins Rennen gehen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Antonelli bereits eine enorme Aufholjagd hinter sich. Beim Neustart lag der Mercedes-Pilot bereits auf Rang 6 und hatte sich damit innerhalb weniger Rennkilometer aus dem hinteren Teil des Feldes bis unmittelbar hinter die Spitzengruppe gearbeitet.
Antonelli übernimmt bereits in Runde 18 die Führung
Nach dem Neustart wechselte die Spitze mehrfach. Verstappen arbeitete sich zunächst nach vorne und führte ab Runde 12, doch die beiden Mercedes von Russell und Antonelli machten zunehmend Druck.
Antonelli setzte seine Aufholjagd fort und übernahm zu Beginn der 18. Runde sogar die Führung von seinem Teamkollegen. Russell konnte später wieder vorbeiziehen und setzte sich mit einer anderen Strategie erneut an die Spitze.
Die entscheidende taktische Phase begann nach dem Ausfall von Lance Stroll. Während einer Virtual-Safety-Car-Phase kam Antonelli an die Box und erhielt frische Reifen, während Russell draussen blieb.
Damit musste Antonelli erneut Boden gutmachen. Die frischeren Reifen ermöglichten ihm jedoch ein deutlich höheres Tempo in der Schlussphase.
Entscheidendes Überholmanöver in Runde 50
Antonelli arbeitete sich wieder an Russell heran und setzte seinen Teamkollegen in den letzten Runden massiv unter Druck. Drei Runden vor dem Ende war es soweit: In Runde 50 von 53 zog der Italiener am zweiten Mercedes vorbei und übernahm endgültig die Führung.
Russell konnte auf seinen älteren Reifen nicht mehr kontern. Antonelli brachte seinen Vorsprung ins Ziel und gewann vor seinem Teamkollegen, während Max Verstappen für Red Bull Rang 3 belegte.
Lando Norris und Oscar Piastri kamen für McLaren auf den Plätzen 4 und 5 ins Ziel. Lewis Hamilton rettete Ferrari nach Leclercs frühem Ausfall mit Rang 6 noch einige Punkte, Pole-Setter Gasly wurde Siebter.
Audi aus Hinwil verpasst die Punkte knapp
Für das in Hinwil entwickelte Audi-Team reichte es in Monza knapp nicht für einen WM-Punkt. Gabriel Bortoleto belegte Rang 11, unmittelbar dahinter kam Nico Hülkenberg als Zwölfter ins Ziel.
Damit blieb Audi beim Italien-GP ausserhalb der Top 10. Nach einem schwierigen Trainingsfreitag konnte sich das Team im Rennen zwar nach vorne arbeiten, der Sprung in die Punkteränge gelang jedoch nicht.
Aus Schweizer Sicht bleibt Audi damit einer der interessantesten Beobachtungspunkte der laufenden Formel-1-Saison. Das Chassis des Werksteams wird am Standort Hinwil entwickelt.
Erster italienischer Heimsieg seit 60 Jahren
Für Antonelli besitzt der Erfolg eine historische Dimension. Seit Ludovico Scarfiotti im Jahr 1966 hatte kein italienischer Fahrer mehr den Grossen Preis von Italien gewonnen.
Ausgerechnet beim Heimrennen und nach einer Rückversetzung ans Ende des Feldes gelang dem 20-Jährigen nun der grosse Triumph. Gleichzeitig feierte Mercedes einen Doppelsieg und Antonelli verschaffte sich im WM-Kampf ein weiteres Polster.
Vor Monza hatte sein Vorsprung auf Russell 59 Punkte betragen. Nach dem Sieg vor seinem direkten Verfolger sind es nun 66.
Für Antonelli wird der Grand Prix von Monza damit zu einem der bislang grössten Momente seiner noch jungen Formel-1-Karriere: vom Ende der Startaufstellung bis zum historischen Heimsieg vor den italienischen Fans.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert