Vom Aussterben bedrohte Fledermaus kehrt nach Schaffhausen zurück
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Erstmals nach Jahrzehnten wurde im Kanton Schaffhausen wieder eine Grosse Hufeisennase nachgewiesen. Die Grosse Hufeisennase ist eine der seltensten Fledermausarten der Schweiz. Sie gilt als vom Aussterben bedroht. Ein in Baden-Württemberg besendertes Weibchen überquerte 2023 die Landesgrenze und wurde seither jedes Jahr im Raum Schaffhausen nachgewiesen.
Die Grosse Hufeisennase, eine der seltensten Fledermausarten der Schweiz, ist vom Aussterben bedroht. Ihren Namen trägt die Art wegen ihrer speziell geformten Nase. Grosse Hufeisennasen suchen sich ihre Nahrung hauptsächlich in lichten Wäldern und in strukturreichen Landschaften. Sie ernähren sich vorwiegend von grossen Käfern und Faltern. Im 19. Jahrhundert war die Art noch weit verbreitet. Seither wurden ihre Bestände infolge Quartiermangel, Lebensraumverlust und dem Einsatz von Pestiziden sehr stark dezimiert. Heute gibt es schweizweit nur noch vier Wochenstubenkolonien, in denen die Grosse Hufeisennase ihre Jungen aufzieht.
Nachweis dank grenzüberschreitender Zusammenarbeit
Im Frühjahr 2023 entdeckten deutsche Fledermausschützer in einem Winterquartier im nahen Baden-Württemberg ein Weibchen der Grossen Hufeisennase. Sie statteten dieses Tier mit einem Minisender aus, um seine Wanderbewegung zu verfolgen. Als klar wurde, dass das Weibchen die Landesgrenze überquerte, wurde der Fledermausschutz Schaffhausen miteinbezogen. Dieser konnte in der Folge die seltene Fledermausart erstmals seit Jahrzehnten wieder im Kanton Schaffhausen nachweisen. In der Folge gelang es, zwei Sommerquartiere im Kanton Schaffhausen ausfindig zu machen.
Die Suche nach weiteren Tieren
Nach dem erfreulichen Erstnachweis der Grossen Hufeisennase wurde 2024 im Auftrag des kantonalen Naturschutzamts ein Monitoring durchgeführt, um genauere Informationen zur Präsenz dieser Fledermausart zu erhalten. Die Untersuchungen wurden 2025 im Rahmen einer Erwachsenen-Maturaarbeit fortgeführt. An beiden bekannten Quartieren wurde ein Monitoring mittels bioakustischer Aufnahmen durchgeführt. Dabei werden mittels spezieller Geräte die für Menschen unhörbaren, arttypischen Ultraschall-Ortungsrufe der Fledermäuse registriert.
Zusätzlich wurden an verschiedenen potenziell interessanten Stellen in der Umgebung der beiden bereits bekannten Quartiere Aufnahmen gemacht. Dabei konnte nie an beiden Quartieren gleichzeitig eine Anwesenheit nachgewiesen werden. Ebenso kamen in der Umgebung nur vereinzelte Aufnahmen zustande, die aufgrund ihrer Chronologie klar darauf hindeuten, dass es sich jeweils um dasselbe Tier handeln musste, welches die verschiedenen Standorte im Wechsel nutzte. Das Fehlen von Nachweisen an weiteren potenziell interessanten Standorten wie Waldrändern und Hecken entlang von Bachläufen, die als Verbindungskorridore und Jagdgebiete dienen könnten, deutet darauf hin, dass in der untersuchten Gegend derzeit keine grösseren Vorkommen – insbesondere keine Wochenstuben – der Grossen Hufeisennase zu erwarten sind.
Dieses Frühjahr findet wieder ein Monitoring statt. Dieses konnte die Anwesenheit der Grossen Hufeisennase diesen April das vierte Jahr in Folge bestätigen. Vor wenigen Wochen wurde in einem der beiden Schaffhauser Quartiere auch eine automatische Wildtierkamera installiert. Mit dieser gelang schon nach wenigen Tagen der erste bildliche Nachweis der Grossen Hufeisennase im Kanton Schaffhausen. Dabei gab es gleich noch eine weitere Überraschung: Bei dem Tier, das sich gemeinsam mit einer Gruppe von Wasserfledermäusen in einem Kanalschacht aufhält, handelt es sich nicht um das Tier, welches 2023 zum Quartier geführt hat. Dies ist daran zu erkennen, dass das derzeit anwesende Individuum nicht beringt ist. Hingegen konnte das 2023 beringte Weibchen auch im vergangenen Winter wieder im Winterquartier in der deutschen Nachbarschaft entdeckt werden. Die Leiterin der Regionalen Koordinationsstelle Fledermausschutz Schaffhausen, Jeannine Klaiber, sagt: „Wir interpretieren dies als Hinweis, dass der Lebensraum im Raum Schaffhausen ein gewisses Potenzial für die Grosse Hufeisennase bietet.“
Quelle: Kanton Schaffhausen
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