Baukulturpreis: Wohnhaus Bismarckstrasse 37, Oberhausen – Denkmal gelebter Baukultur
von belmedia Redaktion Allgemein architektenwelt.com Architektur Architekturpreise Inspiration Materiale & Produkte News
Das Wohnhaus an der Bismarckstrasse 37 in Oberhausen wurde 2024 mit dem Baukulturpreis der Stadt ausgezeichnet. Die Eigentümer Susanne und Daniel Schulz haben das 1912 errichtete Gebäude über zwei Jahrzehnte hinweg liebevoll restauriert und damit ein herausragendes Beispiel für gelebte Baukultur geschaffen.
Die Auszeichnung würdigt nicht nur die architektonische Qualität des Gebäudes, sondern auch das aussergewöhnliche Engagement der Eigentümer, die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig modernen Wohnkomfort zu schaffen. Das Haus steht seit 2021 unter Denkmalschutz und gilt als ein bedeutendes Beispiel der Reformarchitektur in Oberhausen.
Die Stadt Oberhausen verleiht den Baukulturpreis seit 2023 an herausragende Beispiele für gute Baukultur. Im Jahr 2024 wurden neben dem Wohnhaus an der Bismarckstrasse 37 auch das Gemeindezentrum der evangelischen Auferstehungskirchengemeinde in Osterfeld und das Schalendach im Industriearchäologischen Park der St. Antony-Hütte ausgezeichnet.
Ein Haus mit Geschichte und Charakter
Das Wohnhaus an der Bismarckstrasse 37 wurde 1912 im Stil der Reformarchitektur errichtet. Dieser Architekturstil zeichnet sich durch schlichte Eleganz, hochwertige Handwerkskunst und eine bewusste Abkehr von überladenen historischen Baustilen aus. Der Erbauer Julius Lauth, ein ehemaliger Prokurist bei den Deutschen Babcock & Wilcox Dampfkesselwerken, schuf mit dem Gebäude ein Beispiel für funktionale Ästhetik und zeitlose Architektur.
Das Ehepaar Schulz entdeckte das Haus im Jahr 2001 und verliebte sich sofort in dessen Charme und den grosszügigen Garten. Trotz des schlechten Zustands des Gebäudes entschieden sie sich für den Kauf und begannen mit der aufwendigen Restaurierung. Dabei legten sie grossen Wert darauf, den ursprünglichen Charakter des Hauses zu bewahren und historische Elemente wie die mehrfarbigen Bleiglasfenster, das „Teehaus“ im Garten und die originalen Holzdielen zu erhalten.
Engagement und Leidenschaft für Baukultur
Die Restaurierung des Hauses war für Susanne und Daniel Schulz ein Herzensprojekt. Mit viel Engagement und Liebe zum Detail arbeiteten sie daran, die ursprüngliche Substanz des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig modernen Wohnkomfort zu schaffen. Dabei wurden sie von Fachleuten unterstützt, übernahmen jedoch auch selbst zahlreiche Arbeiten. Ihr Ziel war es, das Haus so auszubauen, wie es ursprünglich aussah, und dabei die Geschichte und den Charakter des Gebäudes zu respektieren.
Die Jury des Baukulturpreises würdigte dieses Engagement und betonte, dass das Ehepaar Schulz beispielhaft zeige, was Denkmalpflege im Alltag bedeuten kann: „Liebevolle Aneignung des Bestehenden, ohne es zu kontrastieren oder zu überwältigen, sondern es als ein bereicherndes Vorhandenes in das eigene Leben aufzunehmen.“
Ein Zuhause mit Seele
Für die Familie Schulz ist das Haus an der Bismarckstrasse 37 nicht nur ein architektonisches Schmuckstück, sondern vor allem ein Zuhause mit Seele. Mit ihren beiden Kindern zogen sie in das Marienviertel und schufen einen lebendigen Lebensmittelpunkt, der von Freunden, Nachbarn und Haustieren geprägt war. „Ich frage meine Patienten oft, ob sie eine Oase haben, in der sie sich wohlfühlen“, erzählt Daniel Schulz, „für uns ist diese Oase unser Haus.“
Trotz der Herausforderungen und der Warnung des verstorbenen Architekten Wolf-Dieter Thien, Susannes Vater, der das Haus als „Fass ohne Boden“ bezeichnete, bereuen die Schulzes ihre Entscheidung nicht. „Wir würden es sofort wieder machen“, sagen sie rückblickend.
Fazit
Das Wohnhaus an der Bismarckstrasse 37 in Oberhausen ist ein herausragendes Beispiel für gelebte Baukultur und den behutsamen Umgang mit historischem Erbe. Die liebevolle Restaurierung durch Susanne und Daniel Schulz zeigt, wie durch Engagement und Leidenschaft ein Stück Geschichte bewahrt und gleichzeitig ein modernes Zuhause geschaffen werden kann. Die Auszeichnung mit dem Baukulturpreis 2024 würdigt diese Leistung und setzt ein Zeichen für den Wert von Baukultur in unserer Gesellschaft.
Quelle: architektenwelt.com-Redaktion
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