Hobelwerk Haus C in Winterthur: Nachhaltige Architektur trifft urbane Lebensqualität
von belmedia Redaktion Allgemein architektenwelt.com Architektur Architekturpreise Innovation & Technik Inspiration Materiale & Produkte Nachhaltigkeit News
In Winterthur wächst ein urbanes Quartier, das industrielle Vergangenheit mit nachhaltiger Zukunft vereint. Mit Haus C im Hobelwerk-Areal entsteht ein Bauprojekt, das Massstäbe setzt in Architektur, Ökologie und Stadtentwicklung.
Die Stadt Winterthur erlebt seit einigen Jahren eine dynamische Transformation. Insbesondere das ehemalige Industriegebiet rund um das Hobelwerk-Areal hat sich zu einem vielbeachteten Beispiel moderner Quartiersentwicklung entwickelt. Mit Haus C entsteht dort nicht nur ein weiteres Gebäude – sondern ein Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Wohnen, Arbeiten und Leben.
Ein Quartier mit Geschichte – und Zukunft
Das Hobelwerk-Areal liegt im südwestlichen Teil Winterthurs, eingebettet zwischen Bahntrasse und den angrenzenden Quartieren. Über Jahrzehnte war das Areal ein Ort industrieller Produktion. Heute wird hier Stadtentwicklung neu gedacht: Die Umnutzung folgt einem ganzheitlichen Konzept, das Wohnen, Gewerbe, Freiräume und Nachhaltigkeit in Einklang bringt.
Das Herzstück dieses Konzepts bildet Haus C – ein hybrider Neubau, der Wohneinheiten, Ateliers, Gemeinschaftsflächen und flexible Gewerberäume kombiniert. Die Projektleitung liegt bei der Baugenossenschaft mehr als wohnen und Implenia, realisiert wird das Projekt gemeinsam mit ausgewählten Architekturbüros.
Architektur: Hybrid und integrativ gedacht
Die architektonische Gestaltung von Haus C ist geprägt von einem offenen und integrativen Ansatz. Die Grundstruktur basiert auf einem hybriden Tragwerk aus Beton und Holz, das sowohl statische Stabilität als auch ökologische Effizienz ermöglicht. Besondere Aufmerksamkeit galt der Fassadengestaltung: Grosszügige Fensterfronten, sichtbare Holzelemente und begrünte Loggien sorgen für ein lebendiges Erscheinungsbild.
Im Erdgeschoss befindet sich eine durchlässige Sockelzone mit offenen Nutzungen wie einem Quartiercafé, Werkstätten und Veranstaltungsflächen. Oberhalb davon gliedert sich das Gebäude in modulare Wohn- und Arbeitsbereiche, die flexibel auf sich wandelnde Bedürfnisse reagieren können.
Ökologische Massstäbe – weit über den Standard hinaus
Nachhaltigkeit ist kein Nebenaspekt, sondern Fundament des Projekts. Haus C wird im Minergie-P-ECO-Standard realisiert und setzt auf verschiedene ökologische Strategien:
- Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach zur Eigenstromproduktion
- Regenwassernutzung für die WC-Spülung und Gartenbewässerung
- Begrünte Dächer als Lebensraum für Insekten und Vögel
- Recyclingbeton und FSC-zertifizierte Hölzer als Baumaterialien
- Ein Low-Tech-Konzept mit natürlicher Belüftung und Tageslichtoptimierung
Ein Energiemonitoring-System erlaubt es den Bewohnern, ihren Energieverbrauch aktiv zu verfolgen und anzupassen. Auch die Mobilitätsstrategie ist durchdacht: Zahlreiche Veloparkplätze, eine Carsharing-Station und ein direkter ÖV-Anschluss fördern nachhaltige Fortbewegung.
Gemeinschaft statt Anonymität
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, sozialen Zusammenhalt zu fördern. In Haus C entstehen nicht einfach Mietwohnungen – vielmehr wird gemeinschaftliches Wohnen aktiv gefördert. Gemeinsame Dachterrassen, Gemeinschaftsküchen, eine Bibliothek, Werkstätten und offene Höfe laden zur Begegnung und zum Austausch ein.
Die künftigen Bewohner wurden frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden. Das sogenannte «Mitwirkungsverfahren» ermöglichte es Interessierten, ihre Bedürfnisse und Ideen einzubringen. Die soziale Mischung ist vielfältig: Singles, Familien, ältere Menschen und Wohngemeinschaften sollen in Haus C ein Zuhause finden.
Haus C als Labor für neue Wohnformen
Ein weiterer spannender Aspekt von Haus C ist seine Rolle als Experimentierfeld für neue Wohn- und Arbeitsformen. Vorgesehen sind Clusterwohnungen mit geteilten Gemeinschaftsbereichen, kombinierte Wohn-Arbeits-Ateliers sowie temporäre Nutzungen für Start-ups und soziale Initiativen. Dadurch bleibt das Gebäude lebendig und wandelbar – ein offenes System, das sich an neue Lebensrealitäten anpassen kann.
Ein Mehrwert für das ganze Quartier
Haus C versteht sich nicht als Solitär, sondern als integraler Bestandteil des wachsenden Hobelwerk-Quartiers. Das Projekt strahlt aus – durch seine offenen Erdgeschossnutzungen, durch Quartierveranstaltungen, durch Grünräume und neue Begegnungszonen. Der Dialog mit der Nachbarschaft wird aktiv gepflegt.
Auch in der Bauweise zeigt sich dieser Anspruch: Lärm- und Staubemissionen während der Bauphase wurden reduziert, Recycling-Materialien lokal beschafft, Anwohnende transparent über Baufortschritte informiert. Das Resultat ist ein Projekt, das sowohl im Innern als auch nach aussen Offenheit und Nachhaltigkeit lebt.
Ein Blick in die Zukunft
Haus C im Hobelwerk-Areal ist mehr als ein Neubau. Es ist ein zukunftsweisendes Modell für nachhaltige Stadtentwicklung, das zeigt, wie sich ökologisches Bauen, soziale Vielfalt und architektonische Qualität vereinen lassen. In Zeiten wachsender Städte, knapper Ressourcen und gesellschaftlicher Umbrüche liefert das Projekt Antworten auf zentrale Fragen urbanen Lebens.
Mit seiner gelungenen Mischung aus Gemeinschaft, Innovation und Nachhaltigkeit ist Haus C ein Beispiel dafür, wie sich Schweizer Städte weiterentwickeln können – menschlich, ökologisch und ästhetisch zugleich.
Quelle: architektenwelt.com-Redaktion
Bildquellen: Screenshots aus dem YouTube-Video „Hobelwerk, Winterthur – STÜSSI Showroom“, Kanal: Stüssi Betonvorfabrikation AG, veröffentlicht: © 2024, abgerufen am 10. Juni 2025, https://www.youtube.com/watch?v=2pGDwIbbhBg