Fische aus Seegraswiesen enthalten laut Studie deutlich mehr wichtige Nährstoffe

Seegraswiesen bieten Fischen eine reichhaltigere Mischung an essenziellen Nährstoffen. Das schaffen nahegelegene Korallenriffe hingegen nicht, wie Forscher des „Project Seagrass“ und Kollegen der Universität Stockholm zeigen.

Das Team hat Fische aus 20 Seegraswiesen und 20 Korallenriffen entlang eines 3000 Kilometer langen Küstenabschnitts zwischen Kenia und Mosambik in Ostafrika mit Blick auf sechs wichtige Nährstoffe untersucht, die Menschen für ihre Gesundheit benötigen: Kalzium, Eisen, Zink, Selen, Vitamin A und Omega-3-Fettsäuren.

Achtmal mehr Nährstoffe

„Ein Fisch enthält all diese Nährstoffe. Wir wollten herausfinden, welche Lebensräume Fische mit der für Menschen besten Mischung dieser Nährstoffe hervorbringen“, so Benjamin Jones, der die Forschung als Doktorand der Meeresbiologie an der Universität Stockholm geleitet hat.

Nach Berücksichtigung der Unterschiede in der Fischbiomasse hat das Team festgestellt, dass Fischgemeinschaften in Seegraswiesen im Durchschnitt 1,6-mal nährstoffreicher sind als jene in Korallenriffen. Der Unterschied ist sogar noch grösser geworden, als sich das Team auf die Fischarten konzentriert hat, die in Ostafrika am häufigsten gefangen werden. Bei den drei wichtigsten Speisefischarten ist der Nährstoffgehalt in Seegraswiesen mehr als achtmal höher als in Korallenriffen.

Zwei wichtige, in der Region besonders geschätzte Arten – Kaninchenfische und Papageienfische – kommen in Seegraswiesen zudem weitaus häufiger vor, unterstreichen die Wissenschaftler. Gemessen an der Biomasse sind sie in Seegraswiesen fünfmal beziehungsweise 65-mal häufiger anzutreffen als an Korallenriffen.

„Ein Supermarkt der Natur“

„Wir wissen, dass Korallenriffe insgesamt mehr Fische beherbergen, aber in Seegraswiesen gibt es mehr Fische, die für die lokale Ernährung wirklich wichtig sind. Das verändert unsere Sichtweise auf diese Lebensräume. Seegras ist nicht nur eine Fischkinderstube und auch nicht nur ein Kohlenstoffspeicher, sondern eine Nahrungsinfrastruktur – ein Supermarkt der Natur“, unterstreicht Jones.

Sowohl bei Korallenriffen als auch bei Seegraswiesen ist weltweit ein Rückgang zu verzeichnen. Dennoch wird für deren Schutz weitaus weniger Geld ausgegeben als für den von Korallenriffen.

Jones: „Wenn wir Seegraswiesen verlieren, verlieren wir nicht nur Lebensraum. Wir verlieren eine Nahrungsquelle für Millionen von Menschen, die sie am dringendsten benötigen.“

 

Quelle: pressetext.redaktion/Wolfgang Kempkens
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