Sonnenbrand richtig behandeln: Was jetzt hilft – und was der Haut schadet

Ein Nachmittag im Freibad, eine Wanderung bei wolkenlosem Himmel – und am Abend brennt die Haut. Sonnenbrand ist keine harmlose Begleiterscheinung des Sommers. Die UV-Strahlung löst eine akute Entzündungsreaktion aus und kann das Erbgut der Hautzellen schädigen. Wiederholte Sonnenbrände erhöhen das Risiko für Hautkrebs.

Ist die Haut bereits gerötet, lässt sich die entstandene Zellschädigung nicht rückgängig machen. Mit den richtigen Massnahmen können Betroffene jedoch Schmerzen lindern, die Haut schonen und Komplikationen vermeiden. Wichtig ist dabei auch, vermeintlich bewährte Hausmittel kritisch zu betrachten.

Sofort aus der Sonne gehen

Sobald die Haut spannt, brennt oder auffällig warm wird, endet der Aufenthalt in der Sonne. Das gilt selbst dann, wenn noch keine deutliche Rötung sichtbar ist. Sonnenbrand entwickelt sich zeitverzögert. Seine volle Ausprägung zeigt sich häufig erst mehrere Stunden nach der UV-Belastung.

Die betroffenen Stellen sollten bis zur vollständigen Abheilung konsequent vor weiterer Sonne geschützt werden. Am sichersten ist der Aufenthalt im Schatten oder in geschlossenen Räumen. Muss die Person nach draussen, bedeckt lockere und dicht gewebte Kleidung die Haut. Sonnencreme allein reicht auf bereits verbrannter Haut nicht als Schutz aus.

Sanft kühlen, aber kein Eis verwenden

Kühle Duschen, Bäder oder feuchte Umschläge können Brennen und Hitzegefühl lindern. Das Wasser sollte angenehm kühl, aber nicht eiskalt sein. Besonders bei Kindern ist darauf zu achten, dass der Körper nicht auskühlt.

Eiswürfel und tiefgefrorene Kühlpads gehören niemals direkt auf sonnenverbrannte Haut. Die extreme Kälte kann das bereits geschädigte Gewebe zusätzlich belasten. Wird ein Kühlpad verwendet, gehört ein ausreichend dickes Tuch dazwischen.

Seife, Peelings und stark parfümierte Duschprodukte sind zunächst ungeeignet. Auch kräftiges Abreiben mit einem Handtuch reizt die Haut. Besser ist es, die betroffenen Stellen vorsichtig trocken zu tupfen.

Wie stark ist der Sonnenbrand?

Ein leichter Sonnenbrand zeigt sich durch Rötung, Wärme, Spannungsgefühl und Berührungsempfindlichkeit. Bei dunkleren Hauttypen ist eine Farbveränderung unter Umständen weniger deutlich zu erkennen. Wärme, Schmerzen und Schwellungen können trotzdem vorhanden sein.

Bei einer stärkeren Schädigung entstehen ausgeprägte Schwellungen oder Blasen. Dazu können allgemeine Beschwerden kommen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Fieber oder Kreislaufprobleme sprechen möglicherweise dafür, dass neben dem Sonnenbrand eine Hitzeerschöpfung oder ein Sonnenstich vorliegt.

Die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt häufig erst nach etwa einem Tag. Anschliessend sollte eine allmähliche Besserung einsetzen. Nach einigen Tagen kann sich die oberste Hautschicht ablösen. Dieses Schälen gehört zum Heilungsverlauf. Die Haut darf dabei nicht abgezogen oder mit einem Peeling bearbeitet werden.


Eine leichte, unparfümierte Feuchtigkeitspflege kann das Spannungsgefühl lindern. Die entstandene UV-Schädigung macht sie jedoch nicht rückgängig. Auf offene Stellen und Blasen gehören keine kosmetischen Produkte.

Feuchtigkeitspflege: schlicht ist meist besser

Nach dem Kühlen kann eine unparfümierte Feuchtigkeitslotion oder ein mildes After-Sun-Produkt angenehm sein. Leichte, wasserreiche Formulierungen fühlen sich meist besser an als sehr fettreiche Salben. Vaseline und stark abdichtende Produkte können Wärme in der Haut zurückhalten und sind in der akuten Phase weniger geeignet.

Produkte mit Dexpanthenol oder Aloe Vera werden häufig als kühlend und beruhigend empfunden. Sie können die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Für die Behauptung, Aloe Vera beschleunige die Heilung eines Sonnenbrands eindeutig, reicht die wissenschaftliche Evidenz allerdings nicht aus. Deshalb sollte Aloe Vera nicht als Heilmittel dargestellt werden.

Am besten eignet sich ein fertig formuliertes, unparfümiertes Gel aus der Apotheke oder Drogerie. Frisches Gel direkt aus einem aufgeschnittenen Pflanzenblatt kann hautreizende Bestandteile enthalten oder verunreinigt sein. Auf offene Hautstellen und Blasen gehört es nicht.

Wie Pflegeprodukte und Sonnenschutz zusammenspielen, erklärt auch der Beitrag über systematischen Sonnenschutz und eine hautgerechte Sommerpflege.

Quark, Joghurt und Kokosöl besser weglassen

Quark- und Joghurtwickel fühlen sich anfangs kühl an. Medizinisch notwendig sind sie jedoch nicht. Sobald Milchprodukte antrocknen, können sie an der empfindlichen Haut haften und beim Entfernen zusätzliche Reizungen verursachen. Auf geschädigter oder blasiger Haut besteht ausserdem ein hygienisches Problem.

Auch Kokosöl und andere schwere Öle sind für die akute Kühlphase ungeeignet. Sie bilden einen fettreichen Film und können den Wärmeabfluss behindern. Klares Wasser, feuchte Umschläge und eine leichte, unparfümierte Lotion sind einfacher und besser kontrollierbar.

Alkoholhaltige Produkte, ätherische Öle, Zitronensaft, Essig und stark duftende Cremes gehören ebenfalls nicht auf sonnenverbrannte Haut. Sie können brennen, reizen oder Kontaktallergien auslösen.

Blasen geschlossen lassen

Blasen sind ein Zeichen für einen stärkeren Sonnenbrand. Sie dürfen nicht aufgestochen werden. Die intakte Blasendecke schützt die darunterliegende Haut vor Keimen und Flüssigkeitsverlust.

Platzt eine Blase von selbst, sollte die Stelle sauber gehalten und mit einer sterilen, nicht haftenden Wundauflage geschützt werden. Hautreste werden nicht abgerissen. Bei grossen, zahlreichen oder entzündeten Blasen ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.

Warnzeichen für eine Infektion sind zunehmende Rötung, stärker werdende Schmerzen, Eiter, unangenehmer Geruch oder Fieber. In diesen Fällen sollte die Wunde zeitnah medizinisch beurteilt werden.

Ausreichend trinken

Nach einem längeren Aufenthalt in Sonne und Hitze braucht der Körper Flüssigkeit. Wasser oder ungesüsster Tee sind eine gute Wahl. Alkohol sollte gemieden werden, da er die Flüssigkeitsregulation zusätzlich beeinträchtigen kann.

Starker Durst, ein trockener Mund, ungewöhnliche Müdigkeit, Schwindel oder deutlich weniger Urin können auf Flüssigkeitsmangel hindeuten. Besonders Kinder, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen reagieren empfindlich auf Hitze und Dehydrierung.

Schmerzmittel und Kortison nicht unkritisch anwenden

Bei Schmerzen kommen grundsätzlich Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen infrage. Ob ein Präparat geeignet ist, hängt jedoch von Alter, Schwangerschaft, Vorerkrankungen, Allergien und anderen Medikamenten ab. Deshalb sind Packungsbeilage und Dosierungsvorgaben einzuhalten. Bei Unsicherheit hilft die Apotheke weiter.

Entzündungshemmende Kortisoncremes gehören nicht pauschal zur Selbstbehandlung. Ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, sollte ein Arzt oder Apotheker beurteilen. Auf offene Stellen, Blasen oder infizierte Haut dürfen solche Präparate nicht ohne medizinische Anweisung aufgetragen werden.

Von betäubenden Sprays oder Cremes mit örtlichen Anästhetika ist ohne fachliche Beratung ebenfalls abzuraten. Sie können die Haut zusätzlich reizen oder allergische Reaktionen auslösen.


Starke Rötungen, Schwellungen oder Blasen weisen auf einen schwereren Sonnenbrand hin. Die Blasen sollten nicht geöffnet werden. Bei grossflächigen Hautschäden oder zusätzlichen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Wann eine ärztliche Abklärung nötig ist

Ein leichter, kleinflächiger Sonnenbrand lässt sich meist zu Hause versorgen. Medizinische Hilfe ist jedoch angebracht bei:

  • grossflächiger oder ausgeprägter Blasenbildung,
  • starken oder zunehmenden Schmerzen,
  • starker Schwellung, insbesondere im Gesicht oder an den Augen,
  • Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechen,
  • starken Kopfschmerzen, Muskelkrämpfen oder ausgeprägtem Schwindel,
  • Verwirrtheit, Benommenheit oder Kreislaufproblemen,
  • Anzeichen einer Wundinfektion,
  • Sonnenbrand bei Babys und kleinen Kindern.

Bei Bewusstseinsstörungen, einem Zusammenbruch oder dem Verdacht auf einen Hitzschlag ist in der Schweiz sofort die Notrufnummer 144 zu wählen. Ein schwerer Sonnenbrand kann zusammen mit hitzebedingten Erkrankungen auftreten und darf dann nicht als reines Hautproblem behandelt werden.

Die Haut braucht während der Heilung Ruhe

Eng anliegende Kleidung reibt auf der empfindlichen Haut. Lockere Baumwollkleidung ist meist angenehmer. Kratzen, Peelen und das Ablösen loser Hautstücke verzögern die Erholung und können kleine Verletzungen verursachen.

Auch Schwimmbadwasser, Salzwasser, Schweiss und stark parfümierte Kosmetik können brennen. Sport und längere Aufenthalte im Freien sollten deshalb so lange angepasst werden, bis sich die Haut beruhigt hat.


Sonnenschutz funktioniert am besten gemeinsam: Ausreichend Sonnencreme, schützende Kleidung und regelmässige Pausen im Schatten helfen, Sonnenbrand zu vermeiden und den Sommer unbeschwert zu geniessen.

Vorbeugen bleibt der wirksamste Schutz

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, die starke Sonne zwischen 11 und 15 Uhr möglichst zu meiden. Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille bilden die wichtigste Schutzbarriere. Unbedeckte Stellen werden grosszügig mit einem Sonnenschutzmittel behandelt, das vor UVA- und UVB-Strahlen schützt und mindestens Lichtschutzfaktor 30 aufweist.

Nach dem Baden und nach einer gewissen Zeit muss der Sonnenschutz erneut aufgetragen werden. Nachcremen verlängert jedoch nicht unbegrenzt die mögliche Aufenthaltsdauer in der Sonne. Wasser, Sand und Aufenthalte in den Bergen können die UV-Belastung zusätzlich verstärken.

Was Lichtschutzfaktor sowie UVA- und UVB-Schutz konkret bedeuten und welche Anwendungsfehler häufig vorkommen, zeigt der ausführliche Ratgeber über Sonnenschutz und die häufigsten Fehler beim Eincremen.

Video-Tipp: Was hilft wirklich bei Sonnenbrand?

Der Arzt Dr. Johannes Wimmer erklärt verständlich, welche Sofortmassnahmen sinnvoll sind, wie sich ein Sonnenbrand entwickelt und wann Produkte aus der Apotheke infrage kommen. Das deutschsprachige Video liegt im klassischen Querformat vor und ist kein kurzer Hochkant-Clip.



Fazit

Bei Sonnenbrand zählen zunächst drei Dinge: raus aus der Sonne, die Haut sanft kühlen und weitere Reizung vermeiden. Eine leichte, unparfümierte Feuchtigkeitspflege kann Beschwerden lindern. Aloe Vera ist eine mögliche Pflegekomponente, aber kein bewiesenes Heilmittel.

Quark, Joghurt, schwere Öle und aggressive Hausmittel bringen keinen verlässlichen Vorteil. Blasen bleiben geschlossen. Bei ausgeprägten Hautschäden, Allgemeinsymptomen oder einem Sonnenbrand bei kleinen Kindern ist ärztlicher Rat notwendig. Am wirksamsten bleibt konsequente Vorbeugung, denn entstandene UV-Schäden lassen sich durch keine After-Sun-Pflege rückgängig machen.

 

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