Warum zählt man beim Tennis 15, 30 und 40? Regeln und Zählweise einfach erklärt

Der erste Punkt zählt 15, der zweite 30 und der dritte 40. Danach kann das Spiel bereits gewonnen sein – oder bei 40:40 noch lange weitergehen. Die Zählweise im Tennis wirkt zunächst unnötig kompliziert. Hinter den ungewöhnlichen Zahlen steckt jedoch ein klares System.

Wer Punkte, Games, Sätze und Tie-Breaks auseinanderhält, kann einen Spielstand schnell lesen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Regeln Schritt für Schritt und zeigt, weshalb die bekannte Folge 15, 30 und 40 zwar sehr alt ist, ihr genauer Ursprung aber bis heute nicht zweifelsfrei feststeht.

Vier Ebenen führen zum Matchgewinn

Ein Tennismatch ist wie eine Treppe aufgebaut. Einzelne gewonnene Ballwechsel ergeben Punkte. Mehrere Punkte ergeben ein Game, mehrere Games einen Satz und die erforderliche Zahl gewonnener Sätze entscheidet das Match.

  1. Ein gewonnener Ballwechsel bringt einen Punkt.
  2. Mindestens vier Punkte und zwei Punkte Vorsprung bringen ein Game.
  3. In der Regel sechs Games mit zwei Games Vorsprung bringen einen Satz.
  4. Meist zwei gewonnene Sätze entscheiden ein Best-of-three-Match.

Im Deutschen wird das englische Wort „Game“ häufig mit „Spiel“ übersetzt. Das kann verwirren, weil „Spiel“ umgangssprachlich auch das gesamte Match meint. Ein Ergebnis von 6:4 bezeichnet deshalb nicht sechs Punkte, sondern sechs gewonnene Games gegenüber vier Games.

So werden die Punkte in einem Game gezählt

Zu Beginn eines Games steht es 0:0. Im internationalen Tennis wird die Null als „Love“ bezeichnet. Danach läuft die Anzeige nicht mit 1, 2 und 3 weiter, sondern so:

  • kein gewonnener Punkt: 0 oder Love
  • erster gewonnener Punkt: 15
  • zweiter gewonnener Punkt: 30
  • dritter gewonnener Punkt: 40
  • vierter gewonnener Punkt: Game, sofern mindestens zwei Punkte Vorsprung bestehen

Der Spielstand des Aufschlägers wird immer zuerst genannt. Gewinnt der Aufschläger den ersten Ballwechsel, lautet der Stand 15:0. Gewinnt dagegen der Rückschläger den ersten Punkt, steht es 0:15. Bei 30:15 hat der Aufschläger somit zwei Ballwechsel und der Rückschläger einen gewonnen.

Steht es 40:0, 40:15 oder 40:30, kann der führende Spieler das Game mit dem nächsten Punkt beenden. Bei 40:0 besitzt er drei Spielbälle, bei 40:15 zwei und bei 40:30 einen. Führt der Rückschläger mit 0:40, 15:40 oder 30:40, spricht man von Breakbällen: Er kann dem Aufschläger das Game abnehmen.

Warum zählt Tennis ausgerechnet 15, 30 und 40?

Die ehrliche Antwort lautet: Der genaue Ursprung ist nicht abschliessend geklärt. Die Zählweise reicht weit in die Geschichte der Vorläufer des modernen Tennis zurück. Bereits beim französischen „Jeu de Paume“ wurden ähnliche Zahlen verwendet. Alte Hinweise nennen auch eine Folge von 15, 30 und 45. Irgendwann setzte sich für den dritten Punkt die 40 durch.

Die bekannteste Erklärung ist die Zifferblatt-Theorie. Danach wurde ein Game gedanklich in vier Viertel einer 60er-Einteilung gegliedert. Ein Punkt führte zu 15, der nächste zu 30, der dritte zu 45 und der vierte zu 60 – damit war das Game vollendet. Warum aus 45 später 40 wurde, lässt sich damit jedoch nicht sicher erklären.

Manche Darstellungen vermuten, dass sich 40 einfacher und schneller aussprechen liess. Eine andere Theorie sieht den Grund im Vorteilssystem: Zwischen 40 und dem vollständigen Game blieb rechnerisch Platz, um einen Vorteil anzuzeigen. Belegt ist keine dieser Erklärungen ausreichend. Die Zifferblatt-Geschichte ist deshalb eine gut merkbare Theorie, aber keine gesicherte historische Tatsache.

Auch die Herkunft von „Love“ für null ist umstritten. Häufig wird das französische Wort „l’œuf“ für Ei genannt, weil ein Ei der Form einer Null ähnelt. Sprachhistorisch ist diese Ableitung nicht eindeutig bewiesen. Für das heutige Spiel genügt die praktische Bedeutung: Love heisst null.


Die Folge 15, 30 und 40 stammt aus einer jahrhundertealten Tennistradition. Die häufig erzählte Zifferblatt-Theorie ist einleuchtend, historisch aber nicht zweifelsfrei belegt.

Was passiert bei 40:40?

Haben beide Spieler jeweils drei Punkte gewonnen, steht es es 40:40. Dieser Stand heisst „Einstand“ oder international „Deuce“. Nun reicht ein einzelner weiterer Punkt nicht zum Gamegewinn. Ein Spieler muss zwei Punkte nacheinander gewinnen.

Der erste Punkt nach Einstand bringt den Vorteil. Gewinnt der Aufschläger diesen Ballwechsel, lautet der Stand „Vorteil Aufschläger“. Gewinnt der Rückschläger, heisst es „Vorteil Rückschläger“. Holt der Spieler mit Vorteil auch den nächsten Punkt, gewinnt er das Game. Verliert er ihn, geht der Spielstand zurück auf Einstand.

Ein langes Game kann daher mehrmals zwischen Einstand und Vorteil wechseln. Theoretisch gibt es keine Höchstzahl an Punkten. Erst wenn derselbe Spieler zwei aufeinanderfolgende Punkte ab Einstand gewinnt, ist das Game beendet.

Das Wort „Deuce“ wird meist mit dem französischen „deux“ in Verbindung gebracht: Es fehlen noch zwei Punkte zum Gamegewinn. Auch hier ist die sprachliche Entwicklung nicht in jedem Detail gesichert, das zugrunde liegende Prinzip ist jedoch eindeutig.


Bei 40:40 beginnt das Vorteilsspiel. Auf Einstand folgen Vorteil und – wenn derselbe Spieler erneut punktet – der Gewinn des Games.

Wie ein Ballwechsel gewonnen wird

Ein Punkt entsteht, wenn der Gegner den Ball nicht regelgerecht zurückspielen kann. Das ist unter anderem der Fall, wenn der Ball zweimal aufspringt, im Netz landet, ausserhalb des gültigen Feldes aufkommt oder vom Spieler nicht erreicht wird. Berührt der Ball eine Linie, gilt er als im Feld.

Der Aufschlag eröffnet jeden Punkt. Der Aufschläger beginnt in einem normalen Game rechts hinter der Grundlinie und serviert diagonal in das gegenüberliegende Aufschlagfeld. Beim nächsten Punkt schlägt er von links auf; danach wechseln die Seiten bei jedem Punkt weiter. Für jeden Punkt stehen grundsätzlich zwei Aufschlagversuche zur Verfügung. Misslingen beide, entsteht ein Doppelfehler und der Gegner erhält den Punkt.

Ein Netzaufschlag wird wiederholt, wenn der Ball das Netz berührt und anschliessend im richtigen Aufschlagfeld landet. Fliegt er nach der Netzberührung ausserhalb des richtigen Feldes auf, zählt der Versuch als Fehler.

Vom Game zum Satz

Ein Satz wird normalerweise von dem Spieler gewonnen, der zuerst sechs Games erreicht und mindestens zwei Games Vorsprung besitzt. Mögliche Satzergebnisse sind daher 6:0, 6:1, 6:2, 6:3 oder 6:4. Bei 5:5 ist der erforderliche Abstand noch nicht erreicht.

Gewinnt ein Spieler die nächsten beiden Games, endet der Satz 7:5. Erreicht der Stand 6:6, folgt in einem Tie-Break-Satz ein Tie-Break. Der Sieger erhält das zusätzliche Game und gewinnt den Satz mit 7:6. In einem Vorteilssatz ohne Tie-Break wird dagegen weitergespielt, bis ein Spieler zwei Games Vorsprung hat.

Wie schnell ein Ball wird und wie hoch er abspringt, hängt auch vom Untergrund ab. Der Belmedia-Ratgeber über Sand, Rasen und Hartplatz im Vergleich erklärt die Unterschiede. An der Zählweise ändert der Belag nichts.

So funktioniert der Tie-Break

Im Tie-Break verschwindet die Folge 15, 30 und 40. Die Punkte werden ganz normal als 0, 1, 2, 3 und so weiter gezählt. Ein gewöhnlicher Satz-Tie-Break wird bis mindestens sieben Punkte gespielt. Auch hier sind zwei Punkte Vorsprung erforderlich.

Ein Ergebnis von 7:5 beendet den Tie-Break. Bei 6:6 wird weitergespielt, beispielsweise bis 8:6, 9:7 oder 12:10. Wer den Tie-Break gewinnt, entscheidet zugleich den Satz mit 7:6 für sich.

Die Aufschlagfolge unterscheidet sich vom normalen Game. Der Spieler, der an der Reihe ist, serviert den ersten Punkt. Danach schlägt der Gegner für zwei Punkte auf. Anschliessend wechseln sich beide Spieler mit jeweils zwei Aufschlägen ab. Nach jeweils sechs gespielten Punkten werden die Seiten gewechselt.

Bei manchen Wettbewerben ersetzt ein Match-Tie-Break den entscheidenden Satz. Dieser wird häufig bis zehn Punkte gespielt und ebenfalls erst mit zwei Punkten Abstand gewonnen. Seit 2022 verwenden die vier Grand-Slam-Turniere im entscheidenden Satz bei 6:6 einen Match-Tie-Break bis zehn. Andere Turniere, Ligen und Altersklassen können abweichende Formate festlegen. Vor dem Match sollte deshalb klar sein, welche Regel gilt.


Im Tie-Break wird fortlaufend gezählt. Sieben Punkte und zwei Punkte Vorsprung entscheiden den normalen Satz-Tie-Break; bei 6:6 geht es weiter.

Wie viele Sätze entscheiden ein Match?

Die meisten Einzel- und Doppelpartien werden im Modus „Best of three“ gespielt. Wer zuerst zwei Sätze gewinnt, gewinnt das Match. Sind die ersten beiden Sätze verteilt, entscheidet der dritte Satz.

Bei bestimmten Wettbewerben gibt es Best-of-five-Matches. Dann sind drei gewonnene Sätze erforderlich. Bekannt ist dieses Format vor allem aus dem Herreneinzel der Grand-Slam-Turniere. Im Breitensport werden aus Zeitgründen häufig verkürzte Formate oder ein Match-Tie-Break anstelle des dritten Satzes eingesetzt.

Was bedeutet No-Ad?

Neben dem klassischen Vorteilsspiel erlaubt das Regelwerk alternative Zählweisen. Beim „No-Ad“-Format entscheidet bei Einstand bereits der nächste Punkt über das Game. Es gibt also keinen mehrfachen Wechsel zwischen Einstand und Vorteil. Diese Regel wird unter anderem in verschiedenen Doppel-, Nachwuchs- oder Freizeitformaten verwendet.

No-Ad ist nicht mit dem Tie-Break zu verwechseln. No-Ad verkürzt ein einzelnes Game bei 40:40. Der Tie-Break entscheidet dagegen normalerweise einen Satz bei 6:6 Games.

Ein vollständiges Zählbeispiel

Spieler A schlägt auf. Er gewinnt den ersten und zweiten Ballwechsel. Der Stand lautet 30:0. Spieler B gewinnt die nächsten beiden Punkte: 30:30. A punktet erneut und führt 40:30. Er besitzt nun einen Spielball. Gewinnt B den nächsten Ballwechsel, steht es Einstand.

Danach holt B den Vorteil, doch A gleicht wieder aus. Nun gewinnt A zwei Punkte hintereinander. Erst der erste bringt ihm den Vorteil, der zweite das Game. Im Satz wird anschliessend beispielsweise eine Führung von 1:0 Games für A angezeigt. Mit Beginn des nächsten Games wechselt das Aufschlagrecht.

Für den Einstieg reichen ein passendes Racket, geeignete Schuhe und die richtigen Bälle. Welche Merkmale wirklich zählen, zeigt der Beitrag über Tennisausrüstung für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick

  • Love: null Punkte
  • Einstand oder Deuce: Gleichstand bei 40:40
  • Vorteil: ein gewonnener Punkt nach Einstand
  • Spielball: Der führende Spieler kann das Game mit dem nächsten Punkt gewinnen.
  • Breakball: Der Rückschläger kann das Aufschlaggame des Gegners gewinnen.
  • Tie-Break: Entscheidungsspiel eines Satzes, meist bei 6:6
  • Matchball: Der nächste Punkt kann das gesamte Match beenden.

Video-Tipp: Punkte, Games und Sätze einfach erklärt

Das deutschsprachige Video fasst die Zählweise vom einzelnen Punkt bis zum Satz anschaulich zusammen und eignet sich gut für Tennis-Einsteiger.



Fazit

Die Tenniszählung folgt trotz ihrer ungewöhnlichen Begriffe einer festen Logik. Der erste Punkt zählt 15, der zweite 30 und der dritte 40. Ein Game verlangt mindestens vier gewonnene Punkte und grundsätzlich zwei Punkte Vorsprung. Bei 40:40 führen daher erst Vorteil und ein weiterer Punkt zum Gamegewinn.

Ein Satz geht meist bis sechs Games, bei 6:6 entscheidet häufig ein Tie-Break. Dort wird fortlaufend gezählt und bis mindestens sieben gespielt. Die Herkunft von 15, 30 und 40 bleibt historisch umstritten. Sicher ist nur: Die alte Zählweise gehört heute weltweit zum Tennis – und lässt sich nach wenigen Games deutlich leichter verstehen, als es zunächst scheint.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © ronstik/iStock.com; Bild 2: Symbolbild © matsf/iStock.com; Bild 3: Symbolbild © plherrera/iStock.com; Bild 4: Symbolbild © stockar/iStock.com