Neue Namen im Stadtbild: St.Gallen würdigt Lisette Völkin und Ella Wild als Pionierinnen

Der Stadtrat hat einen Platz und eine Strasse nach bedeutenden St.Galler Frauen benannt: Der neue Platz im Krontal trägt den Namen der ersten St.Galler Ärztin Lisette Völkin (1849-1929), die neu klassierte Strasse in Rotmonten jenen der Journalistin und Redaktorin Ella Wild (1881-1932).

Im Zuge der Erschliessung von Wohnnutzungen an der Rorschacher Strasse 189 wurde der Platz im Zentrum des Krontal öffentlich klassiert und nach der ersten St.Galler Ärztin Lisette Völkin (1849 – 1929) benannt.

Lisette Völkin: Die erste St.Galler Ärztin

Lisette (Elisabeth) Völkin wurde am 15. Februar 1849 als älteste von vier Töchtern des Zugführers Johann Jacob Völkin und der Susanna Näf in Müselbach in der Gemeinde Kirchberg (SG) geboren. 1854 zog die Familie nach St.Gallen. Nach ihren Schuljahren arbeitete Lisette zunächst während zehn Jahren in einem Stickereigeschäft.

Vom Stickereigeschäft zum Medizinstudium

Die schwere Krankheit ihres Vaters und die Begegnung mit dessen Arzt bewegte sie dazu, ein Medizinstudium zu verfolgen. Als 26-Jährige begann sie zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1873, die Matura nachzuholen. Mit Erlaubnis des Erziehungsrats war es ihr möglich, an der Kantonsschule St.Gallen den Unterricht zu besuchen. Bereits 1877 erlangte sie die Maturität und begann das Studium der Medizin an der Universität Zürich.

Rückkehr nach St.Gallen und eigene Praxis

Nach Abschluss des Studiums im Jahr 1882 arbeitete sie zunächst als praktizierende Frauenärztin in Zürich, unter anderem zusammen mit der ersten Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin. Ab der Mitte der 1880er-Jahre kehrte sie als erste St.Galler Ärztin in ihre Heimat zurück, wo sie zunächst an der Schwertgasse 22, ab dem Jahr 1906 dann an der St.Jakob-Strasse 69 eine eigene Praxis führte.

Ab 1888 engagierte sie sich im Frauenverband St.Gallen, für den sie unentgeltlich Patientinnen behandelte. Ebenso betreute sie das Mädchenheim „Wienerberg“ als Hausärztin und war Mitglied der Vereinigung für Kinder- und Frauenschutz. Noch mit fast 80 Jahren hielt Völkin Sprechstunden. Lisette Völkin starb am 9. Dezember 1929 in St.Gallen.

Ella Wild: St.Galler Pionierin des Journalismus

Zur Erschliessung der Wohnnutzung in der Flur Heiden in Rotmonten wurde die bisher private Strasse ab der Sandrainstrasse neu klassiert und nach der St.Galler Journalistin und Redaktorin Ella Wild (1881-1932) benannt.

Ella Wild (eigentlich Helene Lina) kam am 6. Januar 1881 als Tochter des Kaufmanns August Wild und der Lina Wild, geborene Eggmann, in St.Gallen zur Welt. Nach Sprachaufenthalten in Genf und England konnte sie an der Kantonsschule St.Gallen den Unterricht besuchen, wo sie 1903 die Matura erlangte. In der Folge studierte sie an der Universität Zürich Geschichte und Nationalökonomie.


Ella Wild

Karriere bei der Neuen Zürcher Zeitung

Das Studium schloss sie 1908 mit der Promotion ab. Nach einem Studienaufenthalt in Berlin trat sie 1909 als Volontärin in den Dienst der Neuen Zürcher Zeitung, wo sie bald die Berichterstattung über Stadt-, Kantons- und Ständeratsverhandlungen übernahm.

Als erste Frau aus der Bundesversammlung berichtet

Als erste Frau berichtete Ella Wild über die Verhandlungen der Bundesversammlung und war damit zugleich belächelte Exotin und aus heutiger Sicht bewundernswerte Pionierin. 1914 wurde sie verantwortliche Redaktorin des Handelsteils, übernahm zudem die Mitarbeit am Auslandteil der Zeitung.

Wild hatte in dieser Zeit massgeblichen Anteil am Ausbau des Handelsteils und der Handelsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung. Bis zu ihrem Todestag von ihrem Heim aus arbeitend, starb Ella Wild nach längerer schwerer Krankheit am 4. Juni 1932 im Alter von 51 Jahren in Zollikon.



 

Quelle: Stadt St.Gallen
Bildquellen: Bild 1: Portrait Lisette Völkin, VGFA 4/78, Kantonsbibliothek St.Gallen; Bild 2: Portrait Ella Wild VGFA 4/80, Kantonsbibliothek St.Gallen; Bild 3: GoogleMaps (bearbeitet)