Retro-Videospiel hilft Schlaganfall-Patienten, Armfunktion deutlich zu verbessern

Ein Videospiel von Forschern der Northwestern University im Stil der 1990er-Jahre hilft Überlebenden eines chronischen Schlaganfalls dabei, die verlorene Armfunktion wiederzuerlangen. Dafür tragen sie ein kleines Gerät auf ihrem beeinträchtigten Arm und nutzen einen Laptop.

Mit den Armmuskeln werden Aufgaben wie das Fliegen eines Helikopters absolviert. Ziel ist es, ein sich bewegendes Ziel zu treffen. Somit werden die Armmuskeln und die unkoordinierten Bewegungssignale des Gehirns voneinander getrennt. Die Muskeln können wieder unabhängig voneinander arbeiten.

Deutliche Fortschritte

Nach sechs Wochen Training hat sich die Armfunktion der Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe um das 7,8-Fache verbessert. Diese Optimierung hielt auch nach Beendigung der Therapie an. Dass das Spielen auch zu Hause möglich war, verbesserte den Zugang und steigerte die Wiederholungen.

Die Forscher der Northwestern University haben bei ihren Patienten mehr als 300 Wiederholungen pro Tag erreicht, also viel mehr als bei der normalen Physiotherapie im Krankenhaus. Zudem machte diese Art der Rehabilitation den Probanden viel mehr Spass und war deutlich gewinnender, heisst es.

Reha nicht nur mühsam

Die Teilnehmer litten unter einer mittelschweren bis schweren Funktionseinschränkung des Arms aufgrund eines Schlaganfalls, der mindestens sechs Monate vor dem Beginn der Studie aufgetreten war. Im Schnitt waren 6,4 Jahre nach dem Schlaganfall vergangen. Bei manchen Patienten waren es sogar zwölf Jahre.

Nach einem Schlaganfall können die Bewegungssignale des Gehirns gestört werden. Diese abnormale Ko-Aktivierung macht es für die Überlebenden schwer, den Arm mit einem geraden Ellenbogen nach vorne auszustrecken.

Laut dem co-korrespondierenden Autor Marc Slutsky sind die Teilnehmer aufgefordert worden, Ziele zu treffen, die immer weiter entfernt liegen. Je mehr sich die Muskeln entkoppelten, desto besser war auch die Punktezahl beim Spiel.

59 Teilnehmer therapiert

Bei der Studie handelt es sich um eine randomisierte, sham-kontrollierte Studie. Das ist ein gründlicher Test, der die Effektivität eines Geräts überprüft. An der Studie haben 59 Patienten teilgenommen. Sie trainierten sechs Wochen, spielten das Game 90 Minuten am Tag, fünf Tage je Woche zu Hause und einen Tag im Labor.

Alle Behandlungsgruppen verbesserten sich laut den Wissenschaftlern um das 4,5-Fache der Scheingruppe. Diese aktuellen Forschungsergebnisse sind in „Neurorehabilitation and Neural Repair“ veröffentlicht worden.

 

Quelle: pressetext.redaktion/Moritz Bergmann
Bildquelle: northwestern.edu, Kristin Samuelson (bearbeitet mit KI)