Eishockey-WM 2027 in Gefahr – Deutschland erwägt Rückgabe
von belmedia Redaktion Allgemein Eishockey Europa Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch swisshockey.ch Themen Weltmeisterschaft Ⳇ Verbreitung
Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach der vom Internationalen Sportgerichtshof CAS angeordneten Wiederzulassung Russlands zieht der Deutsche Eishockey-Bund sogar eine Rückgabe der Heim-WM in Betracht. DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz nennt wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Risiken als Gründe. Noch ist keine Entscheidung gefallen.
In einem Interview mit MagentaSport am Samstag, 31. Oktober 2026, erklärt Lutz, dass sich der Verband auch mit diesem äussersten Szenario befassen müsse. Besonders die Gefahr möglicher Boykotte einzelner Nationalmannschaften und die finanziellen Folgen bereiten den Organisatoren Sorgen. Deutschland hatte sich auf die erste Heim-WM seit 2017 vorbereitet.
Auch die Schweizer Nationalmannschaft ist unmittelbar betroffen. Die Schweiz soll am 13. Mai 2027 vor einer grossen Zuschauerkulisse in Gelsenkirchen das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Deutschland bestreiten. Welche Auswirkungen Russlands Rückkehr auf das Teilnehmerfeld, die Gruppeneinteilung und den Spielplan haben wird, muss die IIHF nun klären.
Deutschland spricht erstmals offen über eine WM-Rückgabe
Die Aussagen von Frank H. Lutz zeigen, wie ernst die Situation für den Deutschen Eishockey-Bund geworden ist.
Noch am Freitag hatte der Verband in einer offiziellen Stellungnahme erklärt, dass er die Rückkehr Russlands zu internationalen Eishockeyturnieren weiterhin ablehne.
Einen Tag später ging Lutz im Interview mit MagentaSport deutlich weiter. Eine Rückgabe der Weltmeisterschaft müsse als mögliche Konsequenz geprüft werden.
Im Mittelpunkt stehen die finanziellen Risiken. Der DEB möchte vermeiden, dass die Ausrichtung der Weltmeisterschaft zu wirtschaftlichen Belastungen führt, die der Verband nicht tragen kann.
Gleichzeitig zeigt sich Lutz zuversichtlich, dass gemeinsam mit dem Weltverband eine Lösung gefunden werden kann.
CAS-Urteil verändert die gesamte Ausgangslage
Am Freitag, 30. Oktober, hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne den Ausschluss russischer Nationalmannschaften von den Weltmeisterschaften 2027 aufgehoben.
Der Gerichtshof sah die Sicherheitsbedenken, mit denen die IIHF ihre Entscheidung begründet hatte, als nicht ausreichend belegt an.
Die IIHF akzeptiert das Urteil, hält jedoch weiterhin an ihren Sicherheitsbedenken fest.
Damit entsteht eine aussergewöhnliche Situation: Der Weltverband muss die Rückkehr ermöglichen, während der deutsche Gastgeber erhebliche Vorbehalte gegenüber einer russischen Teilnahme hat.
Auch Boykotte einzelner Nationen sind möglich
Besonders problematisch könnte die Haltung anderer Teilnehmerländer werden.
Lutz verweist ausdrücklich auf Lettland. Dort bestehen gesetzliche Einschränkungen für sportliche Begegnungen mit russischen Mannschaften.
Falls Russland und Lettland bei der Weltmeisterschaft aufeinandertreffen sollten, könnte dies zu organisatorischen und rechtlichen Schwierigkeiten führen.
Auch die Ukraine gehört zum Teilnehmerfeld. Die beiden Länder befinden sich weiterhin im Krieg.
Der DEB befürchtet deshalb, dass einzelne Nationen ihre Teilnahme unter bestimmten Umständen infrage stellen könnten.
Ein solcher Boykott wäre nicht nur sportlich problematisch. Auch die Planung von Spielterminen, Eintrittskarten und Fernsehübertragungen könnte betroffen sein.
Warum die finanziellen Risiken so gross sind
Die WM 2027 ist ein bedeutendes internationales Sportprojekt. Insgesamt sind 64 Begegnungen mit 16 Mannschaften vorgesehen.
Die Vorrunde soll in Mannheim und Düsseldorf stattfinden. Das Eröffnungsspiel zwischen der Schweiz und Deutschland ist für die Veltins-Arena in Gelsenkirchen geplant.
Ein Turnier dieser Grössenordnung erfordert umfangreiche Investitionen in Sicherheit, Infrastruktur und Organisation.
Veränderungen am Teilnehmerfeld könnten zusätzliche Kosten verursachen. Gleichzeitig wären mögliche Auswirkungen auf Sponsoren, Zuschauerinteresse und Ticketverkäufe zu berücksichtigen.
Lutz betont allerdings einen entscheidenden Unterschied: Der DEB ist Ausrichter, die IIHF ist Veranstalter der Weltmeisterschaft.
Deshalb liegt die Verantwortung für die nächsten Entscheidungen zunächst beim Weltverband.
Schweizer WM-Planung könnte verändert werden
Auch für Swiss Ice Hockey entsteht eine neue Situation.
Die Schweizer Nationalmannschaft von Trainer Jan Cadieux soll am Donnerstag, 13. Mai 2027, um 20.20 Uhr gegen Deutschland antreten.
Anschliessend sind Gruppenspiele gegen Slowenien, Finnland, Lettland, Schweden, Österreich und die Ukraine vorgesehen.
Wie Russland in das bereits festgelegte Teilnehmerfeld integriert werden soll, ist noch offen.
Swiss Ice Hockey hat den CAS-Entscheid zur Kenntnis genommen und wartet auf die nächsten Beschlüsse der IIHF.
Die nächsten Entscheidungen liegen bei der IIHF
Für den Weltverband beginnt nun eine schwierige Phase. Er muss klären, wie der CAS-Entscheid umgesetzt werden kann und welche Auswirkungen sich auf die bereits geplanten Wettbewerbe ergeben.
Der DEB wird anschliessend beurteilen müssen, ob die Weltmeisterschaft unter den veränderten Bedingungen wirtschaftlich und organisatorisch tragbar bleibt.
Eine Rückgabe der Heim-WM wäre der weitreichendste Schritt. Derzeit steht diese Möglichkeit jedoch lediglich als äusserste Option im Raum.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert