Galliani fordert Malagò heraus – Machtkampf um Italiens Fussballverband
von belmedia Redaktion Allgemein Europa Fussball Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Serie A soccer.ch Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Der italienische Fussball steht vor einer richtungsweisenden Präsidentenwahl. Adriano Galliani, langjähriger Geschäftsführer der AC Milan, soll neuer Präsident des italienischen Fussballverbandes FIGC werden. Die Spieler- und Trainervereinigungen haben am Donnerstag, 29. Oktober 2026, seine Kandidatur offiziell unterstützt. Damit kommt es zum Machtkampf mit dem amtierenden Verbandskommissar Giovanni Malagò, hinter dem elf Serie-A-Vereine stehen.
Die italienische Spielergewerkschaft AIC und der Trainerverband AIAC haben gemeinsam die erforderlichen Unterschriften für Gallianis Kandidatur gesammelt. Der 82-Jährige soll mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seinen Erfolgen bei Milan die anstehenden Reformen des italienischen Fussballs vorantreiben. Die Präsidentenwahl findet am 14. Dezember 2026 statt.
Die Auseinandersetzung betrifft auch die Schweizer Nationalspieler in der Serie A. Manuel Akanji steht bei Inter Mailand unter Vertrag, Ardon Jashari bei der AC Milan. Entscheidungen des italienischen Verbandes über Wettbewerbsstrukturen, Nachwuchsförderung und sportliche Rahmenbedingungen beeinflussen auch ihre Vereine. Besonders bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Inter zu den Unterstützern von Galliani gehört, während eine Mehrheit der Serie-A-Klubs Malagò bevorzugt.
Spieler und Trainer stellen sich hinter Galliani
Die Entscheidung der beiden Interessenverbände ist eine bedeutende Entwicklung im Rennen um die Führung des italienischen Fussballs.
AIC-Präsident Umberto Calcagno und AIAC-Präsident Renzo Ulivieri setzen gemeinsam auf Adriano Galliani. Beide Organisationen sehen in seiner Erfahrung und seiner erfolgreichen Vergangenheit eine Grundlage für notwendige Veränderungen.
In ihrer gemeinsamen Mitteilung sprechen sie von einer Gelegenheit, den italienischen Fussball mit einer offenen und fortschrittlichen Verbandsstrategie weiterzuentwickeln.
Bemerkenswert ist der Kurswechsel: Bei der vergangenen Wahl hatten die beiden Vereinigungen noch Giovanni Malagò unterstützt.
Galliani prägte die grosse Ära der AC Milan
Der 82-Jährige gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Funktionären des europäischen Fussballs.
Galliani war von 1986 bis 2017 einer der wichtigsten Verantwortlichen der AC Milan. Gemeinsam mit Klubbesitzer Silvio Berlusconi formte er eine Mannschaft, die den italienischen und internationalen Fussball über Jahre dominierte.
Während seiner Amtszeit gewann Milan unter anderem fünfmal die Champions League beziehungsweise den Europapokal der Landesmeister und acht italienische Meisterschaften.
Später übernahm Galliani wichtige Führungsaufgaben bei Monza und begleitete den Aufstieg des Vereins in die Serie A.
Seine Kandidatur verbindet die Aussicht auf Veränderungen im Verband mit einer Persönlichkeit, die seit Jahrzehnten Teil der italienischen Fussballelite ist.
Inter und Atalanta wollten Galliani
Ursprünglich war Galliani insbesondere von Vertretern von Inter und Atalanta als möglicher Kandidat ins Gespräch gebracht worden.
Innerhalb der Serie A setzte sich jedoch keine gemeinsame Linie durch.
Giovanni Malagò erhielt schliesslich die Unterstützung von elf Vereinen. Dazu gehören unter anderem Napoli, Roma, Bologna, Fiorentina, Genoa, Torino und Como.
Diese Mehrheit reicht aus, um seine Kandidatur über die höchste italienische Spielklasse einzureichen.
Die Situation verdeutlicht die unterschiedlichen Interessen im italienischen Profifussball. Während einige Vereine auf Kontinuität setzen, bevorzugen andere einen personellen Wechsel.
Die kleineren Ligen könnten entscheiden
Die Unterstützung durch elf Erstligisten bedeutet nicht, dass Malagò bereits eine Mehrheit bei der Präsidentenwahl besitzt.
Die FIGC-Wahlversammlung setzt sich aus verschiedenen Fussballorganisationen zusammen.
Die Serie A verfügt über 18 Prozent des Stimmengewichts. Spieler und Trainer kommen gemeinsam auf 30 Prozent.
Besonders bedeutend ist die Lega Nazionale Dilettanti. Die Organisation des Amateurfussballs stellt allein 34 Prozent der Stimmen. Die Serie C bringt weitere zwölf Prozent ein, die Serie B sechs Prozent.
Somit können die drei letztgenannten Organisationen mit ihrem gemeinsamen Stimmenanteil von 52 Prozent den Ausgang der Wahl wesentlich beeinflussen.
Ihre endgültige Haltung zu den beiden Bewerbern ist deshalb von zentraler Bedeutung.
Italiens Fussball braucht strukturelle Antworten
Der Machtkampf fällt in eine Zeit, in der zahlreiche Reformfragen diskutiert werden.
Im Mittelpunkt stehen die Finanzierung der Wettbewerbe, die Förderung italienischer Nachwuchsspieler, das Verhältnis zwischen Profi- und Amateurfussball sowie die wirtschaftliche Stabilität der Vereine.
Galliani bringt vor allem seine Erfahrung aus dem Klubmanagement ein. Malagò verfügt dagegen über langjährige Erfahrung in der Führung italienischer Sportorganisationen und leitet die FIGC bereits als Kommissar.
Welche konkreten Reformen die beiden Kandidaten verfolgen, dürfte in den kommenden Wochen verstärkt diskutiert werden.
Die Schwierigkeiten einzelner Traditionsvereine unterstreichen den Veränderungsdruck. Auch die jüngste Heimniederlage der AC Milan gegen Bologna zeigt, dass grosse Namen und traditionsreiche Strukturen allein keinen sportlichen Erfolg garantieren.
Bis zum 4. November müssen die Kandidaturen formell eingereicht werden. Am 14. Dezember entscheidet die FIGC-Wahlversammlung über die zukünftige Führung des italienischen Fussballs.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert