Vulkanasche über Europa: Der Tag, an dem der Flughafen Zürich verstummte

Ein internationaler Flughafen, an dem tagelang kein einziges reguläres Passagierflugzeug startet oder landet: Was heute kaum vorstellbar erscheint, wurde in Zürich im April 2010 Wirklichkeit. Eine riesige Vulkanaschewolke aus Island brachte den europäischen Luftverkehr zum Erliegen. Auch am Flughafen Zürich herrschte während mehrerer Tage eine aussergewöhnliche Stille. Tausende Passagiere strandeten, Flugzeuge blieben am Boden und die wirtschaftlichen Folgen waren erheblich.

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hatte weitreichende Folgen. Die Aschewolke breitete sich über grosse Teile Europas aus und zwang die Luftfahrtbehörden zu umfangreichen Luftraumsperrungen. Betroffen waren nicht nur einzelne Fluggesellschaften oder Flugstrecken, sondern ganze Flughäfen und internationale Verkehrsverbindungen.

Für den Flughafen Zürich bedeutete dies eine historische Ausnahmesituation. Nach Angaben der Flughafen Zürich AG wurde der Flugverkehr über mehrere Tage vollständig eingestellt. Anders als beim Swissair-Grounding von 2001 handelte es sich diesmal nicht um den Ausfall einer einzelnen Fluggesellschaft, sondern um eine behördlich angeordnete Sperrung des Luftraums.

FLUGHAFEN.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Historischer Stillstand: Im April 2010 wurde der Flugverkehr am Flughafen Zürich während mehrerer Tage vollständig eingestellt.
Ursache: Vulkanasche aus Island führte zur Sperrung des Schweizer Luftraums.
Auswirkungen: Während der vollständigen Unterbrechung fielen rund 1’950 Flugbewegungen aus.
Finanzielle Folgen: Pro vollständigem Schliessungstag gingen dem Flughafen rund zwei Millionen Franken an Erträgen verloren.
Wiederaufnahme: Am 20. April 2010 um 08.03 Uhr begann der Flugbetrieb erneut.
Was das bedeutet
Die Ereignisse von 2010 zeigen, wie stark ein internationaler Flughafen von der Sicherheit des gesamten Luftraums abhängt. Selbst vollständig betriebsbereite Pisten und Flugzeuge helfen nicht, wenn Starts und Landungen aus Sicherheitsgründen untersagt werden.

April 2010: Als die Vulkanasche Zürich lahmlegte

Die entscheidenden Tage begannen Mitte April 2010. Eine riesige Aschewolke bewegte sich nach dem Vulkanausbruch in Island über Europa. Weil Vulkanasche Flugzeugtriebwerke beschädigen und deren Funktion gefährden kann, reagierten die Luftfahrtbehörden mit umfangreichen Einschränkungen.

In der Nacht auf den 17. April wurde auch der Schweizer Luftraum gesperrt. Für den Flughafen Zürich bedeutete dies die vollständige Einstellung des Flugverkehrs.

Die historischen Unterlagen der Flughafen Zürich AG dokumentieren die Stilllegung vom 17. bis 20. April. Eine Unternehmensmitteilung vom 23. April nennt die vollständige Unterbrechung ab Mitternacht des 16. April bis zum Morgen des 20. April.

Die Dimension war aussergewöhnlich: Über mehrere Tage hinweg konnten praktisch sämtliche geplanten Flugverbindungen nicht durchgeführt werden.

Abgestellte Flugzeuge und gestrandete Passagiere

Normalerweise gehört Zürich zu den wichtigsten europäischen Luftverkehrsdrehscheiben. Flugzeuge starten und landen im Minutentakt, Passagiere steigen zwischen internationalen Verbindungen um und zahlreiche Unternehmen sind direkt mit dem Flugbetrieb verbunden.

Im April 2010 änderte sich dieses Bild schlagartig. Flugzeuge mussten am Boden bleiben, während bereits geplante Reisen unterbrochen wurden.

Besonders schwierig war die Situation für Passagiere, deren Rückreise aus dem Ausland nicht mehr möglich war. Andere Reisende konnten ihre geplanten Ferien oder Geschäftsreisen gar nicht erst antreten.

Auch nach der Freigabe des Luftraums kehrte nicht sofort Normalität ein. Fluggesellschaften mussten ihre Maschinen, Besatzungen und Flugpläne neu koordinieren.

Wie teuer war die vollständige Schliessung?

Die wirtschaftlichen Folgen waren erheblich. Nach Angaben der Flughafen Zürich AG fielen während der vollständigen Unterbrechung rund 1’950 Flugbewegungen aus.

Pro vollständig geschlossenem Tag entstand ein Ertragsausfall von ungefähr zwei Millionen Franken.

Bis zum 23. April 2010 erhöhte sich die Zahl der annullierten Flüge auf rund 3’000. Der Flughafen bezifferte seinen kumulierten Ertragsausfall damals auf sieben bis acht Millionen Franken.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie eng die wirtschaftliche Tätigkeit eines Flughafens mit dem täglichen Flugverkehr verbunden ist.

Warum das Swissair-Grounding etwas anderes war

Auch der 2. Oktober 2001 gilt als einer der dramatischsten Tage in der Geschichte des Flughafens Zürich. Damals stellte die Swissair ihren Flugbetrieb wegen finanzieller Schwierigkeiten ein.

Tausende Reisende waren betroffen und zahlreiche Flugzeuge blieben stehen. Der gesamte Flughafen wurde jedoch nicht geschlossen. Andere Fluggesellschaften konnten weiterhin operieren.

Über diesen historischen Einschnitt berichtete flughafen.ch bereits ausführlich im Beitrag zum 25. Jahrestag des Swissair-Groundings.

Der Unterschied ist wesentlich: 2001 brach der Betrieb einer Fluggesellschaft zusammen. Im April 2010 war dagegen der reguläre Luftverkehr aufgrund einer grossflächigen Luftraumsperrung betroffen.

Corona brachte den Flughafen fast zum Stillstand

Eine weitere Ausnahmesituation erlebte Zürich während der Coronapandemie 2020.

Internationale Reisebeschränkungen führten zu einem drastischen Rückgang des Passagierverkehrs. Viele Flugzeuge wurden vorübergehend abgestellt, zahlreiche Verbindungen eingestellt.

Am 22. April 2020 registrierte der Flughafen Zürich lediglich 262 Passagiere. Für einen Flughafen dieser Grösse war dies ein historischer Tiefstand.

Trotzdem blieb der Flughafen grundsätzlich geöffnet. Einzelne Flüge, darunter Rückhol- und Frachtverbindungen, wurden weiterhin durchgeführt.

Könnte Zürich erneut vollständig geschlossen werden?

Eine erneute vollständige Unterbrechung des Flugverkehrs ist grundsätzlich möglich. Dafür kommen beispielsweise schwerwiegende Sicherheitsereignisse, grossflächige Luftraumsperrungen oder aussergewöhnliche Naturereignisse infrage.

Nicht jede wetterbedingte Einschränkung führt allerdings zu einer vollständigen Schliessung. Schneefall, Gewitter und Nebel können Flugverspätungen oder Annullierungen verursachen, ohne den gesamten Betrieb lahmzulegen.

Der historische Vergleich zeigt, dass ein beinahe menschenleerer Flughafen und eine tatsächlich vollständige Einstellung sämtlicher Flugbewegungen zwei unterschiedliche Situationen sind.

AKTUELLER STAND
Historische Betriebsausfälle am Flughafen Zürich
Dokumentierte Ereignisse | Stand: 30. Oktober 2026
Datum Ereignis Auswirkung
02.10.2001 Swissair-Grounding Swissair-Flugbetrieb eingestellt
17.04.2010 Vulkanasche Flugverkehr vollständig eingestellt
18.04.2010 Luftraumsperrung Ganztägiger Stillstand
19.04.2010 Luftraumsperrung Ganztägiger Stillstand
20.04.2010 Wiederaufnahme Erste Flugbewegung um 08.03 Uhr
22.04.2020 Coronapandemie Nur 262 Passagiere, Flughafen geöffnet

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert