SENS eRecycling spart 815 Milliarden Umweltbelastungspunkte in 1 Jahr ein
von belmedia Redaktion Allgemein Business business24.ch businessaktuell.ch haushaltsapparate.net Haushaltsgeräte Kühlen Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Natur & Umwelt News Prävention Recht Schweiz Technologie Tipps Unternehmen Wirtschaft
Für das Jahr 2021 wies SENS eRecycling einen Umweltzusatznutzen von rund 815 Milliarden Umweltbelastungspunkten aus. Den grössten Beitrag leistete die fachgerechte Entfernung von Schadstoffen aus ausgedienten Elektrogeräten. Die Zahl zeigt, weshalb beim Recycling neben zurückgewonnenen Metallen auch kleine Mengen problematischer Stoffe entscheidend sind.
Die im Dezember 2022 veröffentlichte Bilanz beschreibt die damalige Jahresleistung des SENS-Rücknahmesystems. Sie ist keine Kennzahl für das laufende Jahr. Für ihre Einordnung sind drei Fragen wichtig: Welche Geräte wurden verarbeitet, gegenüber welchem Vergleichsszenario entstand der Nutzen und wie wurden die unterschiedlichen Umweltwirkungen bewertet?
Die 815 Milliarden gehören zur Ökobilanz 2021
Im Berichtsjahr 2021 erfassten SENS eRecycling und die angeschlossenen Partner insgesamt 88’589 Tonnen Elektrogeräte. Daraus wurden rund 62’100 Tonnen Wertstoffe zurückgewonnen. Gerätemenge und Wertstoffmenge bezeichnen unterschiedliche Grössen: Die erste beschreibt den Eingang in das System, die zweite die ausgewiesenen zurückgewonnenen Materialien. Beide Zahlen dürfen deshalb nicht gleichgesetzt werden.
Die veröffentlichten Daten umfassen Kühl-, Gefrier- und Klimageräte, Elektrogrossgeräte, Elektrokleingeräte, Leuchtmittel und Photovoltaikmodule. Diese Gruppen unterscheiden sich erheblich in Aufbau, Materialzusammensetzung und Schadstoffgehalt. Eine Tonne Altgeräte verursacht daher je nach Zusammensetzung einen anderen Behandlungsaufwand und ermöglicht einen anderen Umweltnutzen. Das Gesamtgewicht allein erklärt die Bilanz nicht.
Was Umweltbelastungspunkte ausdrücken
Umweltbelastungspunkte, kurz UBP, ermöglichen es, verschiedene Umweltbelastungen innerhalb einer Bewertungsmethode zusammenzuführen. Bei der Methode der ökologischen Knappheit werden Emissionen und Ressourcennutzungen mit Ökofaktoren bewertet. Diese berücksichtigen für die Schweiz unter anderem das Verhältnis zwischen bestehenden Belastungen und umweltpolitischen beziehungsweise gesetzlichen Zielen. So entsteht eine gemeinsame Bewertungsgrösse für unterschiedliche Auswirkungen.
UBP sind deshalb weder Tonnen Abfall noch Kilogramm CO2. Ein hoher Wert kann beispielsweise durch vermiedene Schadstoffemissionen entstehen, obwohl die betreffende Stoffmenge klein ist. Für Aussagen zum Klimaschutz wird zusätzlich eine Klimabilanz in CO2-Äquivalenten benötigt. Eine Gesamtumweltbewertung und eine Klimabilanz beantworten verwandte, aber unterschiedliche Fragen.
Der Zusatznutzen entsteht gegenüber einem Referenzszenario
SENS verglich für die Bilanz die tatsächliche Behandlung mit einem angenommenen Zustand ohne das organisierte Rücknahmesystem. In beiden Szenarien fallen gleich viele Altgeräte an. Auch ohne SENS würden wirtschaftlich interessante Materialien zurückgewonnen. Die aufwendige Entfernung von Schadstoffen würde im Referenzszenario jedoch vernachlässigt.
Die ausgewiesene Umweltleistung bezeichnet die Differenz zwischen diesen beiden Behandlungswegen. Sie beschreibt somit einen berechneten Zusatznutzen unter festgelegten Annahmen. Daraus lässt sich nicht ableiten, ohne SENS würde überhaupt kein Metall recycelt. Ebenso wenig handelt es sich um eine direkte Messung sämtlicher vermiedener Emissionen in der Umwelt.
Warum Schadstoffe 2021 die Bilanz dominierten
Rund 93 Prozent des ausgewiesenen Umweltzusatznutzens entfielen 2021 auf die Schadstoffentfrachtung, also die gezielte Entfernung problematischer Stoffe. Auf PCB entfielen 64 Prozent des Gesamtnutzens, auf Kühlmittel 20 Prozent und auf Quecksilber 9 Prozent. Das Wertstoffrecycling steuerte 7 Prozent bei. Diese Anteile beziehen sich auf die Umweltbewertung und nicht auf das Gewicht der behandelten Materialien.
Das erklärt einen zunächst überraschenden Zusammenhang: Eine kleine Schadstoffmenge kann für die Bilanz bedeutender sein als eine grosse Menge zurückgewonnenen Metalls. Die Bewertung berücksichtigt die jeweiligen Umweltwirkungen. Der betriebliche Erfolg lässt sich deshalb nicht allein an gefüllten Metallcontainern ablesen. Entscheidend ist auch, welche problematischen Bestandteile aus dem Materialstrom entfernt werden.
Alte Bauteile brauchen besondere Aufmerksamkeit
PCB steht für polychlorierte Biphenyle. Solche Stoffe können noch in älteren Kondensatoren langlebiger Elektrogeräte vorkommen. Auch alte Vorschaltgeräte von Leuchten können betroffen sein. Dass heutige Produkte anders zusammengesetzt sind, beseitigt die Altlasten in bereits vorhandenen Geräten nicht.
Bei Kühlgeräten sind wiederum die eingesetzten Kälte- und Treibmittel relevant. Je nach Gerätegeneration unterscheiden sich deren Eigenschaften erheblich. Fachgerechtes Recycling muss deshalb den tatsächlichen Gerätebestand berücksichtigen. Eine pauschale Aussage über „den Kühlschrank“ würde die unterschiedlichen technischen Ausführungen und die daraus folgenden Anforderungen verdecken.
Aus Sammlung wird ein mehrstufiger Behandlungsprozess
Nach der Rücknahme werden die Geräte sortiert und geeigneten Behandlungswegen zugeführt. Spezialisierte Betriebe entfernen problematische Bestandteile manuell oder mit dafür vorgesehenen Anlagen. Dazu können Batterien, quecksilberhaltige Komponenten und PCB-haltige Kondensatoren gehören. Die weitere Verarbeitung trennt die verbleibenden Materialien in unterschiedliche Fraktionen.
Für Kühlgeräte beschreibt SENS spezielle Verfahren zur kontrollierten Erfassung problematischer Stoffe. Bei anderen Gerätegruppen folgen auf die erforderliche Schadstoffentfernung unter anderem Zerkleinerung, Siebung und weitere Trennschritte. Ziel sind Materialfraktionen, die sich möglichst gut weiterverarbeiten lassen. Das blosse Zerkleinern eines gemischten Gerätehaufens wäre dafür keine ausreichende Beschreibung.
Wertstoffe bleiben ein wesentlicher Teil der Leistung
Die Bilanz 2021 weist unter anderem rund 47’155 Tonnen Eisen und Stahl, 6’939 Tonnen Kunststoffe sowie 2’846 Tonnen Aluminium aus. Hinzu kamen weitere Materialien, darunter Kupfer und Glas. Solche Mengen zeigen die stoffliche Dimension des Recyclings. Der geringe prozentuale Anteil am damaligen Umweltzusatznutzen bedeutet nicht, dass die Rohstoffrückgewinnung nebensächlich wäre.
Auch hier wirkt sich das Referenzszenario aus: Wirtschaftlich attraktive Materialien würden annahmegemäss bereits ohne das SENS-System teilweise zurückgewonnen. Die Bilanz rechnet deshalb nicht deren gesamten möglichen Nutzen als zusätzliche Leistung an. Für die Interpretation muss zwischen der tatsächlich zurückgewonnenen Menge und dem gegenüber dem Vergleichssystem zusätzlich erreichten Umweltvorteil unterschieden werden.
Die Entwicklung dieser beiden Aufgaben behandelt auch der Beitrag „SENS eRecycling: Schadstoffentsorgung und Wertstoffrückgewinnung“. Seine Angaben beziehen sich auf spätere Berichtsjahre. Der Zusammenhang bleibt jedoch derselbe: Sichere Schadstoffbehandlung und die Bereitstellung nutzbarer Sekundärrohstoffe gehören gemeinsam zu einer funktionierenden Recyclingkette.
Neuere Bilanzen brauchen eine getrennte Einordnung
Für das Jahr 2024 veröffentlichte SENS einen Umweltzusatznutzen von rund 1’443 Milliarden UBP. Seit dem Berichtsjahr 2022 verwendet die Organisation nach eigenen Angaben die Methode der ökologischen Knappheit 2021. Ein einfacher Vergleich mit den 815 Milliarden aus dem Jahr 2021 würde deshalb methodische Unterschiede ausblenden. Aus den beiden Zahlen allein lässt sich keine entsprechende Leistungssteigerung berechnen.
Eine weitere Veränderung betrifft den Umfang der Berichterstattung. Der Fachbericht 2026 weist für das Jahr 2025 erstmals eine gemeinsame Ökobilanz von SENS eRecycling und Swico Recycling aus. Sie beziffert den Umweltzusatznutzen beider Systeme zusammen auf rund 1’400 Milliarden UBP. Dieser gemeinsame Wert darf nicht als alleinige Jahresleistung von SENS dargestellt werden.
Die neue Auswertung zeigt ausserdem, dass Gerätekategorien zur Gesamtumwelt- und zur Klimabilanz unterschiedlich beitragen. Das unterstreicht die Grenzen einer einzelnen Schlagzeilenzahl. Für belastbare Zeitvergleiche müssen Bewertungsmethode, Systemgrenzen und Datenbasis übereinstimmen. Wo diese Voraussetzungen fehlen, ist eine getrennte Darstellung der Berichtsjahre aussagekräftiger als eine scheinbar eindeutige Wachstumskurve.
Die Rückgabe ermöglicht die fachgerechte Behandlung
Für die Praxis beginnt die Recyclingkette bei der getrennten Rückgabe. Ausgediente Elektrogeräte gehören in der Schweiz nicht in den Kehrichtsack. Der Handel muss Gerätearten, die er im Sortiment führt, grundsätzlich kostenlos zurücknehmen; ein Neukauf ist dafür nicht erforderlich. Auch die dafür vorgesehenen Sammelstellen ermöglichen die Rückgabe innerhalb der jeweiligen Annahmebedingungen.
Die Finanzierung erfolgt bei den angeschlossenen Branchenlösungen über vorgezogene Recyclingbeiträge im Verkaufspreis. Kostenlose Rücknahme bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede zusätzliche Dienstleistung eingeschlossen ist. Eine Abholung aus der Wohnung oder besondere Transportleistungen können gesonderte Bedingungen haben. Der Beitrag „Altgerät entsorgen, aber richtig: Was beim Ersatz von Haushaltsgeräten zu beachten ist“ erläutert die Vorbereitung eines Gerätetauschs.
Die weitere Verarbeitung endet zudem nicht zwingend vollständig in der Schweiz. Nach Angaben des Bundesamts für Umwelt erfolgen Demontage und Auftrennung überwiegend im Inland, während nachgelagerte Verarbeitungsschritte teilweise im Ausland stattfinden. Eine funktionierende Rücknahme benötigt daher nachvollziehbare Wege über mehrere Betriebe hinweg. Der Abgabeort allein beschreibt noch nicht die gesamte Verwertungskette.
Die Zahl zeigt den Wert kontrollierter Stoffströme
Die 815 Milliarden UBP stehen für eine klar abgegrenzte, modellierte Jahresleistung des SENS-Systems im Jahr 2021. Besonders deutlich macht die Bilanz den Stellenwert der Schadstoffentfernung. Das Gewicht eines zurückgegebenen Geräts sagt wenig darüber aus, welche Stoffe darin stecken und wie stark ihre kontrollierte Behandlung die Umwelt entlastet.
Für die Beurteilung künftiger Ergebnisse sollten deshalb mehrere Kennzahlen zusammen betrachtet werden: erfasste Gerätemengen, zurückgewonnene Materialien, entfernte Schadstoffe und die jeweils verwendete Bewertungsmethode. Eine transparente Darstellung benennt zusätzlich Berichtsjahr und Systemumfang. So bleibt erkennbar, welche Leistung eine Zahl tatsächlich beschreibt und welche Vergleiche sie zulässt.
Bildquellen: Titelbild: iStock/MAXSHOT; Bild 1: iStock/ClarkandCompany; Bild 2: iStock/aquatarkus; Bild 3: iStock/NitaYuko; Bild 4: iStock/onurdongel