Saisonvorschau 8/14: Zug greift unter Marjamäki wieder an

Der EV Zug will nach zwei enttäuschenden Jahren wieder dorthin, wo sich der Klub selbst sieht: in die Spitzengruppe der National League. Mit Lauri Marjamäki steht ein neuer Trainer an der Bande, der Kader wurde gezielt verstärkt und sechs Siege aus sieben Testspielen machen Hoffnung. Für uns reicht es noch nicht ganz zur absoluten Spitze – unsere Prognose lautet Rang 5.

Die vergangene Saison verlief für die hohen Zuger Ansprüche erneut unbefriedigend. Der EVZ beendete die Qualifikation nur auf Rang 8, musste über die Play-Ins und setzte sich dort gegen die Rapperswil-Jona Lakers durch. Im Viertelfinal war anschliessend gegen Qualifikationssieger Davos Schluss. Zug hielt in mehreren Partien gut mit, verlor die Serie aber mit 1:4 und schied damit zum zweiten Mal in Folge im Viertelfinal gegen den HCD aus.

Im Sommer wurde erneut kräftig umgebaut. Lauri Marjamäki übernahm als Headcoach, Jacob Moverare bringt 111 NHL-Spiele in die Verteidigung und Vinzenz Rohrer kehrte auf Leihbasis aus der Organisation der Montréal Canadiens in die Schweiz zurück. Dazu kamen unter anderem Chris Egli, Rico Gredig, Samuel Guerra und Eric Schneller. Die Vorbereitung verlief mit sechs Siegen aus sieben Spielen überzeugend – allerdings beginnt die Meisterschaft für Zug wegen der Bauarbeiten an der OYM hall mit acht Auswärtsspielen in Serie.

Marjamäki soll Zug wieder nach oben führen

Die wichtigste Veränderung findet hinter der Bande statt. Lauri Marjamäki wechselte vom EHC Kloten nach Zug und unterschrieb bis zum Ende der Saison 2027/28. Der 49-jährige Finne kennt nicht nur die National League, sondern bringt auch internationale Erfahrung mit. Zwischen 2016 und 2018 trainierte er die finnische Nationalmannschaft, mit Kärpät gewann er zweimal die finnische Meisterschaft.

In Kloten zeigte Marjamäki bereits, dass er einer Mannschaft klare Strukturen vermitteln kann. Nun sind die Erwartungen deutlich höher. Der EVZ befindet sich nach den schwierigen vergangenen Spielzeiten weiterhin in einem Erneuerungsprozess, verfügt aber gleichzeitig über genügend Qualität, um nicht mehrere Jahre auf die Rückkehr an die Spitze warten zu müssen.

Die Hierarchie ist klar geregelt. Jan Kovar führt die Mannschaft als Captain an, Sven Senteler und Raphael Diaz sind seine Assistenten. Gregory Hofmann und Vinzenz Rohrer gehören ebenfalls zum erweiterten Führungskreis.

Genoni bleibt der grosse Fixpunkt

Im Tor besitzt Zug weiterhin einen der stärksten Schweizer Trumpfkarten überhaupt. Leonardo Genoni geht als klare Nummer 1 in die Saison und hat seinen ursprünglich bis 2027 laufenden Vertrag bereits vorzeitig verlängert. Der Ausnahmegoalie bleibt dem EV Zug bis 2030 erhalten.

Genoni steht vor einem weiteren historischen Meilenstein. Vor Saisonbeginn weist er 988 Einsätze in der National League auf und benötigt damit nur noch zwölf Partien für die Marke von 1000 Spielen. Noch nie hat ein Torhüter diese Grenze in der höchsten Schweizer Liga erreicht.

Hinter Genoni übernimmt Neuzugang Mathieu Croce die zweite Position. Der 24-Jährige kam vom HC Thurgau und überzeugte bereits beim ersten Test in Rapperswil, als er beim deutlichen 8:1-Erfolg über die gesamte Spielzeit im Zuger Tor stand.

Moverare gibt der Defensive zusätzliche Substanz

Mit Jacob Moverare hat der EVZ einen interessanten neuen Verteidiger verpflichtet. Der 1,91 Meter grosse Schwede kommt aus der Organisation der Los Angeles Kings und bringt die Erfahrung aus 111 NHL-Partien mit. Sein Vertrag läuft bis 2028.

Neben Moverare stehen mit Lukas Bengtsson und David Sklenička zwei weitere hochklassige ausländische Verteidiger zur Verfügung. Hinzu kommen Raphael Diaz, Tobias Geisser, Livio Stadler, Elia Riva, Samuel Guerra, Eric Schneller und Nic Balestra.

Damit besitzt Marjamäki verschiedene Möglichkeiten, seine Defensive zusammenzustellen. Nach den Schwankungen der vergangenen Saison dürfte gerade die Stabilität ohne Scheibe ein zentraler Punkt sein. Moverare soll dabei mit seiner Physis und Erfahrung helfen.

Rohrer erhält eine zentrale Rolle

Besonders spannend ist die Rückkehr von Vinzenz Rohrer. Der 21-jährige Österreicher mit Schweizer Lizenz steht weiterhin bei den Montréal Canadiens unter Vertrag, spielt 2026/27 aber leihweise für Zug. Montréal besitzt die Möglichkeit, ihn während der Saison wieder nach Nordamerika zu holen.

Marjamäki plant Rohrer als Center. Bereits beim 8:1 im ersten Test gegen Rapperswil spielte er auf dieser Position und traf selbst. Für den EVZ ist seine Schweizer Lizenz besonders wertvoll, weil er keinen Importplatz beansprucht.

Auch die restliche Offensive besitzt viel Qualität. Dominik Kubalík, Tomáš Tatar, Jan Kovar, Gregory Hofmann und Andreas Wingerli können Spiele auf hohem Niveau entscheiden. Sven Senteler, Lino Martschini und Colin Lindemann sorgen für zusätzliche Tiefe, während Chris Egli und Rico Gredig neu aus Davos kamen.

Ein Fragezeichen bleibt Mike Künzle. Der Stürmer kämpft seit dem Sommer mit einer Unterkörperverletzung und wurde vom Klub mindestens bis Ende September als nicht einsatzfähig gemeldet. Auch die Vorbereitung musste er deshalb verpassen.

Sechs Siege aus sieben Testspielen

Die ersten Resultate unter Marjamäki sind bemerkenswert. Zug eröffnete die Vorbereitung mit einem 8:1 bei den Rapperswil-Jona Lakers. Danach wurde der deutsche Meister Eisbären Berlin mit 2:0 bezwungen. Die einzige Niederlage folgte im Final des Dolomitencups beim 2:3 gegen den tschechischen Spitzenklub Kometa Brno.

Anschliessend gewann der EVZ 3:0 gegen Motor České Budějovice, 4:1 gegen die Nürnberg Ice Tigers und 4:3 nach Verlängerung beim ERC Ingolstadt. Die Generalprobe bei den SCL Tigers ging ebenfalls mit 3:2 an Zug.

Sechs Siege aus sieben Spielen und nur eine Niederlage mit einem Tor Unterschied sind ein starkes Signal. Testspiele bleiben Testspiele, doch gerade nach den Problemen der vergangenen Saison dürfte das neu gewonnene Selbstvertrauen wertvoll sein.

Die ersten acht Spiele werden zur Belastungsprobe

Eine Besonderheit könnte die Tabelle zu Saisonbeginn erheblich beeinflussen. Wegen der Erweiterung der OYM hall absolviert Zug seine ersten acht Meisterschaftsspiele allesamt auswärts.

Die Reise beginnt am Dienstag, 15. September, in Lausanne. Danach folgen Davos, Lugano, Langnau, Rapperswil, Genève-Servette, Kloten und Ajoie. Erst am 23. Oktober darf der EVZ erstmals zuhause antreten – wiederum gegen Lausanne.

Damit bekommt Marjamäkis Mannschaft gleich zum Start einen aussergewöhnlichen Belastungstest. Acht Auswärtspartien in Folge können zusammenschweissen, bergen aber auch die Gefahr, früh einem Rückstand in der Tabelle hinterherlaufen zu müssen.

Warum wir Zug auf Rang 5 setzen

Auf dem Papier besitzt der EVZ genügend Qualität für die direkte Playoff-Qualifikation. Genoni ist weiterhin ein Ausnahmegoalie, Moverare wertet die Defensive auf und die Offensive verfügt mit Kubalík, Tatar, Kovar, Hofmann und Rohrer über aussergewöhnlich viel individuelle Klasse.

Auch die Vorbereitung spricht dafür, dass Marjamäki schnell eine funktionierende Struktur gefunden hat. Gleichzeitig wäre es nach zwei schwierigen Spielzeiten zu früh, Zug sofort wieder als klaren Meisterfavoriten einzustufen. Einige Rollen wurden neu verteilt, wichtige Spieler müssen nach Verletzungen wieder vollständig zurückkommen und die ersten acht Auswärtsspiele sind eine ungewöhnliche Hypothek.

Deshalb setzen wir den EVZ auf Rang 5. Das wäre die direkte Rückkehr in die Playoffs ohne Umweg über die Play-Ins. Funktioniert Marjamäkis System so gut wie während der Vorbereitung und bleibt Genoni gesund, besitzt Zug allerdings genügend Qualität, um auch unsere Prognose zu übertreffen.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 5

  • Pluspunkt: Leonardo Genoni bleibt einer der stärksten Schweizer Torhüter und gibt dem neu formierten Team enorme Sicherheit.
  • Trumpf: Sechs Siege aus sieben Vorbereitungsspielen zeigen, dass Marjamäkis System bereits erstaunlich gut funktioniert.
  • Chance: Moverare, Rohrer, Egli, Gredig und Schneller erhöhen Qualität und Tiefe auf mehreren Positionen.
  • Risiko: Zug startet wegen der Bauarbeiten an der OYM hall mit acht Auswärtsspielen in Serie; zudem fällt Mike Künzle mindestens bis Ende September aus.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert