Gesunde Hautpflege mit Naturkosmetik: Worauf Sie beim Einkauf achten sollten

Grüne Blätter, braune Fläschchen und Begriffe wie „natürlich“, „pflanzenbasiert“ oder „Clean Beauty“ wirken überzeugend. Ob ein Produkt tatsächlich nach anerkannten Naturkosmetikregeln hergestellt wurde, verrät die Verpackungsgestaltung jedoch nicht.

Wer Naturkosmetik zuverlässig erkennen möchte, sollte deshalb an der Vorderseite vorbeischauen. Entscheidend sind ein nachvollziehbares Siegel, die genaue Produktbezeichnung und die Zutatenliste. Dafür braucht es kein Chemiestudium. Einige Grundregeln genügen, um Werbesprache und belastbare Angaben auseinanderzuhalten.

Ist der Begriff „Naturkosmetik“ geschützt?

Für Kosmetika gelten in der Schweiz klare gesetzliche Anforderungen. Die Produkte müssen sicher sein, korrekt gekennzeichnet werden und dürfen nicht mit irreführenden Aussagen beworben werden. Hersteller oder Importeure müssen unter anderem über eine Produktinformationsdatei mit Sicherheitsbericht verfügen. Die Herstellung hat nach der Guten Herstellungspraxis zu erfolgen.

Eine staatlich festgelegte, einheitliche Produktklasse „Naturkosmetik“ mit einem einzigen amtlichen Schweizer Siegel gibt es jedoch nicht. Begriffe wie „natürlich“, „naturnah“, „mit Pflanzenextrakten“ oder „von der Natur inspiriert“ sind daher nicht automatisch mit zertifizierter Naturkosmetik gleichzusetzen.

Ein konventionelles Pflegeprodukt darf durchaus natürliche Bestandteile enthalten und entsprechend darauf hinweisen. Das bedeutet aber noch nicht, dass die gesamte Rezeptur die Anforderungen eines Naturkosmetikstandards erfüllt. Auch eine Kamillenblüte auf der Verpackung ist zunächst nur Gestaltung.

Ein anerkanntes Siegel bietet die beste Orientierung

Wer beim Einkauf nicht jede einzelne Zutat prüfen möchte, findet in anerkannten Zertifizierungen die verlässlichste Orientierung. In der Schweiz häufig anzutreffen sind insbesondere NATRUE sowie COSMOS. Bei COSMOS stehen Bezeichnungen wie „COSMOS NATURAL“ und „COSMOS ORGANIC“ zusammen mit dem Zeichen einer zugelassenen Zertifizierungsstelle auf der Verpackung.

Solche Standards legen beispielsweise fest, welche natürlichen, naturnah verarbeiteten oder naturidentischen Stoffe eingesetzt werden dürfen. Auch die Verarbeitung, bestimmte Verpackungsfragen und der Anteil biologisch erzeugter Rohstoffe können geregelt sein. Unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollieren, ob das Produkt die jeweiligen Vorgaben erfüllt.

Wichtig ist der Zusatz zum Siegel: „Natural“ und „Organic“ beziehungsweise „Bio“ sind nicht dasselbe. Ein Naturkosmetikprodukt muss nicht automatisch einen hohen Bio-Anteil besitzen. Bei zertifizierter Biokosmetik gelten zusätzliche Anforderungen an die Herkunft bestimmter landwirtschaftlicher Rohstoffe.


Der entscheidende Vergleich findet häufig auf der Rückseite statt: Die Zutatenliste zeigt, welche Stoffe den grössten Anteil der Rezeptur ausmachen. Inhaltsstoffe unter einem Prozent dürfen allerdings in veränderter Reihenfolge erscheinen, weshalb sich die genaue Konzentration nicht allein vom Etikett ablesen lässt.

Eine gute Gegenprobe ist die Produktdatenbank des jeweiligen Standards. Seriöse Zertifizierer veröffentlichen ihre Kriterien und führen überprüfbare Listen zertifizierter Produkte oder Marken. Ein selbst entworfenes Blatt, ein grüner Kreis oder ein Fantasielogo ohne nachvollziehbaren Standard bietet diese Sicherheit nicht.

Die INCI-Liste lesen, ohne sich darin zu verlieren

Die Zutatenliste wird meist mit „Ingredients“ überschrieben. Die verwendeten Stoffe erscheinen dort unter international vereinheitlichten Bezeichnungen, häufig INCI-Namen genannt. Dadurch soll ein Inhaltsstoff unabhängig von der Verkaufssprache eindeutig erkennbar bleiben.

Die Reihenfolge liefert einen ersten Hinweis auf die Mengenverhältnisse. Inhaltsstoffe werden grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Herstellung aufgeführt. Bestandteile mit einem Anteil von höchstens einem Prozent dürfen anschliessend in beliebiger Reihenfolge erscheinen. Ganz genaue Konzentrationen lassen sich aus der Liste deshalb nicht ablesen.

Typische Bezeichnungen sind beispielsweise:

  • Aqua: Wasser, bei vielen Cremes und Lotionen der mengenmässig grösste Bestandteil.
  • Helianthus Annuus Seed Oil: Sonnenblumenöl.
  • Butyrospermum Parkii Butter: Sheabutter.
  • Glycerin: ein feuchtigkeitsbindender Stoff, der pflanzlichen, tierischen oder synthetischen Ursprungs sein kann.
  • Alcohol: Alkohol, der je nach Konzentration und Rezeptur unterschiedliche Aufgaben übernimmt.
  • Parfum beziehungsweise Aroma: eine Duft- oder Aromamischung.
  • CI plus Zahl: ein Farbstoff.

Ein langer oder technisch klingender Name ist kein Beweis für einen synthetischen Ursprung. Auch pflanzliche Öle, Wachse und Extrakte tragen standardisierte lateinische oder chemisch wirkende Bezeichnungen. Umgekehrt macht ein verständlicher Pflanzenname die gesamte Rezeptur noch nicht zu Naturkosmetik.

Wer einen bestimmten Stoff genauer prüfen möchte, kann seine Funktion in der europäischen CosIng-Datenbank nachschlagen. Diese Datenbank erklärt beispielsweise, ob ein Stoff als Feuchthaltemittel, Duftstoff, Konservierungsmittel, Tensid oder Farbstoff verwendet wird. Sie bewertet allerdings nicht automatisch, ob das fertige Produkt für die eigene Haut geeignet ist.

Prozentangaben genau hinterfragen

Angaben wie „98 Prozent natürlichen Ursprungs“ können hilfreich sein, müssen aber richtig eingeordnet werden. Zunächst sollte erkennbar sein, nach welcher Berechnungsmethode der Anteil bestimmt wurde. Wasser macht bei vielen Produkten einen grossen Teil der Rezeptur aus und kann Prozentwerte entsprechend beeinflussen.

Ebenso wichtig ist die Frage, ob sich eine Bio-Angabe auf das gesamte Produkt oder nur auf einen hervorgehobenen Bestandteil bezieht. „Mit Bio-Aloe-vera“ kann lediglich bedeuten, dass die verwendete Aloe vera aus biologischem Anbau stammt. Über die übrige Rezeptur sagt die Formulierung allein nichts aus.

Bei zertifizierter Biokosmetik werden die vorgeschriebenen Anteile nach den Regeln des jeweiligen Standards berechnet und auf dem Produkt ausgewiesen. Das ist aussagekräftiger als eine grosse Prozentzahl ohne Erklärung.

Natürlich bedeutet nicht automatisch hautverträglich

Pflanzliche Inhaltsstoffe können hervorragend pflegen. Sie sind aber nicht grundsätzlich milder oder allergenfrei. Ätherische Öle und natürliche Duftstoffe enthalten teilweise Substanzen, die empfindliche Haut reizen oder Kontaktallergien auslösen können.

Dazu gehören je nach Zusammensetzung etwa Limonene, Linalool, Citral oder Geraniol. Solche Duftstoffbestandteile müssen ab den gesetzlich festgelegten Konzentrationen zusätzlich in der Zutatenliste genannt werden. Sie können sowohl in natürlichen ätherischen Ölen als auch in anderen Duftkompositionen vorkommen.

Bei empfindlicher, zu Ekzemen neigender oder bereits allergischer Haut ist daher nicht das schönste Pflanzensortiment entscheidend. Häufig ist eine kurze, übersichtliche und möglichst parfumfreie Rezeptur die bessere Wahl. Weitere Informationen zu möglichen Reaktionen bietet der Ratgeber zur Kosmetikallergie.


Eine naturverbundene Gestaltung kann zu einem zertifizierten Produkt passen, ist aber kein Beweis für Naturkosmetik. Aussagekräftiger sind ein anerkanntes Siegel, die genaue Zertifizierungsstufe und öffentlich einsehbare Kriterien des jeweiligen Standards.

Ein neues Produkt lässt sich zunächst an einer kleinen, unauffälligen Hautstelle ausprobieren. Diese vorsichtige Eigenprobe ersetzt allerdings keinen medizinischen Allergietest. Treten wiederholt Rötungen, Schwellungen, Bläschen oder starker Juckreiz auf, sollte das Produkt abgesetzt und die Ursache dermatologisch abgeklärt werden.

„Vegan“, „tierversuchsfrei“ und „Naturkosmetik“ nicht verwechseln

Mehrere Begriffe auf Kosmetikverpackungen werden häufig miteinander vermischt:

  • Vegan bedeutet, dass keine Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs enthalten sein sollen. Das sagt nichts darüber aus, ob die übrigen Stoffe natürlich oder synthetisch sind.
  • Naturkosmetik kann je nach Zertifizierungsstandard tierische Bestandteile wie Bienenwachs, Honig oder Lanolin zulassen.
  • Bio bezieht sich auf die kontrolliert biologische Erzeugung landwirtschaftlicher Rohstoffe. Es bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Bestandteile des Produktes biologisch sind.
  • Tierversuchsfrei betrifft Tierversuche und ist keine Aussage über Natürlichkeit, Hautverträglichkeit oder Umweltwirkung.
  • Clean Beauty ist kein einheitlich definierter Zertifizierungsstandard. Marken und Händler können den Begriff unterschiedlich verwenden.

Ein Produkt kann somit vegan sein, ohne Naturkosmetik zu sein. Es kann zertifizierte Naturkosmetik sein, ohne vegan zu sein. Wer mehrere Kriterien gleichzeitig wichtig findet, muss jedes davon getrennt prüfen.

„Frei von“ ist noch kein Qualitätsbeweis

Hinweise wie „ohne Silikone“, „ohne Parabene“ oder „ohne Mineralöl“ lenken die Aufmerksamkeit auf einzelne Stoffgruppen. Sie sagen jedoch wenig darüber aus, wie gut die gesamte Rezeptur formuliert ist. Ein weggelassener Inhaltsstoff muss zudem durch eine Alternative ersetzt werden, die nicht automatisch besser zur eigenen Haut passt.

Die Sicherheit eines Kosmetikproduktes wird anhand des gesamten Produktes und seiner vorgesehenen Anwendung beurteilt. Erlaubte kosmetische Inhaltsstoffe sind nicht allein deshalb problematisch, weil sie synthetisch hergestellt wurden. Ebenso wenig ist ein natürlicher Stoff allein wegen seiner Herkunft ungefährlich.

Sinnvoller ist es, von den eigenen Bedürfnissen auszugehen: Braucht die Haut mehr Fett, Feuchtigkeit, eine milde Reinigung oder einen zuverlässigen Lichtschutz? Eine übersichtliche Hautpflegeroutine mit passenden Wirkstoffen ist meist hilfreicher als der Einkauf nach möglichst langen Ausschlusslisten.

Wie nachhaltig ist die Verpackung?

Auch eine zertifizierte Rezeptur macht ein Produkt nicht in jeder Hinsicht automatisch umweltfreundlich. Verpackungsmenge, Transportwege, Nachfüllsysteme und die tatsächliche Recyclingfähigkeit müssen gesondert betrachtet werden.

Glas wirkt hochwertig und natürlich, ist aber schwerer als Kunststoff und beim Transport entsprechend aufwendiger. Kunststoff kann leicht und materialsparend sein, lässt sich aber nicht in jeder Ausführung gleich gut wiederverwerten. Pauschale Urteile greifen daher zu kurz.

Praktische Anhaltspunkte sind eine sparsame Verpackung, gut trennbare Materialien, Nachfüllangebote und verständliche Entsorgungshinweise. Eine aufwendige Schachtel um einen kleinen Tiegel wird nicht nachhaltiger, nur weil sie beige bedruckt ist.


Auch natürliche Pflanzenextrakte und ätherische Öle können empfindliche Haut reizen. Ein neues Pflegeprodukt sollte zunächst zurückhaltend verwendet werden. Wiederkehrende oder starke Hautreaktionen gehören dermatologisch abgeklärt.

Die Einkaufskontrolle in acht Punkten

Mit dieser kurzen Prüfung lässt sich ein Produkt im Geschäft rasch einordnen:

  1. Steht ein anerkanntes Naturkosmetiksiegel auf der Verpackung?
  2. Ist der genaue Standard genannt, beispielsweise „NATURAL“ oder „ORGANIC“?
  3. Lässt sich das Siegel beim Zertifizierer überprüfen?
  4. Bezieht sich eine Bio-Aussage auf das ganze Produkt oder nur auf eine Zutat?
  5. Welche Inhaltsstoffe stehen am Anfang der Zutatenliste?
  6. Enthält das Produkt Duftstoffe oder ätherische Öle, die für empfindliche Haut ungeeignet sein könnten?
  7. Passt die Formulierung zum eigenen Hauttyp und zum gewünschten Zweck?
  8. Ist die Verpackung sinnvoll oder dient sie vor allem der grünen Inszenierung?

Wer nur eine Sache im Kopf behalten möchte, kann sich an diese Regel halten: Die Vorderseite verkauft das Produkt, die Rückseite erklärt es.

Video-Tipp: Naturkosmetik oder herkömmliche Kosmetik?

Die Chemikerin und Verbraucherexpertin Dr. Kerstin Effers erläutert, wie sich Naturkosmetik und konventionelle Kosmetik unterscheiden und weshalb natürliche Inhaltsstoffe differenziert betrachtet werden sollten.



Fazit

Echte Naturkosmetik lässt sich nicht an Blättern, Erdfarben oder wohlklingenden Werbewörtern erkennen. Die verlässlichsten Hinweise liefern ein überprüfbares Zertifizierungssiegel, die genaue Stufe des Standards und eine vollständig deklarierte Zutatenliste.

Dabei bleibt die individuelle Verträglichkeit entscheidend. Natürlich ist nicht automatisch reizfrei, vegan nicht automatisch natürlich und eine Bio-Zutat noch kein Beweis für eine vollständig biologische Rezeptur. Wer Siegel, INCI-Liste und eigene Hautbedürfnisse gemeinsam betrachtet, kann wesentlich gezielter auswählen und bezahlt seltener nur für eine überzeugend grüne Verpackung.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Alive Color Stock/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Alive Color Stock/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © PattPaulStudio/Shutterstock.com; Bild 4: Symbolbild © Alive Color Stock/Shutterstock.com