Reusser greift im WM-Strassenrennen nach der dritten Medaille

Marlen Reusser erhält am Samstag in Montréal die nächste Chance auf eine WM-Medaille. Nach Gold im Einzelzeitfahren und Bronze mit der Schweizer Mixed-Staffel startet die 35-Jährige im Strassenrennen der Elite-Frauen erneut mit grossen Ambitionen. Auf 180,4 Kilometern und 2570 Höhenmetern wartet allerdings ein deutlich anderes Rennen als gegen die Uhr.

Der Start erfolgt um 9.00 Uhr Ortszeit in Brossard, also um 15.00 Uhr Schweizer Zeit. Nach einem längeren Anlauf in der Montérégie geht es auf den anspruchsvollen Schlusskurs rund um den Mont Royal. Dort stehen acht Runden mit mehreren kurzen, steilen Anstiegen an – unter anderem Passagen mit mehr als elf Prozent Steigung.

Für die Schweiz ist Reusser die zentrale Hoffnung, sie erhält aber Unterstützung von Noemi Rüegg, Linda Zanetti, Jasmin Liechti, Ginia Caluori und Steffi Häberlin. Reusser hatte am vergangenen Sonntag ihren WM-Titel im Einzelzeitfahren erfolgreich verteidigt und zwei Tage später mit dem Schweizer Mixed-Team Bronze gewonnen.

Ein Kurs für Attacken und Selektion

Das Profil des Frauenrennens ist anspruchsvoll genug, um das Feld mehrfach auseinanderzureissen. Insgesamt warten 2570 Höhenmeter, wobei der entscheidende Teil des Rennens auf dem Rundkurs in Montréal stattfinden dürfte.

Zu den Schlüsselstellen gehören die Voie Camillien-Houde, der Chemin de la Polytechnique mit Abschnitten von über elf Prozent sowie das ansteigende Finale auf der Avenue du Parc.

Gerade diese Kombination aus wiederholten Anstiegen und technisch anspruchsvollen Passagen dürfte dafür sorgen, dass ein klassischer Massensprint eher unwahrscheinlich ist. Für Reusser ist das grundsätzlich interessant: Sie besitzt die Kraft für längere Attacken und hat in Montréal bereits gezeigt, dass ihr die Kombination aus Tempo und anspruchsvollem Terrain liegt.

Reusser kommt mit maximalem Selbstvertrauen

Die Form der Bernerin ist kaum zu übersehen.

Im Einzelzeitfahren gewann sie über 39,2 Kilometer in 50:24,44 Minuten. Zoe Bäckstedt verlor als Zweite 40,11 Sekunden, Franziska Koch als Dritte 45,54 Sekunden.

Nur zwei Tage später stand Reusser erneut auf dem Podest. Gemeinsam mit Stefan Küng, Stefan Bissegger, Mauro Schmid, Noemi Rüegg und Jasmin Liechti gewann sie im Mixed-Teamzeitfahren Bronze.

Damit hat Reusser bereits zwei Medaillen an dieser WM gewonnen. Ein Podestplatz im Strassenrennen würde ihre Titelkämpfe endgültig zu einer aussergewöhnlichen Woche machen.

Starke internationale Konkurrenz

Das Feld ist hochklassig besetzt. Zu den prominentesten Namen gehören Demi Vollering, Lotte Kopecky, Elisa Longo Borghini, Kasia Niewiadoma und Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres.

Auch die Niederländerinnen treten mit einem starken Team an, während Belgien erneut auf Kopecky setzt. Italien bringt unter anderem Longo Borghini und Silvia Persico an den Start.

Damit dürfte es taktisch ein sehr offenes Rennen geben. Mehrere Nationen besitzen genügend Tiefe, um früh Druck aufzubauen und unterschiedliche Rennsituationen zu erzwingen.

Für die Schweiz könnte deshalb entscheidend sein, Reusser möglichst lange in einer guten Position zu halten und gleichzeitig mit Rüegg, Zanetti und den weiteren Fahrerinnen flexibel auf Attacken reagieren zu können.

Rüegg als zweite Schweizer Option

Neben Reusser ist vor allem Noemi Rüegg interessant.

Die 25-Jährige gehört zu den vielseitigsten Schweizer Fahrerinnen und war bereits Teil des Bronze-Teams im Mixed-Zeitfahren. Auf einem welligen und selektiven Kurs kann sie eine wichtige taktische Rolle übernehmen.

Je nach Rennverlauf könnte Rüegg sowohl als Helferin für Reusser als auch für eigene Vorstösse eingesetzt werden.

Linda Zanetti, Jasmin Liechti, Ginia Caluori und Steffi Häberlin komplettieren das Schweizer Aufgebot. Gerade auf einem langen WM-Kurs kann die Teamarbeit in den ersten Rennstunden entscheidend sein.

Von Brossard auf den Mont Royal

Das Rennen beginnt südlich von Montréal im Quartier DIX30 in Brossard. Von dort führt zunächst eine 72,7 Kilometer lange Passage durch die Region, bevor das Feld den Schlusskurs in Montréal erreicht.

Anschliessend stehen acht Runden rund um den Mont Royal an. Das Ziel befindet sich im Parc Jeanne-Mance.

Die Organisatoren rechnen mit einer Fahrzeit von etwas mehr als fünf Stunden. Wer um den WM-Titel fahren will, muss also nicht nur die steilen Passagen überstehen, sondern auch mit der Renndauer und der zunehmenden Ermüdung umgehen können.

🚴 DAS FRAUEN-WM-RENNEN IM ÜBERBLICK

  • Samstag, 26. September: Start um 9.00 Uhr Ortszeit beziehungsweise 15.00 Uhr Schweizer Zeit.
  • Distanz: 180,4 Kilometer mit insgesamt 2570 Höhenmetern.
  • Schlussphase: acht Runden auf dem anspruchsvollen Mont-Royal-Kurs in Montréal.
  • Schweizer Aufgebot: Marlen Reusser, Noemi Rüegg, Linda Zanetti, Jasmin Liechti, Ginia Caluori und Steffi Häberlin.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert