Russland-Rückkehr: Swiss Ice Hockey bleibt neutral – Marc Lüthi wartet auf IIHF
von belmedia Redaktion Allgemein Amerika Bern Eishockey Europa Magazine nachrichtenticker.ch Nationalmannschaft News Orte Regionen Schweiz Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch swisshockey.ch Themen Weltmeisterschaft Ⳇ Verbreitung
Swiss Ice Hockey hält sich im Streit um die Rückkehr russischer Nationalmannschaften an internationale Eishockeyturniere weiterhin zurück. Verbandspräsident Marc Lüthi erklärte am Donnerstag, 5. November 2026, dass sich die Schweiz der Tragweite des Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs CAS bewusst sei. Der Verband nehme derzeit eine neutrale Haltung ein und warte die Entscheidungen des Weltverbands IIHF ab.
Das CAS hatte am 30. Oktober den Ausschluss russischer Nationalmannschaften von fünf Weltmeisterschaften 2027 aufgehoben. Seither wächst der Widerstand in Europa. Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland haben angekündigt, nicht gegen Russland anzutreten. Gastgeber Deutschland lehnt die Rückkehr ebenfalls ab und prüft die Konsequenzen für die Männer-WM im kommenden Mai.
Die Schweizer Nationalmannschaft ist von der Entwicklung unmittelbar betroffen. Sie soll am 13. Mai 2027 gegen Deutschland das WM-Eröffnungsspiel in Gelsenkirchen bestreiten. In ihrer Vorrundengruppe stehen mit Finnland, Schweden und Lettland gleich drei Nationen, die Begegnungen mit Russland verweigern wollen. Ob die bisherige Gruppeneinteilung bestehen bleibt, muss die IIHF klären.
Marc Lüthi überlässt die nächsten Schritte der IIHF
Der Schweizer Eishockeyverband hat sich nach dem CAS-Urteil zunächst bewusst zurückhaltend geäussert.
Am Donnerstag bestätigte Swiss Ice Hockey diese Haltung erneut.
Verbandspräsident Marc Lüthi erklärte, die Schweiz befinde sich momentan nicht auf der politischen, sondern auf der sportlichen Ebene.
Die Umsetzung des Urteils liege nun in der Verantwortung der IIHF. Lüthi betrachtet die praktische Durchführung allerdings kritisch.
Der Verband verfolgt die Entwicklungen aufmerksam, will jedoch den Entscheidungen des Weltverbands nicht vorgreifen.
Warum die Schweiz eine neutrale Position einnimmt
Die Haltung von Swiss Ice Hockey unterscheidet sich von jener mehrerer europäischer Eishockeynationen.
Eine wichtige Grundlage bildet die politische Unabhängigkeit des Schweizer Verbands, die in dessen Statuten festgeschrieben ist.
Die Schweiz hat deshalb keinen Boykott angekündigt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Swiss Ice Hockey sämtliche möglichen Folgen einer russischen Rückkehr bereits beurteilt hat.
Über die Durchführung der Weltmeisterschaften und die notwendigen Anpassungen entscheidet zunächst die IIHF.
Russlands Rückkehr bringt den Weltverband unter Druck
Am 30. Oktober hob der Internationale Sportgerichtshof CAS die bisherigen Ausschlussentscheide gegen russische Nationalmannschaften auf.
Das Gericht bewertete die vom Weltverband vorgelegten Sicherheitsargumente als nicht ausreichend belegt.
Die IIHF akzeptiert die Zuständigkeit des Sportgerichtshofs, hält aber weiterhin an ihren Sicherheitsbedenken fest.
In einer neuen Erklärung vom 4. November verwies der Weltverband auf Schwierigkeiten mit Einreisebewilligungen, Sicherheitskonzepten, Unterkünften und bereits festgelegten Turnierformaten.
Die organisatorischen Probleme bei Russlands Rückkehr betreffen mehrere internationale Wettbewerbe.
Besonders dringlich ist die Situation bei der U20-Weltmeisterschaft, die bereits am 26. Dezember in Kanada beginnt.
Mehrere Nationen verweigern Spiele gegen Russland
Der Widerstand in Europa ist inzwischen erheblich.
Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland haben erklärt, unter den aktuellen Umständen nicht gegen russische Nationalmannschaften anzutreten.
Auch weitere Verbände äussern deutliche Vorbehalte.
Lettland verfügt zudem über gesetzliche Einschränkungen für sportliche Begegnungen mit russischen Mannschaften.
Deutschland lehnt eine Rückkehr ebenfalls ab.
Der Deutsche Eishockey-Bund sieht erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Auswirkungen auf die Heim-Weltmeisterschaft.
WM 2027 in Deutschland steht vor schwierigen Fragen
Die Männer-WM ist bisher mit 16 Mannschaften geplant.
Russland gehört nicht zum bestehenden Teilnehmerfeld. Eine Rückkehr würde deshalb Änderungen an der Turnierplanung erforderlich machen.
Der Veranstalter muss ausserdem berücksichtigen, dass mehrere qualifizierte Nationen Begegnungen mit Russland ablehnen.
Hinzu kommen wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Sponsoren, die ihr Engagement überprüfen oder sich zurückziehen wollen.
Der Deutsche Eishockey-Bund hat deshalb auch eine mögliche Rückgabe des Turniers nicht ausgeschlossen.
Eine Entscheidung über diesen Schritt liegt bislang nicht vor.
Welche Folgen drohen der Schweizer Nationalmannschaft?
Für die Schweiz stellt sich vor allem die Frage, wie der bestehende WM-Spielplan umgesetzt werden kann.
Das Team von Nationaltrainer Jan Cadieux soll seine Vorrundenspiele in Mannheim austragen.
Neben Gastgeber Deutschland befinden sich Finnland, Schweden, Lettland, Österreich, Slowenien und die Ukraine in der Schweizer Gruppe.
Eine Veränderung des Teilnehmerfelds könnte Auswirkungen auf Gegner und Spieltermine haben.
Swiss Ice Hockey bleibt deshalb in engem Kontakt mit dem Weltverband.
Die nächste Entscheidung muss nun zeigen, wie sich das CAS-Urteil mit den bereits weit fortgeschrittenen Vorbereitungen vereinbaren lässt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert