Saisonvorschau 6/14: Ajoie wagt den grossen Neustart

Beim HC Ajoie ist vor der Saison 2026/27 kaum etwas beim Alten geblieben. Nach dem fünften letzten Platz in fünf National-League-Spielzeiten haben die Jurassier Trainerstab, Hierarchie und Kader tiefgreifend umgebaut und vor allem auf den Importpositionen deutlich mehr Qualität verpflichtet. Trotzdem bleibt die Ausgangslage schwierig: In unserer Prognose startet Ajoie auf Rang 14.

Die Zahlen der vergangenen Saison erklären, warum der Klub derart konsequent reagierte. Ajoie holte in 52 Qualifikationsspielen nur 42 Punkte, erzielte lediglich 105 Tore und kassierte 180 Gegentreffer. Danach ging auch die Playout-Serie gegen Ambri mit 0:4 verloren. Der Klub selbst machte im Sommer deutlich, dass nach fünf letzten Plätzen in fünf Jahren Veränderungen auf mehreren Ebenen notwendig waren.

Die ersten Signale unter dem neuen Headcoach Ville Peltonen sind allerdings ermutigend. Ajoie gewann vier seiner sechs Vorbereitungsspiele, darunter gegen Bremerhaven, Basel und Schwenningen. In der Generalprobe gegen die Schwenninger Wild Wings standen alle sechs vorgesehenen Importspieler im Aufgebot. Der Kader wirkt stärker, offensiv variabler und konkurrenzfähiger als noch vor einem Jahr – muss diese Fortschritte nun aber erstmals über eine komplette National-League-Saison bestätigen.

Peltonen soll Ajoie eine neue Identität geben

Der wichtigste Neuzugang steht hinter der Bande. Ville Peltonen unterschrieb für zwei Spielzeiten und soll die sportliche Entwicklung grundlegend verändern. Der Finne kennt die National League bereits aus seiner Zeit bei Lausanne und Genève-Servette.

Unterstützt wird er von Petteri Nummelin und Samuel Tilkanen. Für den neuen Trainerstab besteht die erste Aufgabe darin, aus einer Mannschaft mit jahrelang hoher Gegentorzahl ein strukturierteres und schwieriger zu bespielendes National-League-Team zu formen.

180 Gegentore und eine Tordifferenz von minus 75 aus der vergangenen Qualifikation lassen keinen Zweifel daran, wo der grösste Hebel liegt. Ajoie muss defensiv deutlich stabiler werden, wenn der Anschluss an die Konkurrenz gelingen soll.

Sechs Imports mit deutlich mehr Qualität

Besonders stark verändert wurde die ausländische Achse. Anttoni Honka, Julius Nättinen und Jerry Turkulainen gehören weiterhin zu den zentralen Leistungsträgern. Neu dazugekommen sind Julius Honka, Kristian Tanus und Daniel Carr.

Tanus wechselte von Tappara Tampere in den Jura und bringt grosse offensive Qualitäten mit. Daniel Carr kennt die National League bestens. Der Kanadier spielte fünf Saisons für den HC Lugano und bringt zusätzlich Erfahrung aus NHL und AHL mit.

Julius Honka verstärkt die Verteidigung und spielt nun gemeinsam mit seinem Bruder Anttoni in Porrentruy. In der Generalprobe gegen Schwenningen standen Anttoni Honka, Julius Honka, Nättinen, Turkulainen, Tanus und Carr allesamt im Aufgebot.

Damit besitzt Peltonen auf den Importpositionen deutlich mehr Qualität und verschiedene Spielertypen.

Devos schafft zusätzlichen Spielraum

Ein wichtiger Faktor für die Kaderplanung ist Philip-Michaël Devos. Der langjährige Ajoie-Leistungsträger besitzt inzwischen die Schweizer Staatsbürgerschaft und belegt damit keinen Importplatz mehr.

Das verschafft dem Klub deutlich mehr Möglichkeiten. Devos bringt weiterhin Spielintelligenz und enorme Erfahrung mit, während sechs andere ausländische Spieler gleichzeitig eingesetzt werden können.

Auch bei den Schweizer Spielern wurde nachgerüstet. Deniss Smirnovs kam mit Schweizer Lizenz, Jeremi Gerber wechselte von Fribourg-Gottéron in den Jura und Jesse Zgraggen kehrte aus Ambri zurück.

Mit Matthew Kellenberger, Stefano Bottini und mehreren jüngeren Spielern wurde die Tiefe ebenfalls vergrössert.

Honka übernimmt die Verantwortung

Auch die Hierarchie wurde verändert. Anttoni Honka ist neuer Captain des HC Ajoie. Jeremy Wick und Jeremi Gerber unterstützen ihn als Assistenten.

Die Wahl des Finnen ist nachvollziehbar. Honka war bereits in der vergangenen Saison einer der wichtigsten und produktivsten Spieler im Kader und soll nun auch innerhalb der Mannschaft noch mehr Verantwortung übernehmen.

Zum erweiterten Führungskreis gehören weitere erfahrene Spieler. Damit versucht Peltonen, eine neue Struktur innerhalb der Kabine aufzubauen.

Die Torhüterposition bleibt ein Fragezeichen

Während die Qualität bei den Feldspielern gestiegen ist, bleibt die Torhüterposition einer der entscheidenden Unsicherheitsfaktoren.

Antoine Keller und Noah Patenaude erhielten während der Vorbereitung beide Einsätze. Hinzu kommt der erfahrene Tim Wolf, der nach seiner Zeit beim EV Zug nach Porrentruy zurückkehrte.

Peltonen besitzt damit mehrere Möglichkeiten, aber noch keinen Torhüter, der sich über eine komplette National-League-Saison als klare überdurchschnittliche Nummer 1 etabliert hat.

Gerade nach 180 Gegentoren in der Vorsaison wird entscheidend sein, dass nicht nur die Goalies, sondern die komplette Mannschaft defensiv einen grossen Schritt macht.

Vier Siege in sechs Tests machen Hoffnung

Die Vorbereitung war deutlich positiver als vieles, was Ajoie in den vergangenen Jahren gezeigt hatte.

Zum Auftakt verlor die Mannschaft gegen Biel erst nach Penaltyschiessen. Danach folgten Siege gegen Rouen und Bremerhaven. Bei Genève-Servette setzte es lediglich eine knappe 0:1-Niederlage.

Anschliessend gewann Ajoie in Basel mit 3:2 nach Verlängerung und schloss die Vorbereitung mit einem 4:3 nach Verlängerung gegen Schwenningen ab.

Gerade die Generalprobe zeigte Moral. Ajoie geriet früh mit zwei Toren in Rückstand, kämpfte sich aber zurück und entschied die Partie schliesslich in der Verlängerung.

Warum wir Ajoie auf Rang 14 setzen

Ajoie ist stärker als vor einem Jahr. Peltonen bringt neue Ideen, die Importachse besitzt deutlich mehr Qualität und auch bei den Schweizern wurde nachgebessert.

Die Ausgangsbasis bleibt jedoch die schwierigste der Liga. Fünf letzte Plätze in Serie, lediglich 105 Tore und 180 Gegentreffer lassen sich nicht allein mit einem gelungenen Transfersommer korrigieren.

Dazu bleiben die Torhüterfrage und die Breite des Schweizer Kerns im Vergleich mit den meisten Konkurrenten Schwachpunkte.

Rang 14 bedeutet deshalb nicht, dass wir Ajoie erneut eine hoffnungslose Saison zutrauen. Der Abstand zu den Teams unmittelbar davor könnte erheblich kleiner werden. Funktionieren Carr, Tanus und die Honka-Brüder wie erhofft und gelingt Peltonen eine deutliche defensive Verbesserung, kann Ajoie unsere Prognose durchaus übertreffen.

Zum Saisonstart wartet am 15. September ausgerechnet der HC Ambri-Piotta, den wir in unserer Saisonprognose auf Rang 10 setzen.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 14

  • Pluspunkt: Ville Peltonen bringt einen klaren Neustart und eine neue sportliche Struktur.
  • Chance: Carr, Tanus, die Honka-Brüder, Nättinen und Turkulainen bilden eine deutlich stärkere Importachse.
  • Fortschritt: Vier Siege aus sechs Vorbereitungsspielen zeigen, dass Ajoie konkurrenzfähiger auftreten kann.
  • Risiko: Die Torhüterhierarchie ist nicht eindeutig und nach 180 Gegentoren muss die Defensive einen gewaltigen Schritt machen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert