Lustrinelli hat zwei Wochen für die Wende – Rijeka wird erster Test

Mauro Lustrinelli bekommt nach dem Fehlstart mit Union Berlin nun genau das, was einem neuen Trainer in einer schwierigen Phase oft fehlt: Zeit auf dem Trainingsplatz. Nach nur einem Punkt aus vier Bundesliga-Spielen und bereits 17 Gegentoren bleiben dem Schweizer gut zwei Wochen bis zum nächsten Ligaspiel gegen Elversberg. Schon am Samstag liefert das Testspiel bei HNK Rijeka einen ersten Hinweis darauf, ob die Korrekturen greifen.

Die 0:7-Niederlage bei Bayern München war die höchste Bundesliga-Pleite der Union-Geschichte, ist inzwischen aber abgehakt. Viel wichtiger ist nun, wie Lustrinelli die lange Unterbrechung nutzt. Union steht nach vier Runden mit einem Torverhältnis von 4:17 auf Rang 17 und wartet weiterhin auf den ersten Bundesliga-Sieg unter dem früheren Thun-Trainer.

Der nächste Ernstkampf folgt erst am 10. Oktober zuhause gegen Aufsteiger Elversberg. Bis dahin kann Lustrinelli an der defensiven Organisation, den Abständen zwischen den Mannschaftsteilen und der Balance seines offensiveren Spielansatzes arbeiten. Das Testspiel am Samstagabend in Rijeka kommt deshalb zum richtigen Zeitpunkt.

Rijeka wird zum ersten Gradmesser

Offiziell steht das Spiel in Kroatien im Zeichen von Damir Kreilach. Der frühere Union-Captain wird verabschiedet und soll noch einmal für beide Klubs zum Einsatz kommen.

Für Lustrinelli besitzt die Partie aber auch sportlichen Wert. Der Schweizer kündigte bereits an, dass Union den Test trotz des besonderen Rahmens nutzen wolle, um möglichst vielen Spielern Einsatzzeit zu geben.

Nach der Bayern-Niederlage hatte die Mannschaft zunächst einige freie Tage. Danach begann die eigentliche Arbeitsphase.

Gerade Spieler, die während der Länderspielpause nicht mit ihren Nationalteams unterwegs sind, können nun intensiv an den neuen Abläufen arbeiten.

17 Gegentore zeigen die grösste Baustelle

Die Zahlen machen deutlich, wo Lustrinelli zuerst ansetzen muss.

Union kassierte beim 3:3 gegen Eintracht Frankfurt bereits drei Gegentore. Danach folgten ein 0:4 bei Bayer Leverkusen, ein 1:3 gegen Schalke und das 0:7 in München.

17 Gegentreffer nach vier Bundesliga-Spielen sind der schwächste Defensivstart der Berliner seit Jahrzehnten.

Das Problem ist dabei nicht nur die letzte Reihe. Union verliert bei Ballverlusten immer wieder die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr und bietet Gegnern zu viel Raum für schnelle Angriffe.

Lustrinelli versucht gleichzeitig, die Mannschaft offensiver auszurichten als in früheren Jahren. Genau diese Balance zwischen mehr Eigeninitiative mit Ball und defensiver Stabilität ist bislang noch nicht gefunden.

Lustrinelli will seinen Weg nicht aufgeben

Der 50-Jährige hat nach dem Fehlstart deutlich gemacht, dass er seinen Ansatz nicht grundsätzlich verwerfen will.

Bereits vor dem Bayern-Spiel verglich er die Entwicklung seiner Mannschaft mit einem Kind, das Velofahren lernt: Entscheidend sei, nach Rückschlägen immer wieder aufzustehen.

Über Unions Vertrauen in Mauro Lustrinelli trotz des schwierigen Saisonstarts haben wir bereits berichtet.

Für den Trainer geht es deshalb weniger um einen kompletten Neustart als um Korrekturen innerhalb seiner Spielidee.

Elversberg wird zum wichtigen Prüfstein

Am 10. Oktober endet die ungewöhnlich lange Bundesliga-Pause für Union.

Dann kommt der SV Elversberg an die Alte Försterei. Der Aufsteiger ist deutlich besser in die Saison gestartet und steht nach vier Spielen bei sieben Punkten.

Union besitzt dagegen nur einen Zähler und liegt auf Rang 17.

Damit bekommt die Partie schon früh in der Saison grosse Bedeutung. Nach dem Test in Rijeka bleiben Lustrinelli noch knapp zwei weitere Wochen, um seine Mannschaft auf diesen Auftritt vorzubereiten.

Danach zählt nicht mehr nur die Entwicklung auf dem Trainingsplatz. Gegen Elversberg muss sich zeigen, ob Union defensiv stabiler geworden ist und die neue Spielidee erstmals auch über 90 Bundesliga-Minuten funktioniert.

Auch Aebischer bleibt ein wichtiger Faktor

Aus Schweizer Sicht steht neben Lustrinelli vor allem Michel Aebischer im Fokus.

Der Nationalspieler gehörte in den bisherigen Bundesliga-Partien regelmässig zum zentralen Mittelfeld und stand auch in München in der Startelf.

Gerade im Zentrum wird entscheidend sein, wie Union künftig die Räume besser schliesst und gleichzeitig den Übergang ins Angriffsspiel verbessert.

Lustrinellis Aufgabe in den kommenden Tagen ist damit klar: weniger offene Räume, bessere Absicherung und trotzdem nicht zurück in einen ausschliesslich defensiven Fussball.

⚽ LUSTRINELLIS NÄCHSTE SCHRITTE

  • 26. September: Testspiel bei HNK Rijeka – erster sportlicher Gradmesser nach dem 0:7 in München.
  • Union steht nach vier Bundesliga-Spielen bei einem Punkt und einem Torverhältnis von 4:17.
  • Die lange Pause bietet Zeit für Arbeit an Defensive, Abständen und der neuen offensiveren Spielidee.
  • 10. Oktober: Heimspiel gegen Elversberg – dann muss sich zeigen, ob die Korrekturen Wirkung zeigen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert