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Weniger Schnee, mehr Gefahr: Die Lawinen der Zukunft

Der laufende Klimawandel verändert die Lawinengefahr in den Schweizer Alpen grundlegend. Obwohl in vielen Regionen künftig weniger Schnee liegen wird, können im Hochgebirge besonders mächtige Lawinen entstehen. Intensive Schneefälle, steigende Temperaturen und instabile Gletscher schaffen neue Risiken. Forschende des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF erwarten vor allem eine Zunahme von Nassschneelawinen. Die Entwicklung erscheint zunächst widersprüchlich: Wenn es wärmer wird und die Schneedecke schrumpft, müssten Lawinen eigentlich seltener werden. Tatsächlich rechnen Forschende langfristig mit weniger trockenen Schneelawinen. In hohen Lagen können jedoch heftige Niederschläge weiterhin gewaltige Schneemassen aufbauen. Gleichzeitig verändern Regen und Tauwetter die Stabilität bestehender Schneedecken. Für die Schweiz hat diese Entwicklung erhebliche Bedeutung. Besonders im Wallis, in Graubünden und im Berner Oberland liegen Siedlungen, Verkehrswege, Bergbahnen und SAC-Hütten unterhalb steiler Lawinenhänge. Die bisherigen Gefahrenzonen müssen deshalb auch künftig überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um häufigere Nassschneelawinen, sondern ebenso um seltene Extremereignisse mit grosser Zerstörungskraft.

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Von einer Lawine erfasst – so verhält man sich richtig

Eine Lawine kann Menschen innerhalb weniger Sekunden mitreissen und vollständig verschütten. Wer in die Schneemassen gerät, muss sofort handeln: seitlich aus der Lawinenbahn ausweichen, den Airbag auslösen und möglichst an der Oberfläche bleiben. Kurz bevor der Schnee zum Stillstand kommt, wird das Freihalten der Atemwege entscheidend. Die Kräfte einer Lawine sind enorm. Schnee kann einen Menschen umwerfen, über Felsen und durch Hindernisse schleudern und schliesslich metertief begraben. Sobald sich die Schneemassen verfestigen, sind Bewegungen häufig kaum mehr möglich. Deshalb entscheiden nicht nur die Handlungen während des Lawinenabgangs, sondern auch die ersten Minuten danach über die Überlebenschancen. In den Schweizer Alpen ereignen sich die meisten Lawinenunfälle im ungesicherten Gelände. Für Skitourengeher, Freerider und Schneeschuhwanderer gehören deshalb ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), eine Sonde und eine Schaufel zur Grundausrüstung. Ein Lawinenairbag bietet zusätzlichen Schutz. Doch selbst mit guter Ausrüstung bleibt die Vermeidung einer Lawinenverschüttung das wichtigste Ziel.

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Barryvox und LVS: Warum das kleine Gerät im Ernstfall Leben retten kann

Wer sich im Winter abseits gesicherter Pisten im Lawinengelände bewegt, sollte ein Lawinenverschüttetensuchgerät – kurz LVS – am Körper tragen. Barryvox ist dabei der bekannte Produktname des Schweizer Herstellers Mammut. Das Gerät sendet während der Tour permanent ein Signal und kann bei einem Lawinenunfall innert Sekunden auf die Suche nach Verschütteten umgestellt werden. Das Grundprinzip ist ebenso einfach wie entscheidend: Alle LVS-Geräte arbeiten auf der international standardisierten Frequenz von 457 kHz. Wird eine Person verschüttet, sendet ihr Gerät weiter. Nicht verschüttete Begleiter schalten ihre Geräte vom Sende- in den Suchmodus und werden über Richtung und Entfernung Schritt für Schritt zum stärksten Signal geführt. Ein LVS ist jedoch kein alleinstehendes Rettungssystem. Erst zusammen mit Lawinensonde und Schaufel wird aus der Ortung eine tatsächliche Kameradenrettung. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF betont, wie kritisch die Zeit ist: Nach rund 15 bis 18 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit von vollständig Verschütteten deutlich. Deshalb entscheidet häufig die unmittelbare Hilfe der Begleiter, noch bevor professionelle Rettungskräfte eintreffen.

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Die grösste Lawine der Geschichte: Als Yungay unter Millionen Tonnen verschwand

Am 31. Mai 1970 löste ein schweres Erdbeben am höchsten Berg Perus eine gewaltige Eis-, Fels- und Schuttlawine aus. Zwischen 50 und 100 Millionen Kubikmeter Material rasten vom Nevado Huascarán ins Tal und begruben die Stadt Yungay. Das Ereignis gilt als eine der gewaltigsten und verheerendsten Lawinenkatastrophen der dokumentierten Geschichte. Die Dimensionen waren aussergewöhnlich: Die Masse aus Fels, Eis, Schnee und Erde legte rund 14,5 Kilometer zurück und überwand dabei fast 4'000 Höhenmeter. Untersuchungen des U.S. Geological Survey kamen auf eine durchschnittliche Geschwindigkeit von etwa 280 bis 335 km/h. Selbst grosse Geländeformen konnten die Lawine nicht stoppen. Yungay lag direkt im Katastrophengebiet. Innerhalb weniger Minuten wurde praktisch die gesamte damalige Stadt unter den Ablagerungen begraben. Historische Angaben zur Zahl der Todesopfer unterscheiden sich teilweise erheblich. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen gingen allein im Bereich von Yungay und Ranrahirca von mehr als 18'000 Todesopfern aus.

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Wie entsteht eine Lawine – und welche ist am gefährlichsten?

Lawinen entstehen, wenn die Schneedecke an einem Hang ihre Stabilität verliert und grosse Schneemassen ins Rutschen geraten. Entscheidend sind dabei nicht nur Neuschnee und Steilheit, sondern vor allem der Aufbau der Schneedecke, Wind, Temperatur und schwache Schichten im Schnee. Für Wintersportler besonders gefährlich sind Schneebrettlawinen: Sie verursachen laut dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF mehr als 90 Prozent der Lawinenopfer. Eine Lawine beginnt häufig mit einem kleinen Bruch in der Schneedecke. Besonders kritisch ist die Kombination aus einer gebundenen, relativ festen Schneeschicht und einer darunterliegenden Schwachschicht. Gibt diese Schwachschicht nach, kann sich der Bruch innerhalb von Sekunden über einen grossen Teil des Hanges ausbreiten. Das darüberliegende Schneebrett löst sich und gleitet talwärts. Schneebrettlawinen benötigen in der Regel Hänge von mindestens rund 30 Grad Neigung. Doch Lawinen entstehen nicht alle auf dieselbe Weise. Neben Schneebrettlawinen gibt es Lockerschneelawinen, Nassschneelawinen, Gleitschneelawinen und besonders schnelle Staublawinen. Welche davon am gefährlichsten ist, hängt davon ab, ob man die Gefahr für einzelne Wintersportler oder die mögliche Zerstörungskraft betrachtet.

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Brienz/Brinzauls nach dem Bergsturz: Zwischen Rückkehr und Umsiedlung

Brienz/Brinzauls ist wieder bewohnt – doch die Zukunft des Bündner Bergdorfs bleibt offen. Nach zwei Evakuierungen, gewaltigen Felsbewegungen und jahrelang zunehmenden Verschiebungen hat ein aufwendiger Entwässerungsstollen die Rutschung inzwischen massiv verlangsamt. Gleichzeitig liegen 42 Gesuche für eine präventive Umsiedlung vor. Seit dem 25. August 2026 steht zudem fest: Tiefencastel und Alvaneu sollen zu neuen Wohnorten für jene Brienzerinnen und Brienzer werden, die ihr Dorf verlassen wollen. Die Situation wirkt beinahe paradox. Noch 2024 bewegten sich Teile des Dorfes mit Geschwindigkeiten von mehreren Metern pro Jahr. Über Monate mussten die Menschen ihre Häuser verlassen. Heute sind die Bewegungsraten in wichtigen Bereichen auf wenige Zentimeter pro Jahr zurückgegangen, die Bevölkerung durfte heimkehren und eine erneute Evakuierung gilt nach aktuellem Kenntnisstand als deutlich weniger wahrscheinlich.

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