Elektroautos im Winter: Warum sie auch bei Schnee alltagstauglich sind
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Auto Berge Draussen Elektromobilität Magazine Mobilität motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Verkehr Ⳇ Verbreitung
Elektroautos können auch bei Frost und Schnee zuverlässig unterwegs sein. Batterieheizung, Vorwärmfunktionen und eine schnell reagierende Antriebsregelung helfen dabei, winterliche Bedingungen zu bewältigen. Wintertauglich bedeutet allerdings weder unveränderte Reichweite noch unbegrenzten Halt auf glatten Strassen.
Entscheidend ist, wie das jeweilige Fahrzeug ausgestattet ist. Ein gut abgestimmtes Temperaturmanagement, eine effiziente Heizung und die Möglichkeit, den Akku vor dem Schnellladen aufzuwärmen, erleichtern den Winterbetrieb. Diese Funktionen sind jedoch nicht bei allen Modellen gleich leistungsfähig oder serienmässig vorhanden.
Für Fahrten im Schweizer Mittelland und in die Berge müssen zudem zwei Fragen getrennt betrachtet werden: Wie weit reicht die Batterie bei Kälte – und wie sicher fährt das Auto auf Schnee? Für die Reichweite sind unter anderem Temperatur, Geschwindigkeit und Heizbedarf wichtig. Für die Bodenhaftung bleiben geeignete Reifen und eine angepasste Fahrweise entscheidend.
Die Batterie wird gezielt auf Temperatur gebracht
Kälte verlangsamt die Vorgänge in einer Lithium-Ionen-Batterie. Dadurch kann sie vorübergehend weniger Leistung abgeben und beim Laden weniger Leistung aufnehmen. Das heisst aber nicht automatisch, dass der Akku beschädigt ist.
Viele Elektroautos verfügen über eine Batterieheizung und ein Temperaturmanagement, das den Akku überwacht und bei Bedarf erwärmt. Nach Angaben des TCS kann das Fahrzeug seine Leistung bei Minustemperaturen zunächst begrenzen. Sobald die Batterie ihre Betriebstemperatur erreicht, steht wieder die volle oder nahezu volle Leistung zur Verfügung. Wie stark diese Einschränkung ausfällt, hängt vom Modell und von der Temperatur ab. Das Aufwärmen benötigt allerdings Energie, die bei der Reichweitenplanung berücksichtigt werden muss.
Vorheizen und Wärmepumpe erleichtern den Winteralltag
Ein praktischer Vorteil ist das Vorheizen im Stand. Bei vielen Modellen lässt sich per App oder über eine programmierte Abfahrtszeit dafür sorgen, dass der Innenraum bereits vor dem Einsteigen warm ist. Je nach Fahrzeug wird dabei auch die Batterie vorbereitet. Hängt das Auto noch an einer geeigneten Ladestation, kann die benötigte Energie aus dem Stromnetz statt aus dem Fahrakku kommen.
Eine Wärmepumpe kann den Heizbedarf zusätzlich reduzieren. Sie nutzt Wärme aus der Umgebung und je nach System auch Abwärme von Fahrzeugkomponenten. Dadurch muss weniger elektrische Energie für die Innenraumheizung eingesetzt werden als bei einer reinen elektrischen Widerstandsheizung. Wie gross der Vorteil ist, hängt von Technik und Einsatzbedingungen ab. Eine Wärmepumpe macht den Winterverbrauch nicht unsichtbar, kann ihn aber begrenzen.
Sitz- und Lenkradheizung erwärmen die Menschen zudem gezielter als die Luftheizung den gesamten Innenraum. Energie sparen darf jedoch niemals zulasten freier Sicht gehen: Scheiben müssen eis- und beschlagfrei bleiben.
Auf Schnee hilft eine fein dosierte Antriebskraft
Der TCS nennt die schnell reagierende Antriebsschlupfregelung als Vorteil von Elektromotoren. Sie hilft, die Antriebskraft zu begrenzen, wenn Räder beim Beschleunigen durchdrehen. Entscheidend ist nicht, möglichst viel Leistung auf die Strasse zu bringen, sondern nur so viel, wie die Reifen übertragen können.
Modelle mit Allradantrieb können die Antriebskraft auf beide Achsen verteilen. Das kann beim Anfahren auf einer verschneiten Steigung helfen. Ein automatisch kürzerer Bremsweg ergibt sich daraus aber nicht: Auch ein Auto mit nur einer angetriebenen Achse bremst an allen vier Rädern.
Gute Winterreifen, ausreichend Profil, reduzierte Geschwindigkeit und mehr Abstand bleiben deshalb unverzichtbar. Elektronische Helfer können fehlende Haftung nicht ersetzen. Ebenso wenig beweist problemloses Bergauffahren, dass die anschliessende Talfahrt gefahrlos möglich ist.
Aktuelle Tests zeigen, dass auch längere Winterfahrten möglich sind
Im Januar 2026 veröffentlichte der ADAC einen Wintertest mit 14 familientauglichen Elektroautos. Auf einem Prüfstand wurde bei durchschnittlich null Grad eine Autobahnfahrt von München nach Berlin simuliert. Das reichweitenstärkste Fahrzeug, ein Audi A6 Avant e-tron performance, erreichte unter diesen Bedingungen 441 Kilometer mit einer Batterieladung.
Beim anschliessenden Schnellladen nahm dieses Modell innerhalb von 20 Minuten Energie für weitere 300 Kilometer unter den Testbedingungen auf. Das zeigt, dass längere Winterreisen möglich sind. Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings deutlich zwischen den Fahrzeugen. Zudem bildet eine solche Prüfung weder sämtliche Wintertemperaturen noch die Bodenhaftung auf Schnee ab.
Extreme Kälte bleibt eine reale Einschränkung
Wie wichtig die Bedingungen sind, zeigte der norwegische Wintertest von NAF und Motor 2026. Bei Temperaturen zwischen minus sieben und minus 32 Grad lagen die erzielten Reichweiten im Durchschnitt 38 Prozent unter den offiziellen WLTP-Normwerten.
Diese Abweichung darf nicht als pauschaler Reichweitenverlust für jeden Schweizer Wintertag verstanden werden. Ebenso wenig sind die norwegische Strassenfahrt und der ADAC-Prüfstandstest direkt vergleichbar. Fahrzeuge, Strecken und Temperaturen unterscheiden sich.
Die Konsequenz für Reisende bleibt dennoch klar: Bei strengem Frost braucht es zusätzliche Reserve. Wer die letzte Ladestation mit beinahe leerem Akku ansteuert, verlässt sich zu stark auf eine Reichweitenanzeige, die auf veränderte Bedingungen reagieren muss.
Ein warmer Akku kann Ladepausen verkürzen
Eine leistungsfähige Schnellladestation allein garantiert noch keine kurze Ladepause. Ist die Batterie ausgekühlt, begrenzt das Fahrzeug die Ladeleistung zu ihrem Schutz. Deshalb ist die gezielte Vorbereitung des Akkus wichtig.
Je nach Modell lässt sich diese Vorbereitung manuell einschalten oder über die Auswahl einer Schnellladestation im bordeigenen Navigationssystem auslösen. Entscheidend sind die Funktionen und Vorgaben des eigenen Autos. Eine angepasste Vorbereitung beim Fahren und Laden eines Elektroautos im Winter hilft, unnötig lange Ladeaufenthalte zu vermeiden.
Beim Verzögern kann sich das Auto anders anfühlen
Eine kalte Batterie kann auch weniger Bremsenergie aufnehmen. Dadurch ist die sogenannte Rekuperation eingeschränkt: Das Auto gewinnt beim Verzögern weniger Energie zurück und bremst beim Loslassen des Fahrpedals je nach Modell weniger stark ab.
Wer gewohnt ist, überwiegend mit dem Fahrpedal zu beschleunigen und zu verzögern, muss darauf vorbereitet sein. Hinweise im Display und die Bedienungsanleitung sind zu beachten; das Bremspedal muss bei Bedarf rechtzeitig eingesetzt werden. Auf glatter Fahrbahn sind abrupte Lastwechsel zu vermeiden.
Elektroautos sind damit keine reinen Schönwetterfahrzeuge. Ihre Technik bietet konkrete Wintervorteile – zuverlässig nutzbar werden diese zusammen mit geeigneter Bereifung, ausreichender Energiereserve und einer Fahrweise, die zu den Strassenverhältnissen passt.
- Heizen im Stau: Nach ADAC-Messungen waren bei minus zehn Grad ungefähr 1,5 bis 2 Kilowatt Leistung nötig, um den Innenraum auf 20 Grad zu halten. Eine ausreichend geladene Batterie ermöglicht damit auch längere Heizzeiten im Stand. Der tatsächliche Bedarf ist fahrzeug- und situationsabhängig.
- Festgefrorene Teile: Auch bei Elektroautos können Türgriffe, Fenster oder die Ladeanschlussverriegelung vereisen. Nutzen Sie vorhandene Enteisungsfunktionen und beachten Sie die Herstellerhinweise, statt Bauteile mit Gewalt zu bewegen.
- Schneeketten vorbereiten: Klären Sie vor einer Bergfahrt, welche Ketten zur montierten Rad-Reifen-Kombination passen und auf welcher Achse sie angebracht werden müssen. Gerade bei Allradfahrzeugen sind die Herstellervorgaben entscheidend.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert