Kinderärzte fehlen in der Schweiz – in einigen Kantonen ist die Lage besonders angespannt
von belmedia Redaktion #Schweizweit Alltag Eltern elterntipps.ch Familie familie.ch Familienleben Gesundheit Krankheiten Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Pflege Regionen Schweiz Schweiz Spitalaufenthalt Spitäler Themen Vital xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Die kinderärztliche Grundversorgung ist in der Schweiz vielerorts knapp. Eine neue landesweite Studie zeigt nun erstmals detailliert, wie gross die regionalen Unterschiede sind. Im Durchschnitt kommt eine Vollzeitstelle in der Pädiatrie auf rund 1’600 Kinder. In einzelnen Kantonen müssen sich jedoch mehr als 4’000 Kinder eine rechnerische Vollzeitstelle teilen.
2024 arbeiteten schweizweit 1’499 Kinderärztinnen und Kinderärzte in der Grundversorgung. Werden ihre tatsächlichen Arbeitspensen berücksichtigt, entsprechen sie noch rund 1’017 Vollzeitstellen.
Die am 1. September 2026 im «Swiss Medical Weekly» veröffentlichte Untersuchung zeigt gleichzeitig: 69 Prozent der befragten Kinderärztinnen und Kinderärzte nehmen in ihrer Region einen Mangel wahr.
Von 750 bis 4’750 Kinder pro Vollzeitstelle
Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Vergleich der Kantone. In Genf kommt rechnerisch eine pädiatrische Vollzeitstelle auf rund 750 Kinder. Auch Basel-Stadt, Waadt und das Tessin sind mit ungefähr einer Stelle pro 1’100 Kinder vergleichsweise gut versorgt.
Ganz anders sieht die Situation in mehreren kleineren und ländlicheren Kantonen aus. In Appenzell Ausserrhoden kommen rund 4’750 Kinder auf eine Vollzeitstelle, in Obwalden sind es etwa 4’150. In Schaffhausen liegt der Wert bei rund 3’550 und im Thurgau bei ungefähr 3’100 Kindern.
Zum Vergleich: Als internationaler Richtwert werden für die pädiatrische Grundversorgung teilweise rund 1’200 bis 1’400 Kinder pro vollzeitlich arbeitender Kinderärztin beziehungsweise Kinderarzt genannt.
Viele Praxen nehmen nicht mehr alle Kinder auf
Die knappe Versorgung wirkt sich unmittelbar auf den Praxisalltag aus. In schlecht versorgten Kantonen behandeln Kinderärzte laut Studie im Median rund 25 Kinder pro Tag. In Regionen mit einer höheren Ärztedichte sind es etwa 17.
Auch für Vorsorgeuntersuchungen bleibt weniger Zeit. Während in besser versorgten Gebieten durchschnittlich etwa 40 Minuten eingeplant werden, sind es bei grosser Belastung teilweise nur 30 Minuten.
Besonders problematisch für Familien ist die Aufnahme neuer Patienten. In Kantonen mit niedriger Versorgungsdichte nehmen lediglich 18 Prozent der Praxen sämtliche neuen Kinder auf. In gut versorgten Regionen liegt dieser Anteil bei 51 Prozent.
Dabei sind Kinderarztpraxen nicht nur bei akuten Erkrankungen wichtig. Sie begleiten Wachstum, Entwicklung und Prävention über viele Jahre. Wie wichtig die kinderärztliche Begleitung beispielsweise bei Wachstum und auffälliger Gewichtsentwicklung sein kann, zeigt ein aktueller Überblick.
Teilzeit allein erklärt den Mangel nicht
Auffällig ist der hohe Anteil an Teilzeitarbeit. 87 Prozent der Kinderärztinnen und Kinderärzte in Praxen arbeiten mit einem Pensum von weniger als 95 Prozent. Das mittlere Pensum liegt bei rund 70 Prozent.
Die Forschenden betonen allerdings, dass Teilzeitarbeit allein die regionalen Unterschiede nicht erklärt. Eine Rolle spielen auch administrative Belastungen, die Zahl verfügbarer Fachkräfte und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die Studie stellte beispielsweise einen Zusammenhang zwischen höheren kantonalen Vergütungen für ärztliche Leistungen und einer höheren Kinderarztdichte fest.
Für Familien bleibt die Situation damit stark vom Wohnort abhängig. Während in einigen Regionen weiterhin vergleichsweise problemlos eine Kinderarztpraxis gefunden werden kann, sind freie Plätze andernorts bereits heute knapp.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert