Warum Hummeln im Sommer massenhaft sterben: Futterplanzenmangel
von belmedia Redaktion Allgemein Natur & Umwelt News Nutztiere tierwelt.news Wildtiere
Im Hochsommer häufen sich unter Linden tote Hummeln – doch der Grund ist nicht Gift, sondern Hunger. Eine Spurensuche zeigt, wie Gartengestaltung und Pflanzenwahl das Überleben dieser Bestäuber sichern können.
Wenn im Juli und August auffallend viele tote Hummeln unter Linden liegen, sorgt das regelmässig für Bestürzung. Lange Zeit vermutete man eine Vergiftung durch exotische Baumarten. Doch neuere Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild: Der wahre Grund für das Sterben liegt in einer gefährlichen Kombination aus Energieverlust und Nahrungsmangel – mitten in einer Jahreszeit, in der viele Gärten nahezu blütenfrei sind.
Das Sommersterben: Warum Hummeln unter Linden verenden
In städtischen Grünanlagen und Gärten fallen im Sommer vor allem unter Silber- und Krimlinden vermehrt tote Hummeln auf. Erste Vermutungen gingen von einer toxischen Wirkung des Nektars aus, da diese Bäume ursprünglich aus Südosteuropa und Vorderasien stammen und erst seit dem 18. Jahrhundert in Mitteleuropa angepflanzt werden. Doch wissenschaftliche Studien konnten weder Mannose noch andere bienenschädliche Zuckerarten in deren Nektar nachweisen.
Tatsächlich zeigen langjährige Erhebungen, dass die betroffenen Tiere meist nicht alt oder krank, sondern im besten Alter und körperlich fit sind – was eine natürliche Alterssterblichkeit ausschliesst.
Die Analyse von über 11’000 toten Hummeln durch ein Forscherteam der Universität Münster ergab, dass der überwiegende Teil von ihnen Anzeichen von Energiemangel aufwies. Die Tiere waren schlichtweg verhungert.
Verhängnisvolle Timing-Falle
Der Blühzeitpunkt der Silberlinden fällt in eine Phase, in der kaum andere Pflanzen Nektar liefern. Während Winter- und Sommerlinden bereits verblüht sind, beginnt die Blüte der Silberlinden rund zwei bis vier Wochen später – genau in der Periode eines sogenannten Nektarlochs. Für Hummeln, deren Energiereserven rasch erschöpft sind, wird dies zur tödlichen Falle.
Ein aufwändiger Versuch mit einem vollständig überwachten Hummelvolk zeigte dramatische Ergebnisse: Zunächst sammelten die Tiere erfolgreich Nektar an der Silberlinde. Doch als sich mehr Völker auf denselben Baum konzentrierten, stieg die Konkurrenz. Der Energieaufwand zur Nahrungssuche überstieg bald die Energieaufnahme. Innerhalb von nur zwölf Tagen war das ganze Volk verhungert – Königin inklusive.
Gärten als Rettungsinseln für Bestäuber
Das dramatische Hummelsterben ist ein Symptom eines grösseren Problems: Der zunehmende Verlust naturnaher Flächen und die Verarmung urbaner Bepflanzung führen zu Engpässen im Blütenangebot. Viele moderne Gärten setzen auf sterile Gestaltungen mit Rasenflächen, Schotterbeeten oder Zierpflanzen, die kaum oder gar keinen Nektar liefern.
Gerade im Juli und August ist das Angebot an Nahrung für blütenbesuchende Insekten besonders knapp – obwohl genau zu dieser Zeit viele Völker ihre maximale Grösse erreichen. Hummeln leiden besonders unter dieser Versorgungslücke, da sie im Gegensatz zu Honigbienen kaum Vorräte anlegen und stark auf kontinuierliche Nahrungszufuhr angewiesen sind.
Helfen durch Pflanzenwahl: Hummelmagneten für den Sommergarten
Mit der richtigen Auswahl spät blühender und nektarreicher Pflanzen lässt sich der Hunger der Hummeln lindern. Wildpflanzen und robuste Blütenstauden können gezielt Lücken im Blühkalender schliessen:
- Artischocke: Ihre imposanten, blau-violetten Blüten sind wahre Magneten für Hummeln.
- Bartblume: Eignet sich gut als Kübelpflanze, blüht spät und intensiv.
- Phacelia: Anspruchslos und bienenfreundlich – auch als Gründüngung.
- Efeu: Blüht spät im Jahr und ist eine wichtige Nahrungsquelle im Herbst.
- Heidekraut: Blüht bis in den Herbst und bevorzugt sauren Boden.
- Klee-Arten: Bieten durchgehend Nektar und benötigen keinen Dünger.
- Kugeldistel: Lockt unzählige Insektenarten an – beliebt bei Imkern.
- Lavendel: Pflegeleicht und wirksam gegen Schädlinge.
- Malven & Stockrosen: Nur ungefüllte Sorten bieten Nahrung.
- Natternkopf: Einheimische Wildstaude mit langer Blütezeit.
- Sonnenhut: Klassische Bauerngartenpflanze, ausdauernd und attraktiv.
- Taubnessel: Blüht auch im Schatten und oft bis in den Winter.
- Wasserdost: Robust, wild und bei Hummeln sehr beliebt.
Mehr Vielfalt – weniger Hungertod
Ein naturnaher Garten ist nicht nur ein ästhetisches Highlight, sondern kann aktiv zum Überleben der Hummeln beitragen. Der bewusste Verzicht auf sterile Gestaltung, häufiges Mähen und chemische Mittel, kombiniert mit einer gezielten Auswahl spät blühender Pflanzen, schafft Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten. Wer in seinem Garten Platz für Wildkräuter lässt und den Blühzeitraum über die gesamte Saison hinweg sicherstellt, hilft mit, das Massensterben der Hummeln zu verhindern – ganz ohne grossen Aufwand, aber mit grossem Nutzen.
Quelle: tierwelt.news-Redaktion/NABU Deutschland
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