LIV Golf beantragt Gläubigerschutz
von belmedia Redaktion Allgemein Amerika Draussen Europa Golf nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Sport Sport & Spiel Themen
LIV Golf hat in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Die umstrittene Golfserie will sich grundlegend restrukturieren und mit einem neuen Finanzierungs- und Eigentumsmodell weitermachen.
Der Antrag wurde beim US-Konkursgericht im Bundesstaat New Jersey eingereicht. Aus den Gerichtsunterlagen gehen Verbindlichkeiten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar hervor, während die Vermögenswerte auf 100 bis 500 Millionen Dollar geschätzt werden.
Zu den grössten ungesicherten Gläubigern gehören ausgerechnet mehrere Stars der Tour. Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Dustin Johnson haben jeweils Forderungen von mehr als fünf Millionen Dollar gegenüber LIV Golf.
Saudi-Fonds stellt 49,6 Millionen Dollar bereit
Der Schritt bedeutet nicht automatisch das Ende von LIV Golf. Das Verfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts ermöglicht Unternehmen, den Betrieb während einer finanziellen Restrukturierung fortzuführen.
Für diese Phase erhält LIV Golf ein Darlehen über 49,6 Millionen Dollar vom saudi-arabischen Public Investment Fund (PIF). Der Staatsfonds hatte seit der Gründung der Serie mehr als fünf Milliarden Dollar investiert, seine bisherige umfangreiche Finanzierung jedoch nach der Saison 2026 zurückgefahren.
Parallel dazu hat LIV Golf eine Restrukturierungsvereinbarung mit BC Partners Credit abgeschlossen. Der neue Geldgeber soll eine zentrale Rolle beim geplanten Neustart der Serie übernehmen.
LIV-Chef Scott O’Neil erklärte, das Verfahren schaffe den notwendigen Rahmen für eine Transaktion und den Beginn eines neuen Kapitels. Ziel sei ein nachhaltigeres Modell, bei dem die Spieler stärker an der Organisation beteiligt werden.
Zukunft der grossen Stars offen
Besonders brisant ist die Situation der prominenten Spieler. Neben Rahm, DeChambeau und Johnson befinden sich weitere Profis unter den grössten Gläubigern der Organisation.
LIV Golf prüft im Rahmen des Insolvenzverfahrens auch seine bestehenden Spielerverträge. Damit ist offen, welche der bisherigen Stars beim geplanten Neustart tatsächlich Teil der Serie bleiben werden.
Die Liga hatte seit ihrem Start 2022 mit aussergewöhnlich hohen Antrittsgeldern und Preisgeldern zahlreiche Spitzenspieler von der PGA Tour abgeworben. Dadurch entstand eine jahrelange Spaltung im internationalen Profigolf.
Auch sportlich wurde viel Geld eingesetzt. Die Konkurrenz zwischen PGA Tour und LIV prägte die vergangenen Jahre ebenso wie die Diskussion über Weltranglistenpunkte, Startberechtigungen bei Majors und die Zukunft des professionellen Golfs.
Erst vor wenigen Tagen hatte Scottie Scheffler mit dem Gewinn des FedExCup die PGA-Tour-Saison abgeschlossen. Während dort sportliche Rekorde im Mittelpunkt standen, befindet sich der grosse Konkurrent nun in einer finanziellen Neuordnung.
LIV Golf will 2027 weitermachen
Die Verantwortlichen streben an, das Insolvenzverfahren bis Anfang 2027 abzuschliessen. LIV Golf soll danach in einer verkleinerten und finanziell deutlich nachhaltiger aufgestellten Form weitergeführt werden.
Geplant ist ein stärker auf die Spieler ausgerichtetes Eigentumsmodell. Wie der Turnierkalender 2027 aussehen wird und welche Topstars weiterhin antreten, ist derzeit allerdings noch offen.
Damit steht LIV Golf vor der grössten Zäsur seit der Gründung. Aus der milliardenschweren Angriffstour gegen die PGA Tour soll nun eine wirtschaftlich tragfähigere Organisation entstehen – unter deutlich anderen finanziellen Voraussetzungen als in den ersten Jahren.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert