Jeff Skinner sorgt beim EHC Biel für Aufsehen – NHL-Star passt überraschend gut ins Budget

Jeff Skinner ist beim EHC Biel angekommen – und der frühere NHL-Star sorgt bereits vor dem Start der National League für Gesprächsstoff. Der 34-jährige Kanadier bestritt am Freitag gegen die SCL Tigers sein erstes Spiel für die Seeländer und zeigte trotz der 0:4-Niederlage mehrere starke Aktionen. Besonders bemerkenswert: Der langjährige NHL-Torjäger ist für Biel offenbar deutlich günstiger als sein grosser Name vermuten lässt.

Skinner war erst am Mittwochabend in Biel eingetroffen. Nach einem ersten Training am Donnerstag stand er bereits einen Tag später gegen Langnau auf dem Eis.

Ein Tor gelang dem Neuzugang bei seinem Debüt noch nicht. Seine technischen Fähigkeiten und sein Tempo waren aber bereits sichtbar. Bei einer seiner auffälligsten Szenen löste sich Skinner schnell von seinen Gegenspielern, zog alleine auf SCL-Keeper Luca Boltshauser los und versuchte diesen mit einer Körpertäuschung zu überwinden.

Boltshauser verhinderte den Treffer. Skinner hinterliess bei seinem ersten Auftritt dennoch einen positiven Eindruck.

Mehr als 1100 NHL-Spiele Erfahrung für Biel

Der EHC Biel hatte die Verpflichtung Skinners Mitte August bekanntgegeben. Der kanadische Flügelstürmer unterschrieb einen Vertrag bis Ende April 2027.

Sein Leistungsausweis ist für Schweizer Verhältnisse aussergewöhnlich. Skinner absolvierte mehr als 1100 Partien in der NHL und erzielte dabei über 370 Tore.

In Nordamerika spielte er unter anderem für die Carolina Hurricanes, Buffalo Sabres, Edmonton Oilers und zuletzt die San Jose Sharks. Bereits 2010 wurde er von Carolina an siebter Position des NHL-Drafts ausgewählt.

Zu seinen grössten individuellen Erfolgen zählt die Calder Trophy als bester NHL-Rookie der Saison 2010/11. Mehrfach überschritt er während seiner Karriere die Marke von 30 Toren in einer Saison.

Nun soll seine Abschlussstärke dem EHC Biel helfen.

Erste Kostprobe gegen Langnau

Beim ersten Einsatz gegen die SCL Tigers spielte Skinner über weite Strecken gemeinsam mit dem erst 17-jährigen Bieler Talent Jonah Neuenschwander.

Für den jungen Schweizer dürfte die Zusammenarbeit mit einem Stürmer dieser Erfahrung eine besondere Gelegenheit sein.

Skinner selbst fehlte aufgrund seines späten Wechsels die komplette Sommer-Vorbereitung mit der Mannschaft. Trotzdem hielt er bei seinem ersten Test bereits über die gesamte Partie mit.

Neben seinen offensiven Aktionen zeigte der Kanadier gegen Spielende auch seine körperliche Seite. Obwohl er mit 1,80 Metern nicht zu den grössten Stürmern gehört, bringt er rund 91 Kilogramm auf die Waage und ist entsprechend schwer vom Puck zu trennen.

Skinner ist offenbar nicht einmal Biels teuerster Ausländer

Besonders interessant ist die finanzielle Seite des Transfers.

Nach Informationen von Watson bewegt sich das Gehalt, das der EHC Biel an Skinner bezahlt, lediglich im unteren sechsstelligen Bereich. Sportchef Martin Steinegger erklärte, Skinner sei nicht einmal der teuerste ausländische Spieler des Teams und passe in das vorhandene Budget.

Möglich wird diese Konstellation durch Skinners frühere Vertragsgeschichte in der NHL.

Der Kanadier hatte 2019 bei den Buffalo Sabres einen Achtjahresvertrag über insgesamt 72 Millionen Dollar unterschrieben. Buffalo kaufte im Sommer 2024 die verbleibenden drei Vertragsjahre aus.

Aufgrund der NHL-Regeln erhält Skinner aus diesem Buyout weiterhin Zahlungen. Diese laufen noch mehrere Jahre und reduzieren den finanziellen Druck bei der Wahl seines aktuellen Clubs erheblich.

Für Biel ergibt sich dadurch eine ungewöhnliche Gelegenheit: Ein Spieler mit mehr als 1000 NHL-Einsätzen kann verpflichtet werden, ohne das Lohngefüge komplett zu sprengen.

Biel versucht sportlichen Neustart

Für den EHC Biel kommt zusätzliche offensive Qualität zur richtigen Zeit. Die vergangene Saison verlief sportlich nicht nach Wunsch, auch wenn sich der Klub gegen Ende stabilisieren konnte.

Gleichzeitig achten die Seeländer weiterhin stark auf ihre finanzielle Situation. Der EHC Biel konnte seinen Jahresverlust zuletzt von 271’000 auf nur noch 31’000 Franken reduzieren und plant für die neue Saison wieder mit einem kleinen Gewinn.

Ein finanziell tragbarer Transfer eines Spielers mit Skinners Erfahrung passt deshalb besonders gut in die aktuelle Strategie.

Meister Fribourg wartet zum Saisonstart

Vor dem Meisterschaftsstart bleibt Biel noch ein letzter Test. Am 10. September treffen die Seeländer in der Tissot Arena auf den SC Bern.

Am 15. September beginnt dann die National-League-Saison mit einem echten Gradmesser. Zum Auftakt empfängt der EHC Biel den amtierenden Schweizer Meister Fribourg-Gottéron.

Bis dahin bleiben Skinner nur wenige Trainingseinheiten, um sich an seine neuen Mitspieler und das Schweizer Eishockey zu gewöhnen.

Sein erster Auftritt deutet aber bereits an, welches Potenzial der Transfer besitzt. Wenn Skinner seinen Torinstinkt aus der NHL auch in der National League zeigen kann, könnte Biel einen der interessantesten Transfers des Sommers gelungen sein.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert