Lawinenhunde: Welche Rassen Leben retten und wie sie trainiert werden

Wenn Menschen von einer Lawine verschüttet werden, zählt jede Minute. Neben modernster Suchtechnik kommen in der Schweiz speziell ausgebildete Lawinenhunde zum Einsatz. Labrador Retriever, Border Collies und Australian Shepherds gehören zu den geeigneten Rassen. Doch nicht die Abstammung entscheidet über den Erfolg, sondern der Geruchssinn, die körperliche Belastbarkeit und die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Hundeführer.

Die Hunde lernen, menschlichen Geruch selbst unter einer Schneedecke aufzuspüren. Dafür trainieren sie mit versteckten Personen, zugeschneiten Höhlen und realistischen Lawinenfeldern. Auch Helikopterflüge, Rotorenlärm und schwierige Wetterbedingungen gehören zur Vorbereitung. In der Schweiz organisiert die Alpine Rettung Schweiz die Ausbildung der spezialisierten Hundeteams. Bis zur Einsatzprüfung müssen Hunde und Hundeführer anspruchsvolle Ausbildungsmodule absolvieren.

Im Ernstfall werden die Rettungsteams häufig über die Rega alarmiert und mit Helikoptern zum Lawinenkegel gebracht. Dort ergänzen die Suchhunde die technische Ortung mit LVS und Recco. Besonders wertvoll sind sie, wenn Verschüttete kein sendendes Suchgerät tragen. Die erste Rettungschance liegt allerdings bei den Kameraden am Unfallort, die sofort mit der Suche beginnen können.

LAWINE.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Hunderassen: Unter anderem Labrador Retriever, Border Collies und Australian Shepherds.
Aufgabe: Verschüttete Menschen anhand ihres Geruchs aufspüren und Fundstellen anzeigen.
Ausbildung: Mehr als drei Wochen Kursprogramm bis zur Einsatzprüfung.
Weiterbildung: Mindestens vier Gruppenübungen jährlich und fünf Ausbildungstage alle zwei Jahre.
Was das bedeutet
Lawinenhunde bleiben ein wichtiger Bestandteil der professionellen Bergrettung. Ihre Stärke liegt besonders in der Suche nach Menschen, die ohne elektronisch ortbares Gerät verschüttet wurden. Entscheidend sind das eingespielte Team und ein rascher Transport zum Einsatzort.

Welche Hunderassen eignen sich als Lawinenhund?

Eine fest vorgeschriebene Hunderasse gibt es nicht. Besonders häufig werden bewegliche, arbeitsfreudige Hunde mittlerer Grösse eingesetzt.

Dazu gehören Labrador Retriever, Golden Retriever, Border Collies, Australian Shepherds und verschiedene Schäferhunde.

Eine mittlere Körpergrösse ist praktisch, weil sich das Tier durch tiefen Schnee bewegen und bei Bedarf in einen Helikopter heben lassen muss.

Wichtiger als die Rasse sind Suchfreude, Ausdauer, Nervenstärke und ein freundliches Verhalten gegenüber Menschen und anderen Hunden.

Der berühmte Bernhardiner ist zwar eng mit der Geschichte der Schweizer Bergrettung verbunden, gehört heute aber nicht zu den typischen Lawinensuchhunden.

Wie lernt ein Hund, verschüttete Menschen aufzuspüren?

Am Anfang steht das Spielen. Der Hund lernt, dass die Suche nach einem Menschen mit einer positiven Erfahrung verbunden ist.

Eine Person versteckt sich zunächst gut erreichbar hinter einem Schneehaufen oder in einem offenen Schneeloch.

Findet der Hund sie, erhält er eine Belohnung. Das kann Futter, ein Spielzeug oder gemeinsames Spielen sein.

Später werden die Verstecke schwieriger. Die gesuchte Person wartet in einer Schneehöhle, deren Eingang verschlossen wird.

Der Hund muss nun die menschliche Witterung aufnehmen und die richtige Stelle finden.

Entdeckt er den stärksten Geruch, beginnt er beispielsweise zu scharren oder zu bellen. Seine Anzeige signalisiert dem Hundeführer, wo die Retter mit der genaueren Ortung und dem Ausgraben beginnen sollen.

Wie kann ein Hund Menschen durch Schnee riechen?

Menschen geben ständig Geruchsstoffe über Haut, Atemluft und Kleidung ab.

Diese Stoffe können sich mit Luft durch die Zwischenräume der Schneedecke bewegen und an die Oberfläche gelangen.

Mit seinem empfindlichen Geruchssinn erkennt der ausgebildete Hund menschliche Witterung, die für uns nicht wahrnehmbar ist.

Schneeart, Wind, Temperatur und Verschüttungstiefe beeinflussen allerdings die Ausbreitung der Gerüche.

Deshalb muss der Hund lernen, auch unter wechselnden Bedingungen systematisch zu suchen.

Warum gehört der Helikopter zur Ausbildung?

Lawinenhunde müssen häufig in abgelegene Gebiete transportiert werden.

Dazu gehört, dass sie mit engen Helikopterkabinen, lauten Triebwerken und dem starken Abwind der Rotoren vertraut sind.

Die Rega organisiert deshalb gemeinsam mit ihren Rettungspartnern entsprechende Übungsflüge.

Die Tiere trainieren das Ein- und Aussteigen sowie das ruhige Verhalten während des Fluges und bei laufenden Triebwerken.

Zusätzlich müssen sich die Hundeführer sicher auf Skiern und in schwierigem alpinem Gelände bewegen können.

Welche Prüfungen müssen die Teams bestehen?

Bei der Alpinen Rettung Schweiz liegt das zugelassene Hundealter beim Eintrittstest zwischen zwölf und 48 Monaten.

Der Hundeführer muss bereits aktives Mitglied einer Rettungsstation mit mindestens Ausbildungsstufe Retter II sein.

Die Ausbildung umfasst Kurse zur Hundearbeit, Gebirgstechnik, Notfallmedizin und Einsatztaktik.

Nach der abschliessenden Einsatzprüfung bleiben regelmässige Übungen obligatorisch.

Auch erfahrene Suchhunde müssen ihre Fähigkeiten immer wieder unter Beweis stellen.

Lawinenhunde retten tatsächlich Menschenleben

Ein eindrückliches Beispiel ereignete sich am 9. April 2019 auf der Strasse zur Göscheneralp im Kanton Uri.

Ein Mann war von einer Nassschneelawine vollständig verschüttet worden.

Bei der Rettung an der Göscheneralp lokalisierte ein Lawinensuchhund den Verschütteten nach rund eineinhalb Stunden.

Der Mann konnte lebend geborgen werden. Ein Hohlraum im Schnee hatte ihm offenbar ausreichend Atemluft verschafft.

Solche Einsätze zeigen den besonderen Wert der Hunde, aber auch die Bedeutung schneller Hilfe. Bei einem Lawinenunfall sollte unverzüglich die Rega unter 1414 alarmiert und die Kameradenrettung eingeleitet werden, soweit dies sicher möglich ist.

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AKTUELLER STAND
Lawinenhunde – Ausbildung in der Schweiz
Oktober 2026 · Anforderungen der Alpinen Rettung Schweiz
Bereich Anforderung / Ausbildung
Hundealter beim Eintritt 12 bis 48 Monate
Wesen Keine Aggressivität gegenüber Menschen oder anderen Hunden
Hundeführer Aktiver Bergretter, mindestens Stufe Retter II
Alpine Fähigkeiten Sicheres Skifahren abseits der Pisten
Grundausbildung Mehr als drei Wochen Kursprogramm bis zum Einsatztest
Suchtraining Personensuche, Geruchsortung und eindeutige Fundanzeige
Helikoptertraining Gewöhnung an Flug, Lärm und Rotorenabwind
Jährliche Übungen Mindestens vier Übungen in einer Hundegruppe
Weiterbildung Fünf Tage alle zwei Jahre
Alarmierung Rega 1414; anschliessend Aufgebot der Rettungskräfte

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert