Bergsteigen in der Schweiz: Gefahren meiden, Ausrüstung wählen und sicher unterwegs sein
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Business Fitness Inspiration Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch News Prävention Produkte Regionen reiseziele.ch Schweiz Sicherheit Sport sportaktuell.ch Themen Tipps tourismus.ch Trends wetter24.ch xund24.ch Zubehör Ⳇ Verbreitung
Bergsteigen gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Schweiz – und ist gleichzeitig mit echten Risiken verbunden. Jedes Jahr kommt es zu rund 40’000 bis 45’000 Bergsportunfällen, wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU festhält. Wer sich sorgfältig vorbereitet, die richtige Ausrüstung mitnimmt und die eigenen Grenzen kennt, kann das Risiko jedoch deutlich senken.
Ob Bergwanderung, Hochtour oder Klettersteig: Die Schweizer Alpen bieten für praktisch jedes Niveau die passende Herausforderung. Damit aus dem Bergerlebnis kein Notfall wird, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Grundlagen.
Ein Blick auf die Risiken
Laut BFU sind die häufigsten Unfallursachen beim Bergwandern und Bergsteigen Ausrutschen, Stolpern und Stürzen. Rund 50 bis 56 Personen sterben jährlich beim Bergsport in der Schweiz, fast 90 Prozent davon durch einen Absturz. Besonders auffällig: Der Abstieg gilt gemäss SAC als deutlich gefährlicher als der Aufstieg, da nachlassende Konzentration und Müdigkeit die Trittsicherheit beeinträchtigen. Eine BFU-Erhebung zeigt zudem, dass viele Wandernde die Absturzgefahr in steilem, exponiertem Gelände unterschätzen – nur gerade jede neunte befragte Person nannte dies als häufigen Unfallgrund. Die aktuelle SAC-Bergnotfallstatistik hält zudem fest, dass viele Alarmierungen gar nicht durch Verletzungen, sondern durch Erschöpfung oder Blockierung ausgelöst werden: Bergsportlerinnen und Bergsportler kommen aus eigener Kraft nicht mehr weiter oder wagen sich weder vor noch zurück.
Die Schwierigkeitsskala kennen
Der SAC unterteilt Wander- und Bergwege in Schwierigkeitsgrade von T1 (einfache Wanderwege) bis T6 (anspruchsvolles, weglos zu begehendes Gelände mit Gletscherkontakt). Bereits ab T3 können leichte Kletterstellen, Firnfelder oder aper werdende Gletscher auftreten, ab T4 wird sehr gute körperliche Verfassung und Trittsicherheit vorausgesetzt. Die farbigen Wegmarkierungen (gelb, weiss-rot-weiss, weiss-blau-weiss) geben zwar eine grobe Einordnung, verraten aber nicht den genauen Schwierigkeitsgrad. Wer sich unsicher ist, informiert sich vorab im SAC-Tourenportal oder in einem aktuellen Tourenführer.
Sorgfältige Tourenplanung als Basis
Die beste Ausrüstung nützt wenig ohne eine durchdachte Planung. Dazu gehören:
- Route der Gruppe anpassen: Die Tour muss zu den Fähigkeiten aller Teilnehmenden passen, nicht nur zur stärksten Person.
- Wetterprognose prüfen: Wetterstürze im Gebirge sind nicht zu unterschätzen und erfordern eine laufende Einschätzung der Lage.
- Umkehrpunkt festlegen: Vorab definieren, bei welcher Zeit oder an welcher Stelle im Zweifelsfall umgekehrt wird.
- Bescheid geben: Route und geplante Rückkehrzeit einer Vertrauensperson mitteilen.
- Nicht allein unterwegs sein: Wo möglich, zu zweit oder in der Gruppe gehen – so kann im Notfall rascher reagiert werden.
Die richtige Grundausrüstung
Für Bergwanderungen empfiehlt der SAC folgende Basisausstattung:
- Stabile Bergschuhe mit griffiger Profilsohle, guter Passform und Halt über dem Knöchel.
- Kleidung nach dem Schichtprinzip: mehrere dünne Lagen statt einer dicken Jacke, dazu Regen-, Kälte- und Sonnenschutz.
- Rucksack passend zur Tourenlänge, meist zwischen 20 und 40 Litern.
- Orientierungsmittel: aktuelle Wanderkarte, Kompass, bei Bedarf GPS-Gerät.
- Für den Notfall: Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, aufgeladenes Mobiltelefon, ausreichend Proviant und Wasser.
Für anspruchsvollere Touren kommt je nach Ziel weitere Ausrüstung hinzu: Helm und Seil beim Klettern und auf Hochtouren, Steigeisen und Pickel auf Gletschertouren, ein genormtes Klettersteigset samt Klettergurt für Klettersteige. Der SAC weist ausdrücklich darauf hin, dass nur die korrekte Anwendung dieser Ausrüstung tatsächlich Sicherheit bietet – eine fachkundige Einführung oder ein Kurs zahlt sich hier aus.
Typische Gefahren im Gebirge
Neben Ausrutschen und Stürzen lauern im hochalpinen Gelände weitere Risiken. Steinschlag lässt sich durch achtsames, ruhiges Gehen und das Vermeiden von losem Geröll reduzieren. Durch den Rückgang vieler Gletscher und das Auftauen von Permafrost hat sich die Steinschlag- und Spaltensturzgefahr in einigen Regionen zudem verändert, weshalb ein rechtzeitiger Aufbruch und eine laufende Beurteilung der Geländesituation wichtig sind. Auf Gletschern und im weglosen Gelände kann sich die Orientierung schwierig gestalten – hier zahlt sich der sichere Umgang mit Karte und Kompass aus. Ab etwa 2500 bis 3000 Metern können zudem erste Anzeichen einer Höhenkrankheit auftreten, etwa Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel. Wer solche Symptome bei sich oder anderen bemerkt, sollte nicht weiter aufsteigen und im Zweifel rechtzeitig absteigen.
Verhalten im Notfall
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Notfall, gilt es, Ruhe zu bewahren. Die Rettungsflugwacht Rega ist unter der Nummer 1414 erreichbar, europaweit funktioniert zudem die Notrufnummer 112. Wichtig für die Alarmierung sind möglichst genaue Angaben zum Standort, zur Anzahl betroffener Personen und zur Art der Verletzung. Ein SAC-Notfallblatt oder eine Notfallkarte mit den wichtigsten Angaben griffbereit im Rucksack zu haben, erleichtert die Kommunikation mit der Einsatzzentrale zusätzlich.
Video-Tipp: Tourenplanung in den Bergen
Wie eine Bergtour von der Zeitplanung bis zur Ausrüstung sorgfältig vorbereitet wird, zeigt dieses Video aus der Sicht eines Bergführers.
Fazit
Die Schweizer Berge bieten unvergessliche Erlebnisse – vorausgesetzt, Tour, Ausrüstung und eigene Fähigkeiten passen zusammen. Wer sorgfältig plant, die Schwierigkeitsskala richtig einschätzt und im Zweifel rechtzeitig umkehrt, kommt mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit unfallfrei wieder nach Hause.
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